So, 17. Dezember 2017

Starke Stücke

26.10.2017 09:51

Die Highlights der Tokyo Motor Show

Es ist manches anders auf der Tokyo Motor Show, verglichen mit europäischen Automessen: Die Dichte schachtelartiger K-Cars ist hoch, es geht ruhiger und geregelter zu, die Stände der deutschen Hersteller sind (außer bei Mercedes) relativ klein, dafür stehen die Japaner voll im Rampenlicht. Vor allem Toyota zeigt mit einer eigenen Halle Muskeln, aber auch die anderen trumpfen am Heimatmarkt auf.

Beinahe wie wenn sie Terminator-artig aus flüssigem Metall gegossen wäre wirkt die Mazda-Studie Vision Coupé, die das Design-Highlight der Messe ist. Man kann nur hoffen, dass sich der künftige Mazda6 ganz nahe anlehnt, allerdings will noch niemand davon sprechen, dass wie hier schon das entsprechende Concept Car sehen. "Die Studie zeigt auf, wo es designmäßig bei Mazda hingeht", sagt Europa-Designchef Kevin Rice im "Krone"-Gespräch. "Unser Design spannt sich auf zwischen dem Vision Coupé und dem Kai." Dieser dürfte wiederum ganz nah am neuen Mazda3 sein, der Ende 2018/Anfang 2019 kommt und dessen neuartiger Motor ebenfalls vorgestellt wird: Der derzeit einzige Selbstzünder-Benziner soll besonders sparsam und drehmomentstark agieren.

Ein Blickfang steht auch bei Honda auf der Bühne: der Honda Sports EV ist die Sportversion des Urban EV, der auf der IAA für Begeisterung allerorten gesorgt hat. Während der Urban EV 2019 in Europa auf den Markt kommt, steht selbiges beim Sports noch in den Sternen - cool wäre es schon. Die (vor allem am Heck!) sehr gelungene Serienversion des Honda CR-V verblasst daneben beinahe etwas.

Motorrad-Fans kommen auch auf ihre Kosten: Honda zeigt erstmals die neue Gold Wing. Das Standardmodell ist eigentlich ein Bagger, heißt aber nicht so. Das, was wir als klassische Gold Wing kennen, hat den Beinamen Tourer. Auf jeden Fall ist sie schlanker, bis zu 48 kg leichter, hat vier Fahrmodi und optional das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe der dritten Generation - und ein mächtiges Display mit Apple Car Play. Außerdem dabei: die Honda Neo Sports Café Concept, deren Serienversion vermutlich als CB1000R auf der EICMA stehen wird.

Toyota will Weltbewegendes schaffen und richtet sein Tun auf das Jahr 2020 aus, wenn Tokio die olympischen Sommerspiele ausrichtet. Man nennt im selben Atemzug Olympia 1964, als Tokio die Spiele zum ersten Mal ausrichtete und dazu der Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen eingeführt wurde. Diese Mal soll eine große Wasserstoff-Offensive inklusive Infrastruktur starten. 100 Stück des Brennstoffzellen-Linienbusses sind bereits bestellt. Außerdem steht die Studie "Fine Comfort Ride" auf der Messe, ein ungewöhnlich geformter Luxus-Van, der in ähnlicher Form auf den Markt kommen soll. Toyota verspricht, mit sieben Kilo Wasserstoff an Bord rund 1000 Kilometer weit zu kommen.

Hoffnung auf Serienfertigung machen wir uns beim TJ Cruiser, einem kastenartigen Laderaumwunder, der entfernt an den "Hummer" erinnert, aber ganz und gar nicht von dessen Unfernünftigkeit hat. Nicht ganz klar ist, was die Studie Gazoo Racing Hybrid Sports soll. Sie verweist auf den kommenden Supra, der in Kooperation mit BMW bei Magna Steyr gebaut werden wird, allerdings ist das Design noch weit entfernt von der Serie. Möglicherweise bekommt der Supra Hybridantrieb. Das Automatikgetriebe mit dem zusätzlichen Ganghebel in einer manuellen Sechsgang-Kulisse wünschen wir uns, werden ihn aber wohl nicht bekommen.

Luxus nur für Japan bietet der Toyota Century, der nach 20 Jahren abgelöst wird und nun statt einem Zwölfzylinder einen Achtzylinder-Hybrid unter der Haube hat.

Toyotas Edelmarke Lexus legt sich auf autonomes Fahren fest: Der Lexus LS+ Concept soll 2020 in Serie gehen und weitreichende autonome Fähigkeiten besitzen.

Suzuki zeigt wider Erwarten nicht den neuen Jimny, dafür aber einen schnuckeligen, elektrischen Buggy mit dem Namen e-Survivor. Jedes Rad wird von einem eigenen E-Motor angetrieben. Serienfertigung zweifelhaft, aber wünschenswert, aber nicht sicher. Bessere Aussichten auf Serienfertigung hat das Spacia Custom Concept, allerdings nur für Japan bzw. Asien. Bei uns sind solche kastenartigen Raumwunder nicht gefragt, wie Suzuki einst mit dem Wagon R erfahren hat. Die beiden "XBEE"-Studien sind optisch eine Mischung aus diesen Kastenautos sowie Mini Countryman und Fiat 500 L. Serienfertigung fraglich.

Nissan macht das Elektroauto Leaf zum Nismo. Ein Concept Car mit entsprechender Kriegsbemalung sieht man in Tokio, wann und mit welcher Leistungssteigerung das Elektroraser auf den Markt kommt, ist noch geheim. Der aktuelle Leaf leistet immerhin statt 109 PS deren 150 und soll eine stärkere Version mit über 200 PS und einem 60-kW-Akku für rund 500 Kilometer Reichweite bekommen. Vor allem rückt Nissan aber die Studie IMx (steht für Intelligent Mobility Crossover) ins Rampenlicht. Der Wagen hat zwei Elektromotoren (an jeder Achse einen), die insgesamt 435 PS leisten und 600 Kilometer Reichweite versprechen - autonom. Das Lenkrad kann eingefahren werden.

Mitsubishi stellt den neuen Eclipse Cross über die Dinge (wird nun doch nicht als Hybrid kommen), auf die große Bühne aber die SUV-Studie e-Evolution: Drei E-Motoren - einer an der Vorderachse, je einer an den Hinterrädern nehmen das Allradkonzept des Lancer Evo auf, das Design sollen wir 2020/2021 in einem Serienfahrzeug wiederfinden.

Dass es Toyota-Tochter Daihatsu in Europa nicht mehr gibt, ist angesichts dessen, was die Marke in Tokio ausstellt, schade. Eine Coupé-Studie, die an den "Compagno" aus den 60er-Jahren erinnert, sieht zwar ungewöhnlich aus, würde sich aber auch im europäischen Straßenbild gut machen. Prinzipiell ist Daihatsu aber sehr gut in Sachen Kleinwagen, auch wenn die bereits genannten Kastenautos mit der Standardlänge von 3,40 Meter und Schiebetüren bei uns keiner kauft.

Stephan Schätzl
Redakteur
Stephan Schätzl
Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden