So, 19. November 2017

Verbrechen

24.10.2017 19:34

Die Pralinen im Mordfall Krenn geben Rätsel auf

Durch sein Verhalten hat er sich vielleicht noch mehr belastet: Richard H., einer der Mordverdächtigen im Fall Roland Krenn, sollte am Dienstag die Tat in der Justizanstalt rekonstruieren. Der Mann brach die Aktion mit den Pralinen aber nach wenigen Minuten ab.

Richard H. (24), Musiker, der zuletzt in Ebenau wohnte, wird verdächtigt, den vermögenden Roland Krenn (63) aus Salzburg im Sommer 2016 gemeinsam mit seiner Freundin Anna M. (20) ermordet zu haben. Krenn wurde Ende August 2016 als vermisst gemeldet. Seither laufen die Ermittlungen. Konkrete Ergebnisse gab es erstmals nach der Auffindung der Leiche. Zuerst wurde Richard H., ein umtriebiger Musiker aus dem Flachgau, ins Visier genommen. Er hatte regelmäßigen Kontakt zu Krenn. Nach seiner Festnahme beschuldigte er Robert Sch. aus dem oberösterreichischen Haigermoos als Mitwisser und Drogendealer. Dieser habe ihn und Krenn mit Kokain versorgt. H. gab außerdem zu, Krenn "versehentlich" gemeinsam mit seiner Freundin (20) vergiftet zu haben.

Die beiden hatten Krenn zu einem Abendessen eingeladen. Die Pralinen, die sie servierten. hatten sie präpariert. Mit Schlaftabletten, die sich Anna M. von ihrem Hausarzt verschreiben ließ. Die beiden wollten Krenn nur betäuben, nicht töten.

Das Opfer soll nach dem gemeinsamen Abendessen samt Pralinen schläfrig geworden sein. Der Mann wollte nach Hause gefahren werden. Richard H. und Anna M. kamen der Bitte nach. In Hellbrunn angekommen, war Krenn bereits bewusstlos. Die beiden verfrachteten ihn auf eine Matratze im Keller und zogen ihm einen Steif-Teddy-Bezug über den Kopf. Als der Beschuldigte Richard H. später an den Tatort zurückkehrte, war Krenn tot. Der Verdächtige brachte die Leiche zu Roland S. Die beiden versuchten einen geeigneten Platz im Wald zu finden. Nachdem sie aber keinen fanden, beschloss Robert S., dass der Leichnam auch in seinem aufgelassenen Schweinestall auf seinem Anwesen in Haigermoos (OÖ) gut zu verstecken sei. Die Komplizen verfrachteten Krenns Leiche in einen Schweinetrog, warfen Müll sowie 40 Liter Chemikalien darüber. H.’s Anwalt Franz Essl kommentiert den Abbruch so: "Die Beteiligung an der Tatrekonstruktion ist ein Beschuldigtenrecht, aber keine Pflicht. Ich verweise auf § 150 StPO."

Manuela Kappes, Kronen Zeitung

Der Verlauf der Ermittlungen:

  • 29. August 2016: Ein Bekannter des reichen Roland Krenn (63) erstattet bei der Polizei eine Vermisstenanzeige.
  • 17. September 2016: Die Ermittlungen laufen an: Abfragen bei Flughäfen bringen keine Infos. In der Villa von Krenn wird sein Reisepass gefunden.
  • 13. Oktober 2016: Eine Durchsuchung der Villa sowie von Garten und Teich liefert keine Ergebnisse.
  • 21. November 2016: Das Auto von Krenn wird auf seinem Grundstück im Bezirk Oberwart (Bgld.) gefunden.
  • 6. Dezember 2016: Polizeischüler durchkämmen das Anwesen im Burgenland.
  • 26. April 2017: Kriminalisten werten die Daten von Krenns Handy aus und stoßen auf seine Gefährten Richard H. (24) und Robert S. (29).
  • 28. April 2017: Richard H. wird verhaftet. Er verrät im Verhör den Ort der Leiche.
  • 12. Mai 2017: Diese wird in einem Futtertrog neben dem Wirtshaus von S. in Haigermoos (OÖ) gefunden. S. wird verhaftet, sitzt mit H. seither in Untersuchungshaft. Später wird auch dessen Freundin festgenommen.

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