So, 19. November 2017

Gefährliche Folgen

14.10.2017 06:00

Macht der Klimawandel krank?

Die rasanten Veränderungen stellen DIE Herausforderungen unserer Zeit dar - auch für die Gesundheit! Lesen Sie, was unseren Körpern in den nächsten Jahrzehnten droht, und was Sie selbst unternehmen können.

Der Klimawandel ist real. Auch in Österreich. Seit 1880 stieg die Temperatur hierzulande um beinahe zwei Grad. Die Hälfte der Erwärmung ist dabei seit 1980 festzustellen. Und eine weitere Zunahme der Temperaturen wird von Experten erwartet, in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts mit einem zusätzlichen Anstieg von etwa 1,4 Grad. "Schon heute steht fest, dass künftig weltweit in vielen Bereichen massive Probleme auftreten werden", so OA Assoz. Prof. DI Dr. Hans-Peter Hutter, Facharzt für Hygiene und Mikrobiologie am Zentrum für Public Health an der MedUni Wien in seinem neuen Buch "Klimawandel und Gesundheit". "Für Mitteleuropa sagt man zunehmende Hitzewellen und Dürrezeiten, aber auch häufigere Starkregenereignisse mit Überschwemmungen voraus. Das hat drastische Folgen für die Gesundheit der Bevölkerung."

Kälte und Hitze:
Besonders empfindlich auf Temperaturschwankungen reagiert das Gehirn. Wenn das Gehirn bemerkt, dass die Körpertemperatur zu hoch ist, kommt es zu einer Kreislaufumstellung. Die Folgen reichen von Schwindel über Kopfschmerzen bis hin zum Kreislaufkollaps. Auch Herzinfarkte treten dann öfter auf. Nähert sich die Außentemperatur jener des Körpers, ist es schwierig, Körperwärme durch bloße Durchblutung der Haut abzugeben. Schweiß kann nur kühlen, wenn er verdunstet, nicht, wenn er rinnt. Auch bei zu feuchter Luft funktioniert diese Regulationsmaßnahme nur eingeschränkt. Opfer von Hitzewellen stellen vor allem Ältere und Personen mit Vorerkrankungen der Atemwege und des Herz-Kreislauf-Systems, aber auch Kinder, psychisch Kranke, Alleinstehende und jene mit körperlichen Behinderungen dar. Bei Unterkühlung lassen Leistung und Koordinationsfähigkeit ebenso schnell nach. Das Blut wird in der Kälte dickflüssiger, das Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt steigt im Winter deshalb an. Schleimhäute in Nase und Rachen durchbluten schlechter, was Krankheitserregern den Weg ebnet.

Hochwasser, Lawinen und Muren:
Gesundheitsfolgen stellen hier vor allem Verletzungen mit Behinderungs- oder Todesfolge dar. Die anschließende Durchfeuchtung von Häusern führt mitunter zu massivem Schimmelbefall, fatal für die Lunge! Ebenso kann austretendes Heizöl Fußböden, Putz und Mauerwerk infiltrieren und lang anhaltende Belastungen der Raumluft mit Kohlenwasserstoffen bewirken. Seelische Folgen wie traumatische Reaktionen bis hin zu psychiatrischen Erkrankungen oder Suiziden treten nach solchen Ereignissen ebenfalls gehäuft auf.

Infektionserkrankungen:
Neben dem Klimawandel begünstigen globale Vernetzung und Reiseverkehr die Ausbreitung von Leiden, die durch Mücken und Zecken (z. B. Gelbfieber, Denguefieber, Malaria) übertragen werden. Weiters könnten sich als Folge der Erwärmung z. B. Würmer ansiedeln, die derzeit nur in Subtropen und Tropen vorkommen. Heimische Tiere wie Spul- und Peitschenwürmer entwickeln und verbreiten sich ebenfalls schneller bei höheren Temperaturen. Die Infektion mit Immunzellzerstörenden Leishmanien-Viren durch Sandmücken wird in Zukunft zunehmen. Schon jetzt kommt es durch Leishmaniose zu jährlich weltweit 30.000 Todesfällen. Personen mit Immundefekten sind besonders stark gefährdet. Bei höheren Temperaturen muss man ebenfalls häufiger mit Lebensmittelinfektionen rechnen. Überschwemmungen führen außerdem nicht selten zu einer Belastung des Trinkwassers mit Keimen.

Luftschadstoffe:
Die Zahl der ozonbedingten Atemwegserkrankungen steigt künftig ebenso wie jene von Allergikern. Pflanzen produzieren in warmer, vermehrt Kohlenstoffdioxid-belasteter Luft ihre Pollen nämlich früher als üblich, oft in größerer Menge und mit höherem Allergengehalt. Auch fremde Pflanzenarten siedeln sich durch den Klimawandel an, z. B. die Ambrosie (Ragweed). Die Hausstaubmilbe wird bald in höheren Lagen heimisch werden.

Was Sie selbst bewirken können:
Einerseits ist es möglich, Maßnahmen zu ergreifen, die den Klimawandel verhindern, verringern oder verlangsamen, andererseits solche, die den Auswirkungen begegnen, sich etwa an Hitzewellen anzupassen.
◆ Legen Sie (kürzere) Wege öfter zu Fuß oder mit dem Rad zurück, längere mit der Bahn. Der motorisierte Verkehr (Auto, Flugzeug) ist einer der größten Verursacher des Klimawandels. Wählen Sie einen neuen Wohnort eventuell auch nach guter öffentlicher Erreichbarkeit. Dichte Bebauung ist energieeffizienter als alleinstehende Häuser.
◆ Essen Sie weniger Fleisch! Die Produktion dieses Lebensmittels belastet die Umwelt. Achten Sie darauf, regional und saisonal einzukaufen.
◆ Setzen Sie auf gezieltes Heizen, Wärmedämmung und Stoßlüften statt ständigem Kippen. Steigen Sie auf erneuerbare Energien um.
◆ Erleben Sie die Natur, und seien Sie ein umweltbewusstes Vorbild.
◆ Bei Hitzewellen: Viel trinken, Elektrolyte zuführen, Medikamentendosis anpassen lassen, Gas-Thermen überprüfen. Auf Ältere, Kranke und Kinder besonders achten.
◆ Bei Hochwasser und Muren: Abwasser-Rückstauklappen einbauen, an hochwassersichere Installationen denken, Öltanks sichern, Angriffsflächen für Muren minimieren, Anordnung der Räume anpassen.

Dr. Eva Greil-Schähs, Kronen Zeitung

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