Di, 21. November 2017

Flüssiges Gold

03.11.2017 08:35

Auf ein (Bier-)Bad nach Böhmen

Tschechien ist ein Paradies für Bierliebhaber und blickt auf eine beeindruckende Entwicklungsgeschichte des Gerstensaftes zurück. Eine Reise in die Nation, in der das flüssige Gold längst zum flüssigen Brot geworden ist.

Du trinkst kein Bier und machst eine Biertour durch Böhmen? Erstaunte Gesichter blicken mich fragend an. Wieso denn nicht? Bier ist schließlich mehr als ein Getränk, denn es verwöhnt nicht nur den Gaumen, sondern auch Haut und Haar. Die in Bier enthaltene Hefe versorgt die Haut mit wertvollem Vitamin B, und Hopfen macht die Haare schön. Zudem wird es bei Schlafproblemen eingesetzt. Wussten Sie, dass in jedem Schlafmittel Hopfen ist?

Das und noch viel mehr rund um diesen besonderen Bestandteil des Gerstensaftes erfährt man bei einer Führung durch das weltweit größte Hopfenmuseum in Saaz in der Aussiger Region in Nordböhmen, rund 90 km von Prag entfernt. Das ehemalige Hopfenmagazin dokumentiert die Entwicklung der Hopfenindustrie vom Beginn des Hopfenanbaus bis zur Gegenwart.

Warum ist die Saazer Gegend so geeignet für den Hopfenanbau? Weil sie im Regenschatten liegt. Zudem sorgt der Fluss Eger für die Untergrundversorgung. Ideale Bedingungen, und so gedeiht hier der beste - und auch teuerste - Hopfen der Welt, der "Saazer Redling". Abnehmer des Saazer Hopfens sind Weltmarkenbiere wie Budweiser und Pilsner Urquell.

AUF DEN (BIER-)GESCHMACK gekommen, geht es weiter in Tschechiens Biermetropole: Pilsen. Die viertgrößte Stadt des Landes ist ein Paradies für Liebhaber des flüssigen Goldes, welches in Böhmen übrigens "flüssiges Brot" genannt wird - ist es dortzulande doch bereits so etwas wie das tägliche Brot. Keine Nation hat so einen hohen Bierverbrauch - gemessen an der Einwohnerzahl. An zweiter Stelle liegt Österreich.

Pilsen ist jedoch mehr als nur Biermekka. Die Stadt ist das Kulturzentrum der Region und trägt zu Recht und mit großem Stolz den Titel Kulturhauptstadt Europas 2015. Pilsen bietet zudem den höchsten Kirchturm des Landes, welcher Teil der dominanten St.-Bartholomäus-Kathedrale auf dem Platz der Republik ist.

Bekanntester Pilsner ist Karel Gott. Ebenso untrennbar verbunden mit der Stadt ist die Marionettenkunst. Diese wurde im Dezember 2016 zu Tschechiens fünftem immateriellen UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.

UND WAS WÄRE EINE REISE nach Pilsen ohne einen Besuch des Brauereigeländes von Pilsner Urquell? Rund 350.000 Besucher aus aller Welt nehmen jährlich an einer Führung teil, in der man die Entstehungs- und Erfolgsgeschichte des Pilsner Biers erfährt. Zu verdanken ist diese dem Braumeister Josef Groll, der 1842 mit nur 29 Jahren das erste untergärige Bier braute und für den Welterfolg dieser Biermarke sorgte.

Zum Abschluss gibt es eine Kostprobe aus den Eichenfässern im Brauereikeller. Mein absoluter Höhepunkt der Tour ist jedoch der Besuch der Bierzapfschule. Zweimal wöchentlich findet ein Bierzapfkurs statt, bei dem man von Braumeister Vratislav Lika drei Arten von Ausschank kennenlernt: den "Snyt", den "Mliko" und den "Hladinka". Ich probiere Letzteres, und mit ganz wenig Hilfe gelingt es tadellos. Abgeschlossen wird mit einem Diplom.

Als stolze Absolventin des Bierzapfkurses darf eine kleine Belohnung nicht fehlen. Und so geht es auf ein entspannendes Bierbad in das Wellnesshotel Purkmistr. Seit drei Jahren kann man in Pilsens erstem Bierspa im 36 Grad heißen Wasser-Bier-Gemisch 20 Minuten lang die wohltuende und heilende Wirkung des Gerstensaftes erleben. Zudem werden spezielle Bier-Behandlungen angeboten, welche besonders bei trockener und Problemhaut zu empfehlen sind.

Das flüssige Gold ist in der Tat Gold wert - ob als Durstlöscher oder als kleines Wundermittel für Schönheit und Gesundheit. Und ich? Ich trinke nach wie vor kein Bier, ich genieße es - sowohl in kulinarischen Köstlichkeiten als auch auf Haut und Haar.

Bianca Waculik, Kronen Zeitung

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