Di, 21. November 2017

Schön, aber schwer

08.10.2017 05:56

„Cuphead“: Flüche, Schweiß und Tränen

Drei Jahre ist es her, dass die Indie-Schmiede StudioMDHR Entertainment das erste Mal einen Blick auf ihr Erstlingswerk gewährte. Nun ist es endlich fertig, der Einstand mehr als geglückt: "Cuphead" ist ein Spiel, das in vielerlei Hinsicht seinesgleichen sucht, trotzdem oder gerade deswegen aber nicht für jeden geeignet ist.

"Cuphead" erzählt die Geschichte zweier Brüder, Cuphead und Mughead, die beim Glückspiel alles auf eine Karte bzw. zwei Würfel setzen - und verlieren. Kein Geld, sondern ihre Seele. Der Gewinner, der "Deifi" höchstpersönlich, lässt sich jedoch auf ein Gegengeschäft ein und gewährt den Häferl-Schädeln ihre Seelen zurück, wenn sie ihm im Gegenzug die Seelen anderer Bewohner von Inkwell Isle, dem Schauplatz des Spiels, besorgen.

Es beginnt eine abenteuerliche Reise über das Eiland, die vom Spieler zweierlei Dinge erfordert: großen Fleiß und eine ebensolche Toleranz gegenüber Frust. Denn "Cuphead" ist schwer. Bockschwer, um genau zu sein, und darf daher gut und gerne als das "Dark Souls" unter den Run-and-Gun-Games bezeichnet werden.

Denn wie beim Bandai Namco’schen Rollenspiel wird der Spieler vor allem mit Boss-Gegnern konfrontiert, deren Bewegungsmuster es genauestens zu studieren gilt, um ihre Schwächen ausfindig zu machen. Das gelingt aufgrund der geringen Trefferpunktanzahl allerdings nur mühsam. Und da es keine Checkpoints gibt, heißt es nach jedem virtuellen Dahinscheiden: Zurück auf Anfang.

Gelegenheiten, den Controller wutentbrannt ins Eck zu pfeffern, gibt es also viele. Dabei wäre "Cuphead" an sich noch nicht einmal kompliziert: Fürs Ballern, Springen und die aufladbare Spezialattacke braucht es nur wenige Knöpfe. Doch deren Einsatz will nun einmal gelernt, genauer gesagt: gemeistert sein.

Ein wenig mildern lässt sich das Leid vor und auf dem Bildschirm aber: Zum einem durch Mughead, der seinem Bruder im Zwei-Spieler-Koop hilfreich zur Seite steht; zum anderen durch die diversen Boni und Extras, die im Shop erworben werden können. So kann zum Beispiel der Wechsel vom Standard- zu einem Streuschuss bereits erhebliche Vorteile mit sich bringen.

Vom Schwierigkeitsgrad einmal abgesehen, hebt sich Cuphead jedoch vor allem durch seine gelungene Präsentation im Cartoon-Stil der 1930er-Jahre von etwaigen Mitbewerbern ab. Die liebevollen und einzigartigen Animationen ergeben im Zusammenspiel mit der perfekt harmonierenden Klangkulisse ein audiovisuelles Kleinod, das seinesgleichen sucht.

Fazit: In "Cuphead" steckt viel Liebe drin - das sieht, hört und spürt man von der ersten Sekunde an. Dennoch: Aufgrund des hohen Schwierigkeitsgrades und des daraus zwangsweise resultierenden Frustes ist der Titel mit Sicherheit nicht für jeden geeignet. Gesehen und gehört haben sollte man es aber zumindest.

Plattform: Xbox One (getestet), PC (via Steam)
Publisher: Microsoft
krone.at-Wertung: 8/10

Sebastian Räuchle
Redakteur
Sebastian Räuchle
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