Mi, 22. November 2017

Anonyme Testkäufe

24.10.2017 18:16

Weniger Schnaps für Jugendliche

Wie ernst nehmen die heimischen Gastronomen, Lebensmittelhändler und Tankstellenshop-Pächter den gesetzlichen Jugendschutz? Um das herauszufinden, schickt das Land gezielt Unter-16-Jährige los, die dazu angehalten sind, versuchsweise Alkoholika einzukaufen. Die Halbjahresbilanz ist erfreulich: Die Zahl der schwarzen Schafe war stark rückläufig.

Die Test-Einkäufer sind zwischen 14 und 15 Jahre alt. In Lebensmittelgeschäften und Tankstellenshops gehen sie mit einer großen Flasche Wodka bzw. Schnaps (0,7 Liter) zur Kassa, in Gastro-Betrieben bestellen sie ein Mix-Getränk wie Cola-Whiskey oder Cappy-Wodka. Die Jugendlichen müssen ihrem Alter entsprechend aussehen, sie dürfen nicht geschminkt sein und müssen Fragen des Personals nach ihrem Alter oder Ausweis ehrlich beantworten. Ein "Nein" des Kassen- oder Service-Personals gilt es zu akzeptieren. Sie dürfen weder auf einen Kauf bestehen, noch sonst Druck auf das Personal ausüben.

Nur 13,4 Prozent erfolgreich
Von 621 Testkäufen im ersten Halbjahr 2017 gelang es insgesamt nur in 13,4 Prozent der Lebensmittel-Läden (2015 waren es noch 20,4), in 14,4 Prozent der Tankstellenshops (2015 noch 20,8) und in 23,7 Prozent der Gastro-Betriebe (2015 noch 42,9) Alkoholika zu erwerben, die erst an 18-Jährige abgegeben werden dürfen.
"Die Entwicklung ist äußerst positiv, die ständige Sensibilisierung scheint zu greifen", freut sich der zuständige Landesrat Elmar Podgorschek. Er möchte das Projekt daher auch in den kommenden Jahren fortsetzen. Podgorschek: "In diesem Bereich werden wir nicht sparen."
Christoph Lagemann vom Institut für Suchtprävention verweist darauf, dass ähnliche Testkäufe in der Schweiz und Vorarlberg deutlich höhere "Erfolgsquoten" (32 und 40 Prozent) ergeben hätten.

"Manche haben sich bedankt"
Das Institut Suchtprävention wurde mit der Durchführung der Testkäufe betraut. Christoph Lagemann berichtet von den Erfahrungen.

"Krone": Bei den Testkäufen wurden die Jugendlichen im Hintergrund von erwachsenen Personen begleitet.
Christoph Lagemann: Es handelte sich dabei um pädagogisch geschulte Personen, die die Ergebnisse der Testkäufe protokolliert und dann dem Kassen- bzw. Servicepersonal sowie den Geschäftsführern der getesteten Betriebe rückgemeldet haben.

"Krone": Haben sich die Überführten einsichtig gezeigt?
Lagemann: Großteils schon, manche haben sich sogar noch bedankt dafür, auf die Weise sensibilisiert worden zu sein. Es gab allerdings auch einen Gastronomiebetrieb in Linz, wo der Jugendliche und sein Betreuer  sofort hochkant hinausgeworfen wurden.

"Krone": Was passiert Betrieben, die auf die Weise ertappt worden sind?
Lagemann: Beim ersten Mal noch nichts. Sie werden später aber anonym ein weiteres Mal getestet. Wird dann wieder Alkohol an Jugendliche abgegeben, folgt eine Anzeige wegen Verstoßes gegen das Jugendschutzgesetz.

Jürgen Pachner, Kronen Zeitung

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden