So, 19. November 2017

„Teach for Austria“:

19.10.2017 00:48

Akademiker werden mit Kurs Lehrer

Der Opa war Arzt, der Papa ist Jurist und der Sohn wird auch studieren - die Bildungswege sind in Österreich meist familiär vorgezeichnet. Die von der Industrie mitgesponserte Initiative "Teach for Austria" will dies ändern. Uni-Absolventen werden nach Schnellkursen als zusätzliche Lehrer an Brennpunkt-Schulen eingesetzt, um dort die Chancen der Kinder zu verbessern.

Die Idee für "Teach for Austria" kommt aus den USA, wo es diese Bildungsorganisation als "Teach for All" seit 1990 gibt. Der Ansatz ist sozial: Es geht vor allem um Kinder aus den ärmsten Familien, deren Eltern geringe oder keine Bildungsabschlüsse haben. 85 Prozent dieser Kinder an Brennpunkt-Schulen haben nicht Deutsch als Muttersprache. So haben Zehnjährige aus bildungsfernen Familien bereits bis zu drei Schuljahre gegenüber Akademiker-Kindern verloren.

Wels, Linz und Steyr haben sehr viele Ausbildungsabbrecher
In Wels, Linz und Steyr liegt die Quote der Ausbildungsabbrecher im Alter von 15 bis 24 Jahren weit über dem Bundesdurchschnitt von 12,9 Prozent. Sie sind mit elf Wiener Bezirken und Salzburg-Stadt unter den negativen Top-15-Bezirken.

Elf Wochen Schnellkurs statt Lehramtsstudium
Ungewöhnlich ist, wie "Teach for Austria" die "Fellows" genannten Zusatz-Lehrer rekrutiert und ausbildet: Es werden Uni-Absolventen gesucht, die nach einem fünfwöchigen Online-Campus und sechswöchigen Training in einer Sommerakademie in die Schulen gehen. Zwei Jahre lang werden diese Jung-Lehrer in NMS und Polytechnischen Schulen eingesetzt und dabei ständig überprüft und weiter ausgebildet.

Erster Lehrgang in OÖ startet bald
Der "Pionierlehrgang" für OÖ ist in der Startphase, zwölf "Fellows" werden gesucht, erklärt Gebhard Ottacher von "Teach for Austria" im Interview. Bildungslandesrätin Christine Haberlander findet das Projekt gut, Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer ist noch eher skeptisch.

"Teach for Austria"-Geschäftsführer Gebhard Ottacher ist selbst studierter Historiker. Er sieht seine Lehrer als Chancengeber.

"Krone": Ist Ihr Projekt nicht quasi eine Art Beschäftigungstherapie für arbeitslose Jung-Akademiker?
Gebhard Ottacher: Nein, überhaupt nicht. Wir suchen besonders engagierte Hochschulabsolventen, die zwei Jahre als vollwertige Lehrkräfte unterrichten. Für Oberösterreich suchen wir zwölf Akademiker, bundesweit haben wir 60 Plätze.

"Krone": Was bieten Sie an?
Ottacher: Volle Verantwortung ab Tag eins, mehr als einen Job, nämlich eine Aufgabe mit Sinn. Ein Leadership-Programm im Wert von 20.000 Euro, das die Industrie mit dem Land finanziert. Ein Jahresgehalt  von 29.000 Euro, 800 Stunden Workshops, Trainings und Coachings, ein internationales Netzwerk und ein Mentoringprogramm mit Entscheidungsträgern.

"Krone": Wie funktioniert das genau, wenn Sie beispielsweise jemand einstellen, der vergleichende Literatur studiert hat?
Ottacher: Der unterrichtet dann eben Deutsch. Wir haben bis jetzt 89 Lehrer, mit Studienabschlüssen aus den verschiedensten Bereichen im Alter von 22 bis 35 Jahren.

Christoph Gantner, Kronen Zeitung

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