So, 19. November 2017

Gericht

09.10.2017 20:29

Tankstellen-Überfälle: „Ich wurde dazu gezwungen“

Zwei Tankstellen sind am 8. Dezember im Flachgau überfallen worden: Dafür übernahm ein Österreicher (20) beim Prozess im Landesgericht Salzburg die Verantwortung. Weil ihn ein mitangeklagter Russe (21) unter Druck setzte: "Er drohte, dass meinen Eltern etwas passiert." Es ging offenbar um "nur" 100 Euro.

Den rosa Schal seiner damaligen Freundin hatte der mutmaßliche Räuber über den Kopf gewickelt. Mit Schreckschusspistole marschierte er in die BP-Tankstelle in Bergheim-Lengfelden - seine frühere Arbeitsstätte. "Ich kannte mich dort aus", führte der gebürtige Rumäne im dunklen Sakko aus. Doch ein Paketzusteller stellte sich ihm in den Weg, rempelte ihn an: "Ich erschrak, bin gestürzt und hab dann das Geld verloren."

Daraufin habe der zweitangeklagte Russe, der im weißen Hemd vor Richterin Bettina Maxones-Kurkowski saß, "aber nicht locker gelassen und drängte, es noch einmal zu probieren", sagte Staatsanwalt Robert Holzleitner. Die Jet-Tankstelle in Elixhausen war das zweite Ziel rund 20 Stunden später. Beute: 700 Euro und Vignetten im Wert von 7000 Euro. Die Waffe habe er vom Russen und einem Österreicher (20), der ebenso als Beitragstäter angeklagt ist. Doch das vermeintliche Anstifter-Duo bestreitet.

Belastet werden sie aber nicht nur vom Raub-Verdächtigen, sondern auch von dessen Ex: Erst durch ihre Aussage kam die vermeintliche Nötigung auf, so Holzleitner. Das alles nur wegen 100 Euro? "Ein bisschen wenig", befand die Richterin. Der Erstangeklagte erklärte dies mit Drogenproblemen und weiteren Schulden. Aber jener Hunderter war der eigentliche Grund. Dies schuldete er einem Österreicher (19), für den der Russe scheinbar das Geld eintrieb.

Von der Beute blieb ihm nur ein Bruchteil. Die Vignetten, die er samt Tatbekleidung in einem Wald vergrub, sind verschwunden. Nur ein einziges Autobahn-Pickerl fand die Polizei dort.

Neben den Raubüberfällen sind weitere Straftaten angeklagt, darunter ein Einbruchsdiebstahl mit 20.000 Euro Schaden. Heute wird der Prozess fortgesetzt: mit drei weiteren Angeklagten. Urteile sind voraussichtlich am Donnerstag zu erwarten.

Antonio Lovric, Kronen Zeitung

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