So, 19. November 2017

„Krone“-Check

11.10.2017 14:55

Fazit: Welche Kandidaten haben Sie überrascht?

Nach unserem Persönlichkeits-Check mit den Spitzenkandidaten baten wir den Politologen Peter Filzmaier und den Psychologen Othmar Hill zu einem Resümee: Wer stach besonders hervor?

"Krone": Wie muss Österreichs idealer Bundeskanzler Ihrer Meinung nach ticken? Welche Eigenschaften zählen besonders?
Othmar Hill: Kontaktfreude ist ganz wichtig. Bei den Ergebnissen unserer Analyse gab es einen Kandidaten, der nur kontaktfähig, aber nicht sehr kontaktfreudig ist - nämlich Peter Pilz. Für ihn könnte die öffentliche Präsenz anstrengend werden - ein Kanzler steht ja ständig in Kontakt mit anderen. Wichtig sind aber natürlich auch Durchschlagskraft, Handlungsdynamik und eine mittel ausgeprägte soziale Orientierung - wie sie etwa Ulrike Lunacek besitzt. Ein reiner Pragmatiker wäre zu kalt, jemand mit Helfersyndrom zu weich. Belastbarkeit, Selbstsicherheit und Entspanntheit kennzeichnen die psychische Fitness. Wenn jemand jedoch so überaus selbstsicher ist, wie Strache, fehlt es eventuell an Reflexionsvermögen.
Peter Filzmaier: Im Wahlkampf geht es um sehr subjektive, manchmal sogar ungerechte Einschätzungen der Wähler. Und da gibt es einen spannenden Trend: Sympathie ist zwar "nice to have", im Wahlkampf von Spitzenkandidaten entscheiden aber letztlich drei Dinge: Leadership, Entscheidungsstärke und Durchsetzungskraft.

Beim Persönlichkeits-Check vertreten Peter Pilz und Ulrike Lunacek zumeist die extremsten Positionen. Wie erklären Sie das?
Hill: Beide wären nicht so weit gekommen, wenn sie in ihrem Charakter nicht auch extreme Ausprägungen hätten. Immerhin hat die Grünbewegung den Anspruch erhoben, gegen "das Establishment" und für ein radikales Umdenken - etwa im Umweltschutz - zu sein.
Filzmaier: Als Partei geht man nie von 100 Prozent aller Wahlberechtigten aus, sondern von seinen potenziellen Wählern. Da macht es einen Unterschied, ob ich als Partei im einstelligen Prozentbereich liege oder - wie bei Strache und Kurz - bei +/- 30 Prozent. ÖVP und FPÖ würden Wechsel-Wähler verlieren, wenn sie sich zu extrem positionieren. Bei Kleinparteien hingegen ist ein polarisierendes Ergebnis sogar von Vorteil.

Welche Spitzenkandidaten haben Sie bei der Auswertung besonders überrascht?
Hill: Generell verblüfft mich die hohe Risikobereitschaft der Kandidaten. Ich habe angenommen, dass Spitzenpolitiker mehr Vorsicht walten lassen. Bei Lunacek erstaunten mich ihre Offenheit und ihre ausgeprägten Führungseigenschaften, bei Pilz war es das hohe Führungspotenzial. Strolz hingegen zeigte - im Kontrast zu seinem leidenschaftlichen Redestil - eine ruhigere Persönlichkeit.
Filzmaier: Ich bin von der Haltung der Kandidaten überrascht. Manche haben in einer Rolle geantwortet, in der sie (noch) nicht sind. So passen manche Angaben von Strache zwar zu einem Regierungspolitiker, nicht aber zu dem Oppositionspolitiker, der er ja momentan ist. Bei den Aussagen von Pilz könnte man glauben, dass er schon wieder im Parlament sitzt. Kurz antwortete gemäßigter, als er sich im Wahlkampf mit seinem Veränderungs-Slogan gibt. Und Lunacek zeigt starke Überzeugungen, will im Wahlkampf aber eigentlich mehr Bürgerliche erreichen.

Fazit zu unserem Test: Das sagen die Kanzler-Anwärter

Sebastian Kurz
Warum ich dabei war: Die Idee, den Lesern einen Überblick über die Kandidaten zu geben, fand ich gut. Dafür wollte ich meinen Beitrag leisten. Es ist nämlich wichtig, auch mehr über die persönlichen Eigenschaften der einzelnen Spitzenkandidaten zu erfahren."
Mein Ergebnis: Ich hoffe, die Ergebnisse zeigen, dass es Zeit ist für eine Veränderung in diesem Land, damit sich diesmal nach der Wahl wirklich etwas ändert. Ich werde jedenfalls, sollten mir die Wähler am Sonntag ihr Vertrauen schenken, alles dafür tun, damit sich Österreich noch weiter zum Besseren verändert.

Heinz-Christian Strache
Warum ich dabei war: Es gab für alle Kandidaten eine faire Chance, diesen Test zu machen mit dem Ziel, Managementfähigkeiten und -eignungen zu evaluieren. Diese Persönlichkeitstests werden bei Bewerbungen von Top-Managern eingesetzt, warum sollte ich mich diesem nicht stellen?
Mein Ergebnis: Ich habe mich gefreut, dass dieser Test mir ein soziales Einfühlungsvermögen und eine kritische Analysefähigkeit attestiert hat. Die Hill-Analyse sprach von meiner "extremen Spürnase" für die Bedürfnisse der Bevölkerung und meinem "Kontrollinstinkt für Missstände und Skandale".

Ulrike Lunacek
Warum ich dabei war: Ich habe bei so einem Test noch nie teilgenommen und war neugierig, was dabei herauskommt. Das Ausfüllen der knapp 300 Fragen hat mir viel abverlangt und viel Zeit gekostet. Ich bin mit dem Ergebnis allerdings sehr zufrieden und froh, teilgenommen zu haben.
Mein Ergebnis: Die Ergebnisse haben sich meistens mit meinen eigenen Einschätzungen gedeckt. Dass Ehrlichkeit, Anstand und Authentizität meine Stärken sind, war mir schon vorher bewusst. Gut, nun wissen es auch die "Krone"-Leser und können sich auch davon bei ihrer Wahlentscheidung leiten lassen.

Peter Pilz
Warum ich dabei war: Ich habe am Persönlichkeits-Check der "Krone" teilgenommen, weil mich interessiert hat, ob ich auf diesem ungewöhnlichen Weg Neues über mich erfahre. Jetzt weiß ich: Ja, das hat sich gelohnt.
Mein Ergebnis: Mich hat nicht überrascht, dass mein Profil so klar ist. Überrascht hat mich der Befund, ich könnte ein guter Kanzler sein. Das hab ich mir noch nie überlegt. Aber im nächsten Parlament werde ich wohl wieder das tun, was ich am besten kann: die Regierung kontrollieren. Und für wichtige Reformen werben.

Matthias Strolz
Warum ich dabei war: Dieser Test war ein etwas anderer, für mich sehr spannender Zugang, um die Spitzenkandidaten vorzustellen und zu porträtieren. Diese Herausforderung habe ich gerne angenommen.
Mein Ergebnis: Die Ergebnisse überraschen mich nicht. Ich stehe für sachliche Arbeit, für die ich mit Mut und Leidenschaft eintrete. Und das ist auch bei dem Test herausgekommen.

Herr Kanzler, warum waren Sie nicht dabei?
Bei Christian Kern müssen wir passen. Der Kanzler brach den objektiven Persönlichkeits-Check völlig überraschend nach 39 Minuten ab. Herr Kanzler, warum waren Sie nicht dabei?

Alexandra Halouska, Kronen Zeitung/kal

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