Fr, 24. November 2017

Lift in Kramsach

28.10.2017 15:35

Sessel-Flohmarkt soll nicht Ende für immer sein

Ein wenig Wehmut spielte bei den meisten mit: Zahlreiche Einheimische und (einstige) Stammgäste ließen es sich nicht entgehen, um 50 Euro einen alten Sessel des Kramsacher Sonnwendjochlifts mit nach Hause zu nehmen - für den Garten, als Geschenk, für eine stylische Bar. Alle Interessierten vereint der Wunsch, dass es nicht das endgültige Aus für einen Lift auf den Rofan ist. Ein Verein hat viele lokale Unternehmer hinter sich geschart.

"Als Kind habe ich hier Skifahren gelernt, das ist ein Andenken daran", erzählt die Münchnerin Steffi - und wuchtet mit Freund Tino einen der mehr als 40 Kilo schweren Sessel in den Pkw-Anhänger. Vater Reinhold kann sich noch an die schweren Rossdecken erinnern, die kalte Skifahrer-Beine bei der langen Bergfahrt einst wärmten. Sogar aus Holland und England trafen Bestellungen ein, den Großteil der 250 zu verkaufenden Sessel sicherten sich aber Einheimische. "Einen bekommt mein Vater zum 80er, drei werden in der künftigen Bar meines Mannes zum Hocker", lacht die Rattenbergerin Sonja Altenburger. Auch Martin Dusch aus Brixlegg weiß genau, was er mit den vier erstandenen Sesseln machen wird: "Zwei davon wollen Bekannte vom Bodensee. Einer wird bei mir am Balkon hängen und einen erhält meine Tochter in Häring."

Vier Sessel für Hotelausstattung

Sogar aus dem Oberland zog es Interessenten zum Liftparkplatz: Birgit und Heiko Heiseler planen in Ladis ein Hotel - "die Dekoration haben wir nun schon", schmunzeln beide.Nostalgie trifft auf finanzielles MinusDer Sessel-Verkauf ist der vorläufig letzte Akt einer jahrzehntelangen Geschichte: 1968 wurde der Einersessellift eröffnet und erschloss im Sommer das herrliche Wandergebiet um den Zireiner See. Auch eingefleischte Skifahrer schätzten die oft "naturbelassenen" Pisten.

Finanzprobleme und Stilllegung

Nach Finanzproblemen und Übernahme durch die Alpbacher Bergbahnen ergab Ende 2014 eine TÜV-Überprüfung einen Sanierungsbedarf von 500.000 Euro, später von 1 Million Euro (bei einem Minus von 70.000 pro Sommer). Ab 2015 stand der Lift still. Mögliche Nachfolgevarianten werden seither heftig diskutiert.

Verein sammelte 90.000 € von Unternehmern

Nach jahrelanger fruchtloser Debatte um einen neuen Sonnwendjochlift überwiegt in der Bevölkerung längst die Skepsis. Einem jungen Verein gelang nun aber ein noch selten erlebter Schulterschluss in der Region: Dutzende Unternehmer und Idealisten stellen 90.000 € für ein Zukunftskonzept bereit.

Bisherige Trasse im Visier

Ein Lift in den Rofan scheint den Einheimischen doch sehr am Herzen zu liegen. Wochenlang liefen Mitglieder des Vereins "Sonnwendjochbergbahn neu - Naturjuwel Rofan" von Firma zu Firma und warben um Unterstützung. "Jeder wurde eingeladen, sich mit 2500 € zu beteiligen", schildert Vereinsobmann Sepp Kreidl (Seniorchef der örtlichen Installationsfirma). Erstaunliches Fazit: Man hat nun rund 90.000 € gesammelt, damit will die Schweizer Seilbahnfirma Bartholet ein Konzept für einen Rofanlift (eine Variante ist eine 2er-Sesselbahn auf teils alten Stützen) erstellen. "Auf bisheriger Trasse, alles andere würde ein jahrelanges Genehmigungsverfahren verursachen", betont Kreidl. Geld für die Planung wurde dem Verein vom "Leader plus Programm" der EU zugesichert. Ziel ist die Erschließung eines vier Kilometer langen, barrierefreien Wanderweges am Berg.

Unterstützt Gemeinde den Verein?

Bei der morgigen Gemeinderatssitzung soll entschieden werden, ob auch die Gemeinde den Verein unterstützt bzw. diesem beitritt. Bisher verfolgte man nämlich ein eigenes Gondelbahn-Konzept auf einer anderen Trasse.

Andreas Moser, Kronen Zeitung

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