Di, 17. Oktober 2017

Affäre Silberstein

03.10.2017 16:43

Politkrimi: Spur führt tief in linken SPÖ-Flügel

Sollte die SPÖ-Spitze tatsächlich mit Strafanzeigen auf den aktuellen "DirtyCampaigning"-Krimi reagieren, wird sie auch einige Parteifreunde nicht verschonen können: Die bisher aufgeflogenen Hauptverdächtigen der Silberstein-Affäre kommen aus dem ultralinken Wiener Parteiflügel und aus dem Umfeld von Alt-Kanzler Alfred Gusenbauer, wie nun auch ein Mail zeigt.

Mit Beharrlichkeit versucht aktuell die Parteispitze der SPÖ zu streuen, dass auch die ÖVP von den gegen Parteichef Sebastian Kurz gerichteten Seiten auf Facebook gewusst habe. Sogar über die Beteiligung von "Geheimdiensten" und über "eingeschleuste Maulwürfe" wird von Parteigranden der Sozialdemokratie blumig spekuliert.

Ein Mail, das jetzt der "Krone" zugespielt wurde, legt aber nahe, dass alles viel einfacher gewesen sein könnte: Die Schmutzkübelkampagne dürfte konkret von Ex-Mitarbeitern eines Ex-SPÖ-Kanzlers und eines Ex-Bundespräsidentschaftskandidaten sowie von einem Marketing-Söldner und auch direkt in der SPÖ-Wahlkampfzentrale in der Löwelstraße und im Wiener Palais Harrach gesteuert worden sein. Und das sind die Hauptpersonen in diesem Politkrimi:

Von Silberstein bezahlte Angestellte saß in SPÖ
Anna J.:
Sie musste die Informationen aus Wien für den israelischen Wahlkampfberater Tal Silberstein in der SPÖ-Zentrale übersetzen. "Ja, die Mitarbeiterin von Silberstein hatte hier einen Platz, an dem sie arbeiten konnte", bestätigte jetzt auch ein SPÖ-Sprecher. Wer dieser Silberstein-Angestellten einen Platz zum Arbeiten in der Löwelstraße zuteilte, sei nicht mehr herauszufinden. Über Anna J. lief dann monatelang ein Großteil der Kommunikation zwischen der Partei und Silberstein.

Victoria S.: Auch sie hat für Tal Silberstein im Wien-Wahlkampf der NEOS gearbeitet. Jetzt ist sie im Führungsteam von Kanzler Christian Kerns Wahlkampagne.

Robert L.: Der Kommunikationschef der bekannten Signa-Gruppe im Palais Harrach schickte im Februar Dossiers über den Kanzler an Anna J. und Tal Silberstein. Robert L. war von 2007 bis 2008 Kabinettsmitarbeiter von Alfred Gusenbauer - der jetzt einer der wichtigsten Beiräte in der milliardenschweren Signa-Gruppe von Rene Benko ist.

Gleichzeitig gilt Gusenbauer noch immer als einer der emsigsten Berater von Kanzler Kern. Und er darf trotz aller Silberstein-Wirren weiterhin als Präsident die SPÖ-Parteiakademie leiten.

Hauptverdächtige arbeitete bei Wehsely
Vanessa S.: Die Ex-VSStÖ-Aktivistin steht in dringendem Verdacht, die "Dirty Campaigning"-Domain "Wir für Sebastian Kurz" bei Facebook angemeldet zu haben. Sie bestreitet jedoch mit Vehemenz die Verbreitung von Inhalten. Vanessa S. war enge Mitarbeiterin von Ex-Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely, einer der Galionsfiguren des Linksaußen-Flügels der Wiener SPÖ. Wehsely arbeitet nach ihrem Abgang aus der Stadtpolitik bei Siemens.

Und bei dieser Silberstein-Runde mit dabei war - wie das aktuelle Mail beweist - auch der umstrittene Wiener Marketingagentur-Besitzer Rudolf F. Geht es nach den krone.at-Usern, ist in der Causa Silberstein jetzt die Justiz gefragt.

Richard Schmitt
Chefredakteur krone.at
Richard Schmitt
Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).