Mi, 22. November 2017

60.000 € pro Stück

05.10.2017 09:16

Land kauft sündteure Asylquartiere zum Spottpreis

Pleiten, Pech und Pannen - die Causa rund um das Millionengrab "Traglufthallen" wird nun um ein Kapitel reicher. Das Land kündigte an, drei Asylzelte von den Tiroler Sozialen Diensten (TSD) kaufen zu wollen. Für 60.000 Euro pro Stück. In der Anschaffung kosteten diese je 1,33 Millionen Euro! Die anderen Hallen bleiben…

Fünf Traglufthallen (Kostenpunkt: rund 6,6 Millionen Euro) wurden am Höhepunkt der Flüchtlingskrise angeschafft - nur zwei in der Folge auch aufgestellt. Drei liegen nach wie vor original verpackt herum. Versuche, die Asylzelte etwa an Sportvereine zu verkaufen, scheiterten kläglich. Nun will das Land einen Schlussstrich unter dieses leidige Thema ziehen. Die schwarz-grüne Regierung plant den Ankauf der drei Hallen. "Um diese anschließend der humanitären Hilfe zur Verfügung stellen zu können", wie es heißt.

60.000 Euro pro Stück bzw. 180.000 Euro insgesamt nimmt das Land dafür in die Hand. Ein Spottpreis, wenn man bedenkt, dass für die drei Zelte 4 Millionen Euro bezahlt wurden. Die restlichen Verbindlichkeiten der TSD in dieser Causa sollen in einen "Zuschuss" umgewandelt werden.

Nur ein Zelt genehmigt

Ungewiss ist indes weiter die Zukunft der Traglufthalle im Innsbrucker Gewerbegebiet Arzl/Mühlau. Dort "vegetiert" das Asylzelt nun schon seit über eineinhalb Jahren vor sich hin. Als Massenquartier vorgesehen, hat es bis heute kein Flüchtling von innen gesehen. Im Gegensatz zu Hall - dort war bekanntlich eine andere Behörde am Zug - wurde die Einquartierung von Asylwerbern untersagt. Aufgrund bau- und feuerpolizeilicher Bedenken. Kolportierte 600.000 Euro hätten investiert werden müssen, um grünes Licht zu erhalten.

320.000 Euro pro Jahr

Inzwischen braucht man das aber gar nicht mehr, weil keine Platznot bei Asylplätzen herrscht. Und trotzdem: die aufgestellten Hallen bleiben. Jene in Hall als Notquartier. Für die in Innsbruck erhofft man sich weiter eine alternative Verwendung, Interessenten gibt es, erklärt eine Sprecherin des Landes. Was einstweilen bleibt, sind die Kosten. 6000 Euro pro Zelt und Monat für Betriebskosten, 14.400 Euro gesamt für die Pacht. Macht unterm Strich fast 320.000 Euro pro Jahr!

Rückkauf erhitzt die Gemüter

Von einem "Schildbürgerstreich" spricht Tirols FP-Chef Markus Abwerzger in der Causa "Rückkauf Traglufthallen". "Da wird das Steuergeld der Tiroler einfach herumgeschoben", kritisiert der Freiheitliche, für den einzig und allein LR Christine Baur (Grüne) für "dieses Debakel verantwortlich" ist. Politische Konsequenzen werden gefordert. Aus SPÖ-Kreisen war am Mittwoch zu hören, man solle die Traglufthallen doch einer sportlichen Nutzung zuführen.

Hubert Rauth, Kronen Zeitung

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