Mo, 20. November 2017

Strände und Schnee

24.10.2017 08:14

Hawaii: Skifahren mit Meerblick

Wer nach Hawaii reist, sollte auch Haube, Schal und Handschuhe einpacken. Entweder, um im US-Inselstaat tatsächlich ein paar Schwünge in einem der exotischsten Skigebiete der Welt zu machen, oder, um ohne Frostbeulen einen Sonnenaufgang auf einem der Vulkane mitzuerleben.

Kurz nach 2.30 Uhr klingelt der Wecker. Zu Hause würde ich um diese Uhrzeit zumindest die Schlummertaste drücken, um noch ein paar Minuten Schlaf zu bekommen. Doch wenn der Berg ruft, ist auch das Aufstehen mitten in der Nacht kein Problem - selbst im Urlaub. Die vorsorglich eingepackte Haube, der Schal, die Handschuhe und die gefütterte Jacke liegen bereit. Eine Viertelstunde später sitze ich im Mietauto und fahre Richtung Mauna Kea.

DER WEIßE BERG, wie Mauna Kea übersetzt heißt, ist ein Vulkan auf Big Island. Mit 4200 Metern ist er der höchste Berg auf Hawaii. Um die dünne Höhenluft dort schnuppern zu können und der größten Sternwarte der Welt, die auf der Anhöhe ist, einen Besuch abstatten zu können, habe ich extra einen Jeep gemietet. Allradantrieb wird schließlich verlangt, um die letzten, nicht-asphaltierten Kilometer zum Gipfel zu erobern.

Auf dem Weg dorthin treffe ich kaum andere Autos, weil ich etwas zu früh dran bin. Es ist stockfinster, als ich mein Ziel erreiche - und in der totalen Dunkelheit wirkt es so, als ob die Sterne am Himmel greifbar nah sind. Als später die Sonne aufgeht, hat es lediglich zwei Grad plus. Das Spektakel ist atemberaubend, auch wenn nun der Blick auf die karge Landschaft frei wird, die auf dem Gipfel mit Schnee bedeckt ist.

ANANAS-PULVER nennen sie den Schnee, der hier am Mauna Kea liegt. Lift gibt’s keinen, stattdessen muss ein Shuttledienst organisiert werden, um in einer der exotischsten Skiregionen der Welt ein paar Schwünge zu machen. Skifahren mit Meerblick. Für andere tut’s Mountainbiken auch. Hier auf Big Island werden organisierte Touren angeboten, die die Gruppen nach oben bringen. Erst bleibt genug Zeit fürs Fotografieren des Sonnenaufgangs, dann geht es aufs Bike.

Generell fällt auf: Hawaii ist ein Sportler-Paradies. Von den Surfern, die für die gigantischen Wellen auf der Insel Maui viele Flugstunden in Kauf nehmen, bis hin zu den Golfspielern oder den Läufern. Sechs Flugstunden von der Westküste Amerikas entfernt, ist der Drang, sich zu bewegen, hoch. Wer Abstand zum Abschalten braucht, ist hier genau richtig, auch wenn eine Reise nach Hawaii kein Abenteuer ist: Die Infrastruktur ist bestens ausgebaut. Das gilt auch für die Flugverbindungen auf die anderen Inseln, von denen jede einen besonderen Charme hat. In einer kleinen Propellermaschine ging’s für mich dann von Big Island nach Maui.

FRÜHAUFSTEHER können sich auch auf Maui mit einem Sonnenaufgang auf dem Vulkan belohnen. Anders als auf dem Mauna Kea ist auf dem 3055 Meter hohen Haleakala aber viel mehr los: Mit Hunderten Touristen gibt’s hier den Blick auf die aufgehende Sonne. "Are you excited?" (Seid ihr aufgeregt?), fragt ein Rancher, und man kommt sich vor wie bei einem Popkonzert, als ein lautes "Yeah" aufbrandet. Das Naturerlebnis ist toll, doch wer schon auf dem Mauna Kea war, kann das auslassen. Später geht’s zum Strand, um im Norden der Insel die talentierten Surfer zu beobachten. "Die Inselbewohner gehen um 21 Uhr schlafen, stehen dafür mit Sonnenaufgang auf und gehen vor der Arbeit noch surfen", erzählt die Oberösterreicherin Sabine Schindlbauer, die auf Maui lebt.

MEHR ALS 50 BRÜCKEN gilt es tags darauf auf der Straße nach Hana zu queren. Ein kurvenreiches Vergnügen. Weil die Straße immer wieder einspurig wird, lernt man die Langsamkeit zu schätzen - und hat mehr Zeit, um sich an der farbenprächtigen Natur sattzusehen. Im Kipahulu-District lege ich eine Pause ein: Durch einen Bambus-Wald, auf dem immer wieder Schilder daran erinnern, sich ja nicht abseits des Weges zu bewegen, wandere ich zu den Waimoku-Wasserfällen. Die Felsen sind grün bewachsen, Wasser bahnt sich direkt vor mir den Weg nach unten.

KEINE INSEL WIE DIE ANDERE - diese Vielfalt macht Hawaii so besonders. Während auf Oahu der Massentourimus sein Zentrum hat und sich am berühmten Strand in Waikiki die Hotels drängeln, ist etwa auf Kauai alles viel ruhiger und weniger bevölkert. Kauai ist die Garteninsel. Für den Ruf muss man auch bezahlen. 50 US-Dollar kostet es, um den Allerton-Garden zu besichtigen. Hier wurden "Jurassic Park" und der vierte Teil von "Fluch der Karibik" gedreht.

"Johnny Depp fuhr öfter noch im Outfit des Captain Jack Sparrow in die Bars", erzählt Tourguide David Alexander. Für die Dreharbeiten war der Garten zwei Monate lang gesperrt, einige der Reiseführer übernahmen Statistenrollen: "Penélope Cruz war auch dabei", erzählt David, der die Gruppe zu Bäumen mit beeindruckendem Wurzelwerk führt. Ein Fotostopp ist hier Pflicht. Und wer bis jetzt "Jurassic Park" nicht gesehen hat, der will es nun sehen, um den Allerton-Garden auch auf der Leinwand zu erleben.

DIE FILMINDUSTRIE hat auch andere Fleckchen auf Hawaii längst für sich entdeckt. So war die Na-Pali-Küste auf Kauai schon mehrmals beliebter Drehort. Wer einen Blick auf die steil abfallenden Klippen werfen will, kann dorthin wandern, einen Hubschrauber-Flug oder einen Boots-Ausflug buchen. Ich wähle Letzteres: Das Personal an Bord ist überfreundlich und lebt auch das Surfer-Image, das viele mit Hawaii verbinden. Später haben wir das Glück, sogar Wale aus der Ferne zu beobachten. Drei Monate sind diese unterwegs, bis sie von ihrem Winterquartier im Pazifik wieder nach Russland übersiedelt sind.

EINE ZEITREISE können Besucher schließlich noch auf der Insel O’ahu machen. Unweit der Hauptstadt Honolulu liegt nämlich der Hafen Pearl Harbor. Der Marinestützpunkt wurde 1941 von den japanischen Streitkräften angegriffen, 2400 Menschen starben. Eines der Schlachtschiffe, die "USS Arizona", sank und wurde auch nicht geborgen. Über dem Wrack wurde eine schwimmende Gedenkstätte errichtet, die mittels Boot erreicht werden kann. Die Sicherheitsauflagen sind hier für Hawaii-Verhältnisse sehr streng: Rucksäcke, Taschen und sogar Kamera-Taschen sind verboten.

ZUM ABSCHLUSS setze ich noch ein Hakerl auf der To-do-Liste hinter den Diamond Head, einen 232 Meter hohen Berg, auf den viele Stufen führen. Der Strand von Waikiki ist vom Wahrzeichen der Insel aus zu sehen, aber vor allem noch einmal das satte Grün der Landschaft, an das man sich gewöhnt hat und das einem fehlen wird.

Barbara Kneidinger, Kronen Zeitung

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