Mi, 13. Dezember 2017

Tipps bei Ängsten

30.10.2017 11:30

Fürchten ist nicht immer schlecht

Angst ist ein wichtiger Schutzmechanismus aller Lebewesen. Daher schadet es nicht grundsätzlich, sich vor einer Gefahr zu fürchten. Nur so kann man sie vermeiden oder die Flucht ergreifen. Wir werden in unserer neuen Serie "Notfallset gegen Angst" jedoch Ängste besprechen, die gar keine Basis haben. Es geht um krankhafte Störungen.

Wer den Begriff "Angst" googelt, stößt auf den Psychiater und Philosophen Karl Jaspers, der folgende Unterscheidung trifft: "Die Furcht ist auf etwas gerichtet, die Angst gegenstandslos." Eigentlich handelt die Serie also von Furcht, weil wir unangemessene Reaktionen auf konkrete Einflüsse beleuchten wollen: Auf eine Bedrohung, die gar nicht wirklich besteht. Die alten Griechen haben dafür das Wort "Phobie" verwendet.

Es gibt eine praktisch unbegrenzte Zahl von Phobien. Auf Deutsch: Wir Menschen können eigentlich vor allem Angst haben. Zu den bekanntesten Störungen dieser Art zählen die Furcht vor Menschenmengen (Agoraphobie), vor engen Räumen (Klaustrophobie) oder vor Spinnen (Arachnophobie). Ich kenne aber auch Männer, die sich - zumindest zeitweise - vor der eigenen Frau fürchten. Oder vor Hausarbeit (im Volksmund Faulheit genannt).

Freilich sind krankhafte Ängste unbedingt ernst zu nehmen! Daher sollte bei entsprechenden Symptomen die Diagnose durch einen Facharzt erfolgen. Schließlich müssen bei körperlichen Beschwerden der Angst, wie zum Beispiel Atemnot und Herzrasen, allfällige organische Ursachen ausgeschlossen werden. Das setzt eine medizinische Untersuchung voraus. Üblicherweise mit Labor (Bluttest), EKG etc. Kann eine körperliche Krankheit ausgeschlossen werden, wird die Behandlung der Seele in Angriff genommen.

Sind auch Sie betroffen? Ein kleiner Selbsttest kann den Verdacht erhärten oder entkräften. Für eine Phobie spricht:

  • Die Angst steht in keinem Verhältnis zur Situation. Beispiel: Sie geraten in Panik, wenn Sie einen leeren Aufzug betreten.
  • Die Angst vor irgendetwas dauert auch noch lange nach der Konfrontation an.
  • Sie finden überhaupt keine Erklärung für Ihre Angst.
  • Sie sind durch Ängste in Ihrer Lebensqualität stark und nachhaltig eingeschränkt.
  • Der Kontakt zu anderen Menschen wird nach und nach weniger. Man isoliert sich gleichsam selbst.

Die Beschwerden im Zuge einer Panikattacke betreffen nicht nur beschleunigten Puls und Ringen nach Luft. Weitere häufige Symptome sind Schwindel, Schweißausbruch, Zittern, Mundtrockenheit, Beklemmungsgefühl (Druck auf der Brust), Übelkeit bis zum Erbrechen, Durchfall, Kontrollverlust über die eigenen Gedanken (reale Geschehnisse werden als unwirklich empfunden). Zum Glück gibt es für jede Situation geeignete Behandlungsmöglichkeiten. Diese reichen von ärztlichen Maßnahmen (Medikamente) über Psychotherapie bis zur Selbsthilfe mittels Entspannungsmethoden und pflanzlichen Substanzen aus der Apotheke.

Dr. med. Wolfgang Exel, Kronen Zeitung

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