Mi, 13. Dezember 2017

Menschen in Salzburg

28.10.2017 17:21

Keine Männerdomäne

In der Werkstatt von Ford Schmidt an der Alpenstraße schraubt und klopft Laura Nadine Liedl, eine von immer noch wenigen KFZ-Mechanikerinnen

Wenn Kollegen manchmal "Blondi" zu ihr sagen, ärgert sie sich nicht: "Dann rede ich höchstens zurück", lacht Laura Nadine Liedl selbstbewusst, manchmal auch frech, wenn es sein muss.

Die Technik im Auto mit all ihren Schrauben, Bolzen und Leitungen interessiert sie. Ein Auto besteht aus weit über 10000 Einzelteilen, die alle miteinander verklebt, verschweißt oder verschraubt sind. Die Arbeit mit der Hand ist ihre. "Ich war immer schon mehr der praktische Typ", erzählt Laura. Dabei wollte sie eigentlich Stylistin werden. Doch die weit bessere Lehrlings-Gage lockte sie dann in die Werkstatt - von Spenglerarbeiten zur KFZ-Technik. Bei Ford Schmidt in der Alpenstraße wird konzentriert gearbeitet. In der überraschend hellen Werkstatt legen 44 Kollegen Hand an. An die 70 Auto pro Tag werden hier aufgehoben - vom Motorschaden bis zur Kleinigkeit. "Manche Autos stehen einige Tage lang da", erzählt Laura. Jetzt werden gerade hunderte Reifen geschleppt. 3000 Garnituren sind alleine bei Ford Schmidt direkt eingelagert. "Wenn es früh schneit, kommen alle auf einmal", ist auch Laura froh, dass der goldene Herbst noch anhält.

"Die Lehrlinge sind immer einem Gesellen zugeteilt", erzählt Laura Nadine Liedl, dass sie täglich dazulernt. Serive, Filterwechseln, andere Feinarbeiten. Ein Lieblingsmodell hat sie nicht. Obwohl: "Wenn man einen Mustang repariert, dann ist das schon ein spezielles Gefühl", sagt sie über die Luxusklasse. Dass Mädchen in der KFZ-Branche gleich gut sind wie die Burschen, wenn nicht sogar besser, meint Werkstättenleiter Gerhard Spörk. "Sie heben auch die Moral in der Werkstatt", erzählt er über den Umgang. Und Laura, die Burschikose mit den langen blonden Haaren, umgibt sich gerne mit Burschen: "Das Gezicke halte ich gar nicht aus", sagt sie und gibt lieber bei den Eishockey-Girls der Eagles maximalen Einsatz: "Am Eis mit Schläger, ein geiles Gefühl."

Selbst hat Laura Liedl mit ihren 16 Jahren noch keinen Führerschein. Die Technik-Kapitel bei der Führerschein-Prüfung werden für sie ein Kinderspiel sein. "Ein großer Vorteil", lacht das Lehrmädl, dass sich gern die Hände schmutzig macht. Die Fingernägel sind noch vom Wochenende lackiert, "aber das macht nichts", lacht sie und wirkt dabei erfrischend unkompliziert. Auf den Führerschein spart sie schon hin. "Es stimmt nicht, dass von den jungen Leuten keiner mehr ein Auto will", sagt sie, froh, dass auch die Uri-Oma für sie ein "Auto-Konto" angelegt hat. Bis dahin nimmt sie bei Probefahrten noch am Beifahrer Platz...

Sabine Salzmann, Kronen Zeitung

Steckbrief:

Geboren am: 27. April 2001, zu Hause in Salzburg-Stadt, ich hab’s nicht weit in die Werkstatt.
Familie: eine kleinere Schwester
Ausbildung: NMS Nonntal, Sport-HS Seekirchen, Polytechnische Schule Mattsee.
Meine Freizeit: Ich spiele Eishockey (bei den Eagles), vor allem auch mit meinen Freunden (viele sind Jungs) etwas unternehmen, fortgehen.
Urlaub: Mein absolutes Traumziel ist New York, auch Kanada (wegen Eishockey, ein Auslandsjahr dort wäre ein großes Ziel von mir); früher Kickboxen.
Ich lese: Zum Lesen komme ich kaum.
Ich höre: Am liebsten Rap.
Ich bin: Manchmal kann ich stur sein, ein hilfsbereiter Mensch, ehrgeizig; wenn ich mir etwas vornehme, will ich das auch schaffen.
Erfolg ist: Wenn ein Auto wieder einwandfrei funktioniert, da freue ich mich richtig mit. Man sieht bei unserer Arbeit das Ergebnis.
Meine Glücksmomente: Wenn wir von zufriedenen Kunden gelobt werden, wenn mich mein Geselle ganz alleine etwas übernehmen lässt.
Mein Tag: Beginnt schon recht früh.
Mich ärgert: Mit Klischees über Männerberufe kann mich niemand ärgern.
Mein Ziel: Die Lehre mit Erfolg abschließen! Das hat jetzt einmal Priorität.

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