So, 19. November 2017

Politik

04.10.2017 21:40

Aktenzeichen Goldegg: Behörde prüfte 19 Mal!

Bei der Wahl-Konfrontation am Dienstagabend offenbarte Matthias Strolz, wie es einem so geht, wenn man für eine Oppositionspartei kandidiert. Er zeigte das Beispiel des Salzburger Hoteliers und NEOS-Wirtschaftssprechers Sepp Schellhorn auf: 19 Mal überprüfte die Behörde seine Betriebe ganz penibel.

Mittwoch früh folgte der "Krone"-Faktencheck in einem ausführlichen Gespräch mit Sepp Schellhorn (50), der in seinen Betrieben 111 Mitarbeiter beschäftigt, wobei schon die Einschulung die Auswüchse der überbordenden österreichischen Bürokratie zeigt: So muss die Putzfrau ein eigenes Formular unterschreiben, in dem sie sich verpflichtet, die giftigen Spülmittel aus den vorhandenen Flaschen nicht zu trinken. Schellhorn hat den "Seehof" in Goldegg vor 30 Jahren von seiner Mutter Carola übernommen und führt ihn gemeinsam mit Ehefrau Susi. Überdies leitet er das bekannte "M32" am Mönchsberg, das "Angertal 1180", den "Weitblick" und die "Goldbergstube" in Sportgastein.

Von 2003 bis 2013 fungierte der Gastronom als Präsident der Österreichischen Hoteliervereinigung. Vereinzelt gab es die üblichen Überprüfungen durch die Krankenkasse, auch Diskussionen und Korrekturen. Das sei normal, sagt er uns, da gibt es nichts zu kritisieren.

NEOS-Hotelier verblüfft: Mit Kontrollen überhäuft
Doch bei der Nationalratswahl am 29. September 2013 kandidierte der Goldegger für die pinken NEOS und erreichte in Salzburg gleich 11.213 Stimmen. Als Angelika Mlinar in das EU-Parlament übersiedelte, übernahm er im November 2013 ihren Sitz.

Am 7. Juli 2014 fiel Schellhorn wieder politisch auf: Er wurde zum NEOS-Wirtschaftssprecher gekürt.
Am 9. Dezember 2014, er saß gerade im Parlament, rief ihn der aufgeregte Küchenchef Rudolf P. auf seinem Handy an: Vier Tage vor Inkrafttreten der Allergenverordnung wollte die Lebensmittel-Behörde in Goldegg die Einhaltung der Bestimmungen schon kontrollieren.
Es ging weiter: Eine Auseinandersetzung um die drei großen Fenster in der klimatisierten Küche entflammte: Fliegengitter wurden vorgeschrieben, obwohl die Fenster nicht geöffnet werden. Am 30. Juli 2015 die nächste Visite der Behörde: Man verlangte Fliegengitter und Fenstergriffe.

Die Lebensmittel-Aufsicht visitierte den "Seehof" dann fünfmal und forderte am 3. Juli 2017 im inzwischen vom Gault Millau-Magazin zum "Hotel des Jahres" ausgezeichneten Betrieb einen "Spuk-Schutz" beim Frühstücksbuffet. Genüsslich zitiert Schellhorn die Jahreszahlen: 2002 die Umstellung von Flüssiggas auf Erdgas.

Die Überprüfung erfolgte lange nicht, erst 2016. Die GKK und die AUVA (vier technische und drei arbeitsmedizinische Kontrollen) wurden Stammgäste.
Finanztechnisch tat sich einiges: Betriebsprüfungen der Jahre 2011-2015, Umsatzsteuerprüfung, 2016 die bau- und gewerberechtliche Überprüfung des Umbaus der Rezeption: Die hatte schon 2008 stattgefunden. Der Zaun für den Badesteg stand im Zentrum des Naturschutzverfahrens der Bezirkshauptmannschaft.

Insgesamt, so die genauen Aufstellungen seines Anwaltes und des Steuerberaters, gab es die von Matthias Strolz in ORF 2 korrekt aufgezählten 19 Kontrollen seit der Sepp Schellhorn aus Goldegg in die große Politik gegangen war.

Hans Peter Hasenöhrl, Kronen Zeitung

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