So, 19. November 2017

Kleines Wiesbachhorn

27.10.2017 23:30

Riesiger Felssturz

Ein riesiger Felssturz ereignete sich, wie erst jetzt bekannt wurde, in der Nacht zum 20. Oktober im Fuschertal. Am Kleinen Wiesbachhorn (3.283 m) brachen 140 Meter unterhalb des Gipfels rund 50.000 Kubikmeter Felsen ab, das Gestein ging glücklicherweise auf alpines Ödland nieder. Gefahr für Menschen bestand nicht.

"Die Gesamtstrecke des Felssturzes beträgt rund zwei Kilometer", so Landesgeologe Gerald Valentin: "Die Felsen stürzten auf das darunter liegende Sandbodeskees und rutschten wegen der geringen Reibung einen Kilometer weit über den Gletscher." Ein kleiner Teil der Felsen gelangte so bis auf eine Seehöhe von 2.200 Metern hinab.

Nachts donnerten 50.000 Kubikmeter Gestein ins Tal

Seit September 2013 wird die Südostwand des Kleinen Wiesbachhornes von einer Webcam der Firma Panomax am Fuschertörl erfasst. "Deshalb wissen wir auch von kleineren Felsbewegungen im September 2015 und Juli 2016", so Valentin: "Der aktuelle Felssturz hat sich durch kontinuierliche Steinschläge und und einen kleinen Felssturz am Nachmittag des 19. Oktober angekündigt." Weil sich aber der große Felssturz in der darauffolgenden Nacht ereignete, ist er wegen der Dunkelheit leider nicht dokumentiert.

Berg wird mit Webcam beobachtet, keine Gefahr

Der Felssturz erinnert an das Unglück in der Schweiz vor zwei Monaten, bei dem acht Menschen getötet wurden. "Aber auch dort kam das nicht überraschend", so der Salzburger Landesgeologe: "Auch in der Schweiz wurde das Gebiet seit zehn Jahren überwacht und man hat zehn Tage vorher Alarm geschlagen."

Durch den aktuellen Felssturz am Kleinen Wiesbachhorn bestehe für Siedlungen und Häuser momentan keine Gefahr. "Bei einem Worst-Case-Szenario wäre es aber vorstellbar, dass mehrere 100.000 Kubikmeter Gesteinsmaterial in Bewegung geraten und Eisteile des Sandbodenkees aufschmelzen", so Geologe Valentin: "Gesteins-, Eis- und Wassermassen könnten so als Mure bis in das Ferleitental gelangen und möglicherweise sogar die Großglockner Hochalpenstraße in Mitleidenschaft ziehen."

Das Land Salzburg hat längst erkannt, dass der tauende Permafrost im Gebirge eine Gefahr darstellt und deshalb im Rahmen der "ARGE ALP" ein vier Jahre dauerndes Forschungsprojekt gestartet: Dabei wird die Bildung von Rissen im Gestein beobachtet, um Rückschlüsse darauf zu bekommen, was sich im Gestein selbst abspielt und wie sich der Klimawandel im Hochgebirge auswirkt.

Felsstürze dieser Größenordnung immer häufiger?

Das Große Wiesbachhorn steht in der nördlichen Glocknergruppe und ist mit 3.564 Metern der höchste Berg in Salzburg, dessen Massiv sowie alle Nebengipfel auf Salzburger Gebiet liegen, darunter auch das Kleine Wiesbachhorn (3.283 m).

Die Abbruchstelle befindet sich rund zwei Kilometer nordöstlich des Hauptgipfels beim Kleinen Wiesbachhorn auf dem Grat zum Sandbodenkopf (2.922m).

Das Aufweichen des Permafrostes durch das ganzjährig in den Boden eindringende Schmelzwasser verringert die Stabilität der Böden im Hochgebirge, eine unmittelbare Folge des Klimawandels.

Felsstürze dieser Größenordnung könnten daher häufiger werden, so die Einschätzung von Geologe Gerald Valentin. In diesem Ausmaß sind sie auf Salzburger Boden alle zehn bis 15 Jahre üblich.

Das Land Salzburg beobachtet die Veränderungen im Hochgebirge genau: Im Rahmen einer internationalen Kooperation in der ARGE ALP erfasst man Veränderungen in den Felsformationen im Zuge des Gletscherrückganges. So gibt es ein Monitoring mit hochsensiblen Sensoren auch am Ödenwinkelkees im Stubachtal. Ziel ist es, Menschen , Siedlungsräume und die Landwirtschaft im touristisch intensiv genützten Bergland zu schützen.

Wolfgang Weber, Kronen Zeitung

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