So, 17. Dezember 2017

Kandidaten im Check:

04.10.2017 15:02

Wer kann sich gut durchsetzen?

Teil zehn unseres Persönlichkeits-Checks: So dominant verfolgen die Spitzenkandidaten ihre Ziele. Welcher Kanzler-Anwärter geht eher auf Kuschel-, welcher auf Konfrontationskurs?

Laut einer IMAS-Studie im Auftrag der "Krone" wünscht sich die Mehrheit der Wähler einen durchsetzungsstarken Kanzler.

Wir garantieren Objektivität!
Im Zuge unserer Serie "Wer kann Kanzler?" prüften Psychologen die Spitzenkandidaten auch auf diese Qualität. Gemeinsam mit der renommierten Beraterfirma HILL baten wir die Politiker zum wissenschaftlich fundierten objektiven Persönlichkeits-Check. Die anonymisierten Daten wurden von Wirtschaftspsychologe Othmar Hill ausgewertet. Notar Georg Schreiber beglaubigt die anonyme und damit objektive Beurteilung. Und Politologe Peter Filzmaier interpretiert das Ergebnis aus politischer Perspektive.

Die Experten nahmen letztlich fünf der großen Sechs unter die Lupe. Zu Christian Kern (SPÖ) gibt es leider keine Auswertung, nachdem er den Test völlig überraschend abgebrochen hat, "weil das ein lächerlicher Gag" sei. Schade, Herr Bundeskanzler, dass Sie den "Krone"-Lesern nicht zeigen wollen, wie Sie ticken.

Die Ergebnisse der Spitzenkandidaten
Was ihren politischen Zug zum Tor anbelangt, entsprechen unsere fünf Spitzenkandidaten dem Wunsch der Bevölkerung. Sie positionieren sich auf unserem Barometer relativ weit rechts - und zeigen sich als durchsetzungsstarke Persönlichkeiten. Am dominantesten präsentieren sich Ulrike Lunacek und Peter Pilz. Ob diese Strategie für diese beiden Kandidaten auch aufgeht? Politologe Peter Filzmaier hat seine Zweifel: Als möglicher Koalitionspartner müssten die Grünen kompromissbereiter sein. Peter Pilz hingegen hat eher schlechte Chancen, mit einer "Ein-Mann-Show" viel voranzubringen. Die detaillierten Ergebnisse finden Sie im Folgenden.

Matthias Strolz: Lösungsorientiert

  • Ergebnis Kompetenzanalyse: Im Kreis seiner engsten Vertrauten zeigt der Kandidat eine gewisse Durchschlagskraft. Er möchte zwar Einfluss haben, nimmt in unangenehmen Konfliktsituationen die eigenen Ansprüche aber eher zurück.
  • Analyse Hill: Dieses Persönlichkeitsprofil zeigt eine eher unauffällige Struktur ohne extreme Eigenschaften. Dadurch bleibt Matthias Strolz flexibel und passt sich wechselnden Arbeitsumgebungen an. Das macht ihn angenehm in der Zusammenarbeit.
  • Analyse Filzmaier: Matthias Strolz vertritt eine Kleinpartei, also wäre für ihn in der Realpolitik jedweder Durchsetzungswille um jeden Preis ein Riesenproblem. Das schafft man nicht einmal mit absoluter Mehrheit und schon gar nicht mit ein paar Stimmenprozenten. Insofern sind die NEOS mit der Flexibilität und Lösungsorientierung von Strolz besser dran.

Sebastian Kurz: Kompromissfähig

  • Ergebnis Kompetenzanalyse: Der Kandidat zeigt ein stärkeres Bedürfnis danach, seine Ziele mit Nachdruck durchzusetzen. Er steuert zwar Abstimmungsprozesse aktiv, bleibt jedoch für Kompromisse offen.
  • Analyse Hill: Sebastian Kurz verfügt über ein modernes Führungsverständnis, gepaart mit hoher Dynamik. Es scheint ihm manchmal unangenehm zu sein, auf seinen Vorstellungen zu beharren. Seine schnelle, offensive Handlungsweise könnte in Aktionismus ausarten.
  • Analyse Filzmaier: 8 von 10 Punkten bei der Durchsetzungskraft sind für Kurz ein idealer Wert. Warum mehr Punkte schlecht wären? Er ist ja der Favorit für den nächsten Bundeskanzler, und laut Verfassung hat dieser keinerlei Weisungskompetenz. Also darf er nicht mit dem Kopf durch die Wand wollen, sondern muss kompromissbereit die Regierung moderieren.

Heinz-Christian Strache: Führen und leisten!

  • Ergebnis Kompetenzanalyse: Die Durchsetzungsstärke des Kandidaten liegt über der Norm - und zwar durchgängig: als Person, im Team sowie in der öffentlichen Wirkung.
  • Analyse Hill: Kombination aus extrem hohem Selbstbewusstsein, Führungspotenzial, Leistungsmotivation und einer angepassten Persönlichkeit. Sein mutiges und offensives Wesen wird eher im öffentlichen Raum und hier auch manchmal heftig-deftig wahrgenommen.
  • Analyse Filzmaier: Heinz-Christian Strache gibt sich im Wahlkampf als Oppositionschef, der seine Politik endlich durchsetzen will. Also dürfte er sich ruhig heftig und deftig geben. Als möglicher Minister, Vizekanzler oder gar Kanzler erreicht man aber durch ständiges Hauen auf den Tisch wenig bis nichts, weshalb er sich bereits jetzt zurückzuhalten versucht.

Ulrike Lunacek: Sehr bestimmt

  • Ergebnis Kompetenzanalyse: Die Kandidatin stellt sich als sehr dominant dar, besonders in der engeren Führungsumgebung. Im öffentlichen Auftritt schraubt sie den Machtanspruch ein wenig zurück.
  • Analyse Hill: Durch die insgesamt sehr hohe Handlungsfähigkeit reißt Ulrike Lunacek ihr Umfeld mit, inspiriert und verkauft neue Ideen gekonnt. Dieses Tempo mitzuhalten wird für die Umgebung manchmal zur Herausforderung.
  • Analyse Filzmaier: Die Grünen hatten lange einen Richtungsstreit, ob sie "Fundis" oder "Realos" sein sollen. Gemeint war das Beharren auf Grundsätzen kontra mehr Kompromissbereitschaft. Nach dem Testergebnis ist Ulrike Lunacek eine Fundi. Sowohl für die parteiinterne Meinungsbildung als auch als Koalitionspartner in einer Regierung wäre das schlecht.

Peter Pilz: Will gewinnen

  • Ergebnis Kompetenzanalyse: Der Kandidat zeigt sich durchschlagskräftig. Siegen steht an erster Stelle für ihn. Er kann sich zurücknehmen, wenn es darauf ankommt, auch ohne sich dabei zu verbiegen.
  • Analyse Hill: Peter Pilz hat das Zeug zum Macher. Wenn er etwas wirklich erreichen will, ist er zu Höchstleistungen bereit und kann auch schon einmal Bäume ausreißen. Er vermittelt daher: Da geht was weiter!
  • Analyse Filzmaier: Das Macherimage klingt gut. Doch glauben Anhänger von Pilz wirklich, dass er nach der Wahl in der Regierung ist und da "Bäume ausreißt"? Sehen Realisten ihn nicht lieber als Kontrolleur in der Opposition? Geht bei ihm als Ein-Mann-Show wirklich so viel weiter? Als er vor langer Zeit Bundessprecher der Grünen war, scheiterte Pilz.

Alexandra Halouska und Patrick Warger, Kronen Zeitung/kal

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