So, 19. November 2017

krone.at-Test

04.10.2017 15:48

„Project CARS 2“: Prall gefüllter Racing-Baukasten

Es ist noch keine drei Jahre her, dass Bandai Namco mit "Project CARS" einen gelungenen Rivalen für die Simulations-Platzhirsche "Gran Turismo" und "Forza" in Stellung gebracht hat. Das Game erntete gute Kritiken, zum ganz großen Megahit hat es aber nicht gereicht. Im zweiten Teil haben die Slightly Mad Studios jetzt nachgebessert. Wie gut "Project CARS 2" geworden ist, hat krone.at getestet.

"Project CARS 2" ist etwas für Freunde der Vielfalt. Immerhin bietet das neue Rennspiel von Bandai Namco neun verschiedenen Rennklassen, rund 60 Strecken und 180 Autos. Damit kann der geneigte Rennspiel-Fan so gut wie alles realisieren, vom (Echtzeit-)24-Stunden-Rennen am Ovalkurs über Rallyecross-Gatschausflüge bis hin zu Kart- oder Formel-Rennen in der Stadt. Das muss man "Project CARS 2" lassen: In puncto Umfang wird hier für jeden etwas geboten.

Na gut, fast jeden: Freunde von Arcade-Racern werden mit "Project CARS 2" nämlich tendenziell nur in jenen Rennklassen - zum Beispiel mit den Karts - Freude haben, in denen sie eher gutmütiges Fahrverhalten vorfinden. In den anspruchsvolleren Rennklassen dürfte die präzise Nachbildung der Fahreigenschaften Freunde der Zugänglichkeit trotz zuschaltbarer Fahrhilfen etwas abschrecken.

Realistisches Fahr- und Umweltverhalten
Fun-Racing-Freunde sind aber auch nicht die Zielgruppe von "Project CARS 2". Hier geht es um die realistische Nachbildung des Rennsports. Das Fahrverhalten haben die Entwickler auch im ersten Teil schon recht gut getroffen, im zweiten Teil haben sie es nun noch etwas verfeinert. Voller oder leerer Tank, kalte oder warme Reifen, Schmutz auf der Piste - es gibt nun mehr Einflussfaktoren, die das Fahrverhalten nachvollziehbar verändern. Außerdem gibt es jetzt Tag-Nacht-Wechsel und dynamisches Wetter, was den Rennen etwa durch plötzliche Platzregen ebenfalls eine spannende neue Dimension hinzufügt.

Während man insbesondere beim Fahrverhalten gegenüber dem ersten Teil nochmal eine Schippe Realismus draufgelegt hat, hat uns die Einzelspielerkampagne weniger vom Hocker gehauen. Der Karrieremodus lässt den Spieler zwar einen eigenen Rennfahrer erstellen und diesen eine Klasse nach der anderen erobern, allzu packend inszeniert wird das aber - wie schon im ersten Teil - nicht. Kein großes Manko, weil man durch die große Vielfalt auch mit benutzerdefinierten Rennen schon viele Stunden Spaß an "Project CARS 2" haben kann, aber im Vergleich mit manch einem Rivalen mit einer Prise Story etwas altbacken.

Einen ganz guten Eindruck hat im Test die Künstliche Intelligenz der Gegner hinterlassen - zumindest meistens. Vereinzelt verblüfften uns die KI-Rivalen nämlich mit Manövern, die in ihrer Waghalsigkeit durchaus ungewöhnlich für einen Computer waren.

Hochglanzoptik mit Detailschwächen, toller Sound
Im Test hat die Grafik einen gemischten Eindruck hinterlassen. Die Autos sind schön detailliert und authentisch - inklusive Schadensmodell - umgesetzt, und zwar bis ins Cockpit hinein. Reflexions-, Licht- und insbesondere die Wettereffekte können sich ebenfalls mehr als sehen lassen. Bei den Strecken hätten wir uns indes vereinzelt etwas mehr Details gewünscht - etwa mehr Leben am Streckenrand oder andere Blickfänge. Dafür läuft "Project CARS 2" im Gegensatz zum ersten Teil in der getesteten PS4-Version von Beginn an flüssig.

Sehr gut hat uns im Test der Sound von "Project CARS 2" gefallen. Der Soundtrack weicht wohltuend vom Genretrend ab und untermalt das Renngeschehen nicht mit Nummern aus den Charts, sondern pathetischer Rennklassik und Elektroklängen. Die Soundeffekte - Crashs, Wetter, Boxenfunk und ganz besonders die Motoren - haben die Entwickler nachvollziehbar und authentisch im Spiel eingefangen.

Obwohl es schon als Einzelspielerherausforderung viel hergibt, bietet sich "Project CARS 2" mit seiner Vielfalt auch für Mehrspieler-Rennen an. Durch die vielen Strecken, Autos und Modi lassen sich die verrücktesten Bewerbe gestalten und fahren, kompetitiv orientierte Spieler freuen sich zudem über einen Ranking-Modus, in dem sie sich e-sportlich mit der Online-Gemeinde messen können. Ob sich der Titel in der E-Sport-Szene durchzusetzen vermag, bleibt freilich erst einmal abzuwarten.

Fazit: Umfang, Handling, Optik, Sound: "Project CARS 2" macht vieles richtig und liefert Freunden von Rennsimulationen einen prall gefüllten Werkzeugkasten, mit dem sie sich immer wieder ihre Wunschbewerbe bis hin zum 24-Stunden-Rennen im Go-Kart zusammenstellen können. Diese riesige Abwechslung tröstet über den etwas faden Karrieremodus hinweg und macht "Project CARS 2" zum tollen Allrounder für Simulations-Fans und zur ernstzunehmenden Konkurrenz für die etablierten Genregrößen.

Plattform: PC, PS4 (getestet), Xbox One
Publisher: Bandai Namco
krone.at-Wertung: 9/10

Dominik Erlinger
Redakteur
Dominik Erlinger
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