Mi, 18. Oktober 2017

Studie in Wien

11.10.2017 09:51

Airbnb entzieht Wohnungsmarkt 2000 Wohnungen

Dem Wiener Wohnungsmarkt werden durch Airbnb ungefähr 2000 Wohnungen dauerhaft entzogen. Das ergab eine von der Stadt Wien geförderte Studie zu den Auswirkungen der Plattform zur Vermittlung von Privatunterkünften auf die Stadtentwicklung. Demnach tummeln sich auf dem Wiener Airbnb-Markt bereits viele Großanbieter. Das habe Auswirkungen auf Hausgemeinschaften und ganze Wohngegenden.

Von der Grundidee, dass Privatpersonen ein zusätzliches Zimmer günstig vermieten und Touristen vom persönlichen Kontakt zu ihren Gastgebern profitieren, sei die heutige Praxis der Unterkunftsvermittlung weit entfernt, wie das Team um Roman Seidl vom Fachbereich "Finanzwissenschaft und Infrastrukturpolitik" der Technischen Universität (TU) herausgefunden hat. Nur bei einem Prozent aller Airbnb-Angebote in Wien handelt es sich laut der Analyse um ein Zimmer, das sich ein Gast mit seinem Gastgeber teilt, rund 30 Prozent sind Extra-Zimmer.

Das Gros machen Wohnungen (ca. 70 Prozent) aus
Die Forscher schätzten, dass davon wiederum rund 40 Prozent dauerhaft durch die Vermietung auf Airbnb dem Wiener Wohnungsmarkt entzogen werden. Dies sind etwa 2000 Wohnungen. "Auch ganze Häuser oder substanzielle Teile davon werden in Airbnb-Unterkünfte umgewandelt", sagte Seidl zur APA. Von den großen Anbietern mit zwischen 15 und 43 Objekten würden einige klar als Ferienwohnungsvermieter auftreten, der Großteil jedoch gebe sein Angebot als familiäre Unterkünfte aus. "Der 'Sharing Gedanke' wird weiter nach außen kommuniziert, da dies das Alleinstellungsmerkmal von Airbnb ist", so der Wissenschafter. Dabei seien die Airbnb-Angebote mittlerweile zu einem beträchtlichen Grad gewerblich orientiert.

Anbieterkonzentration hoch
Zwar böten nur 17 Prozent der Vermieter mehr als eine Unterkunft an, doch diese Anbieter vereinten rund 42 Prozent der Angebote auf sich. Ein ähnliches Muster zeige sich bei den Einnahmen: Kleinvermieter, die fast die Hälfte aller Anbieter ausmachen und nur bis zu 500 Euro im Monat einnehmen, verdienen weniger als zehn Prozent der Gesamteinnahmen.

Das Angebot konzentriere sich stark auf den ersten Bezirk, aber auch auf immobilienwirtschaftlich bereits aufgewertete Standorte im zweiten, vierten oder siebten Bezirk. Seidl: "In diesen Gebieten ist der Wohnungsmarkt bereits sehr angespannt, insofern liegt es nahe, dass es durch den Verlust von Wohnraum zu einer weiteren Erhöhung der Mieten kommt."

Wohngegenden werden zu Erlebniszonen
Zudem habe die Airbnb-Vermietung auch Auswirkungen auf die Hausgemeinschaft und die Wohngegend. Hausbewohner würden plötzlich in einem Hotel wiederfinden, Konflikte entzündeten sich am Lärm, an höheren Betriebskosten und dem Umgang mit Müll. Wohngebiete verwandeln sich in touristische Erlebniszonen, neben der veränderten Infrastruktur nehmen laut dem Forscher auch Konflikte auf der Straße zu.

Klare Spielregeln gefordert
Unklar sei, wie man sich gegen die Airbnb-Vermietung wehren könne. Es brauche klare Spielregeln, um die Folgewirkungen zu begrenzen. Die Wiener Stadtregierung hat bereits zu reagieren versucht und im Frühjahr eine Gesetzesverschärfung beschlossen, wonach Online-Vermieter u.a. nach einer - inzwischen abgelaufenen Übergangsfrist - Daten zu den angebotenen Räumlichkeiten bzw. den Unterkunftgebern bekannt geben müssen. Für die Stadt war es bisher schwierig herauszufinden, wo Zimmer überhaupt angeboten werden, die neuen Daten sollen der Stadt nun einen Überblick über private Unterkunftsvermietungen geben. Dabei geht es vor allem um die Bezahlung der verpflichtenden Ortstaxe, die in der Vergangenheit von vielen Zimmer- oder Wohnungsanbietern nicht entrichtet wurde. Mit einigen Plattformen, darunter auch Airbnb, stand man zuletzt immer noch in Verhandlung, wie die verpflichtende Bezahlung der Ortstaxe abgewickelt werden könnte.

Airbnb in "konstruktiven Gesprächen"
Laut Airbnb basiert die Studie "auf falschen Daten und nutzt eine fehlerhafte Methodik, was zu falschen Schlussfolgerungen führt. Wohnungen, die auf Airbnb angeboten werden, machen weniger als 1 Prozent des Wiener Wohnungsmarktes aus und der typische Home Sharer vermietet sein Zuhause weniger als einen Tag die Woche. Experten auf der ganzen Welt sind sich einig, dass Airbnb keinen Einfluss auf den Wohnungsmarkt hat und wir wollen mit den Städten gemeinsam an klaren Home-Sharing-Regeln arbeiten, die die Bürger und die lokale Wirtschaft unterstützen. Daher haben wir auch der Stadt Wien bereits letztes Jahr im April angeboten, die Ortstaxe automatisiert über die Plattform einzuheben und befinden uns aktuell in konstruktiven Gesprächen zu einer solchen Vereinbarung.”

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Redaktion
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