Fr, 24. November 2017

Richtungsweisend?

05.10.2017 06:01

Sprengel 44: So wählt Wiens „blaue Hochburg“

Als "blaue Hochburg" gilt der Sprengel 44 im Wiener Bezirk Ottakring. Bei den vergangenen Wahlen waren die Freiheitlichen die klare Nummer eins in der Polizeisiedlung. Doch wie werden sich die Bewohner am 15. Oktober entscheiden?

Eine Wohnsiedlung nicht weit entfernt von der U-Bahn-Station Ottakring: In einem der gepflegten Innenhöfe gibt es sogar Platz für Hasen, die von Kindern liebevoll versorgt werden. Auf einer Bank sitzen die Bewohner und genießen die Herbstzeit. Eine kleine Idylle. Die Stimmung unter den Männern und Frauen im Hof ist gut, ändert sich aber schlagartig, als das Gespräch auf die Politik kommt. "Jetzt geht das schon wieder los", meint ein genervter Bewohner. Niemand versteht, warum die Siedlung für die Vorwahlberichterstattung interessant ist.

Wohnanlage gilt als "blauer Bau"
Doch das hat seinen Grund: Schließlich gilt die Wohnanlage seit den letzten Urnengängen als "blauer Bau". Bei der Gemeinderatswahl 2015 erzielte die FPÖ 65,48 Prozent im Wahlsprengel 44. Ein Jahr später bei der Bundespräsidentenwahl lag der freiheitliche Kandidat Norbert Hofer ebenfalls klar voran. Ein großer Teil der Bewohner sind Polizisten, die aus den Bundesländern stammen. Errichtet wurde die Wohnhausanlage in den 1930er-Jahren, um günstige Wohnungen für Exekutivbeamte zu schaffen.

Beschmierte Wände nach Wahlen
Der hohe Stimmenanteil für die FPÖ bescherte der Siedlung viele Reportagen in Medien. Wenig später wurden die Wände beschmiert. "Das waren linke Chaoten", ist sich einer der Bewohner sicher. Mittlerweile sind die Graffitis entfernt, doch bezahlen für die Reinigung mussten die Mieter. Viele Bewohner sagen nur hinter vorgehaltener Hand etwas, einige reden dann doch ganz offen.

Lela Kecanovic: "Ich hoffe, dass HC Strache gewinnt. Seine Chancen stehen diesmal nicht so schlecht. Ich komme zwar selbst ursprünglich aus Serbien, aber wie sich viele Ausländer in Wien benehmen, ist einfach nicht okay."

Augustin Pfeiffer: "Ich glaube, die drei stärksten Parteien, SPÖ, ÖVP und FPÖ, verlieren Stimmen. Die anderen Parteien werden gewinnen. Ich vermute, dass am Ende aber Christian Kern Bundeskanzler bleibt."

Daniel Reumann: "Ich favorisiere bei der Nationalratswahl eindeutig Sebastian Kurz. Er ist noch jung und kann meiner Meinung nach in den nächsten Jahren mit Sicherheit einiges bewegen. Warum soll außerdem nicht auch einmal ein junger Mensch die Chance als Bundeskanzler erhalten?"

Rudolf Lausecker: "Ich fühle mich hier in der Wohnhausanlage sehr wohl, und wir haben eine nette Hofgemeinschaft mit anderen Bewohnern. Trotzdem fürchten sich viele Leute, wenn sie nachts alleine auf die Straße gehen. Ich hoffe, dass HC Strache bei der Nationalratswahl die Nase vorne hat."

Gerhard Spalofsky: "Hier im Hof ist es schön, aber draußen ein Horror. Wenn man in der Umgebung herumspaziert, dann trifft man nur noch Ausländer. Rot-Grün hat Wien total abgewirtschaftet. Ich habe lange Jahre die SPÖ gewählt, werde es aber bei der Nationalratswahl mit Sicherheit nicht mehr tun."

Natascha Saurer: "Ich habe mir bis jetzt keine großen Gedanken wegen der Wahl gemacht. Es wird ein spannendes Rennen. Wer gewinnt, darüber traue ich mir keine Einschätzung zu. Welcher Partei ich meine Stimme geben werde, habe ich noch nicht entschieden."

Eines ist klar: Der Bau wird höchstwahrscheinlich auch am 15. Oktober fest in blauer Hand bleiben, das "Ausländerthema" dominiert. "Man hört rundherum im Grätzel kein deutsches Wort mehr", heißt es oft. Vereinzelt dringen Sympathien für Sebastian Kurz (ÖVP) durch, doch die große Wählerwanderung dürfte ausbleiben. Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) muss hoffen, dass der Bau nicht richtungsweisend für Österreich ist. Für Grüne, NEOS und die Liste Pilz bleibt es ein ganz harter Boden.

Philipp Wagner, Kronen Zeitung

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