Mo, 18. Dezember 2017

ICAN ausgezeichnet

06.10.2017 11:32

Friedensnobelpreis an Kampagne gegen Atomwaffen

Der heurige Friedensnobelpreis geht an die 2007 in Wien gegründete Organisation Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN). Das hat das norwegische Nobelkomitee am Freitag in Oslo bekannt gegeben. Für einen Nobelpreissieger ist ICAN (International Campaign for the Abolition of Nuclear Weapons) ziemlich unkonventionell: Die Generalsekretärin, die Schwedin Beatrice Fihn, ist erst 34 Jahre alt.

Ihr Büro in Genf besteht aus nur vier Mitarbeitern. Das Bündnis selbst ist viel größer und umfasst 450 Friedensgruppen und Organisationen, die sich für Abrüstung engagieren. Zu den ICAN-Mitgliedern gehören etwa die internationale Juristenvereinigung gegen Atomwaffen oder der Internationale Gewerkschaftsbund.

Bei einer Konferenz zum Atomwaffensperrvertrag in Wien kamen die Gruppen vor zehn Jahren zusammen, um sich gemeinsam für einen Vertrag gegen Atomwaffen einzusetzen. Treibende Kraft waren nicht Regierungen, sondern Zehntausende Aktivisten in mehr als 100 Ländern. Im Juli 2017 wurde das Vertragswerk unterzeichnet. Es verbietet Herstellung, Besitz, Einsatz und Lagerung von Atomwaffen und kam gegen den Widerstand der Atommächte und der mit ihnen verbündeten Staaten zustande.

Vorbild für ICAN waren andere Abrüstungsverträge: zum Beispiel das internationale Übereinkommen zum Verbot von Landminen oder die Verträge zum Verbot von Streumunition oder von chemischen Waffen. Bei solchen Abkommen auf Initiative der Zivilgesellschaft rücken die verheerenden Folgen der Waffen für die Bevölkerung ins Zentrum.

Organisation mobilisiert Welt gegen Atomwaffen
Die internationale Ächtung der Waffen setze Regierungen unter Druck, die nicht unterzeichnen, so ICAN. Für Fihn ist die Sache einfach: "Ist es akzeptabel, Hunderttausende Menschen umzubringen, oder nicht? Wenn nicht, müssten Atomwaffen verboten werden", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur vor der Preisverkündung.

Der Vertrag tritt in Kraft, wenn 50 Mitglieder ihn ratifiziert haben. Fihn rechnet damit bis Ende 2018. Keines der Atomländer hat ihn freilich unterzeichnet. NATO-Mitglieder sagen, das sei mit der Mitgliedschaft im Verteidigungsbündnis nicht vereinbar.

Der mit neun Millionen Schwedischen Kronen (rund 940.000 Euro) dotierte Friedensnobelpreis wird als einzige der renommierten Auszeichnungen nicht in Stockholm, sondern in Norwegens Hauptstadt Oslo vergeben. Hier wird der Preis am 10. Dezember, dem Todestag von Preisstifter Alfred Nobel, auch verliehen.

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