So, 19. November 2017

„Nummer 142“

05.10.2017 09:33

Hilfe rund um die Uhr: Telefon-Seelsorge wird 50!

Sie bietet Menschen in akuten Krisen Hilfe und ist unter der Nummer 142 seit 50 Jahren rund um die Uhr erreichbar. Ganze 1.130.000 Gespräche fanden seit Gründung der Einrichtung statt. Was auffällt: Der Anteil der Anrufer mit psychischen Problemen stieg im Lauf der Jahre markant an.

150 ehrenamtliche Mitarbeiter - 80 Prozent davon sind Frauen - wechseln sich in Vier-Stunden-Diensten ab und sitzen am Telefon, berichtete Leiterin Carola Hochhauser in einer Pressekonferenz. Die Hilfesuchenden sind hauptsächlich zwischen 40 und 60 Jahre alt, die Mehrzahl der Anrufer sind Frauen, wobei der Männeranteil im Lauf der Zeit gestiegen ist und derzeit bei 34 Prozent liegt.

Jeder dritte Anrufer hat psychische Probleme
"Die Anzahl der psychischen Probleme hat zugenommen", sagte Co-Leiterin Marlies Matejka. Inzwischen hat gut jeder dritte Mensch, der sich an die Telefonseelsorge wendet, damit zu kämpfen. Vor 30 Jahren war es "nur" jeder Fünfte. Daneben spielen vor allem Einsamkeit und Beziehungsprobleme eine Rolle. "Man merkt auch das Tempo unserer Zeit, also dass viele nicht mehr mitkommen", so Matejka. Dafür habe sie den Eindruck, dass früher mehr Personen mit Suchtproblemen angerufen hätten. Ein Grund für den diesbezüglichen Rückgang dürfte auch daran liegen, dass das soziale Netz enger geworden sei: "Wir können heute an viel mehr Einrichtungen verweisen."

Religiöse Einstellungen spielen bei Beratung keine Rolle
"Wir sollen und wir wollen nicht missionieren", versicherte Hochhauser. Betont wurde heute, dass es sich bei der Telefonseelsorge um kein Therapieangebot handle, sondern vielmehr um ein "Zuhörangebot", damit Menschen Kummer und Sorgen loswerden können. Das sei auch sehr wichtig, betonte der Arzt und Psychotherapeut Gernot Sonneck: "Die Einrichtung kann das anbieten, was wir Profis nicht so leicht anbieten können", verwies er auf die ständige Erreichbarkeit in akuten Krisen.

Das spiele - im Verband mit anderen Kontaktstellen wie dem Psychosozialen Dienst oder dem Kriseninterventionszentrum - eine wichtige Rolle in der Suizidprävention. Nicht zuletzt deshalb sei die Selbstmordrate in Österreich seit Mitte der 1980er-Jahre um 40 Prozent, in der Bundeshauptstadt sogar um 60 Prozent zurückgegangen. Trotzdem sei es in 400 (von 35.000, Anm.) Gesprächen der Wiener Telefonseelsorge im Vorjahr um Suizidabsichten gegangen, ergänzte Matejka.

Bald auch mehrsprachige Hilfestellung
Derlei Gespräche fordern den Mitarbeitern der Seelsorge besonders viel ab. Insofern gibt es eine einjährige Ausbildung, bevor man das Telefon abheben darf. Wobei das Angebot in den vergangenen Jahren auch um die Formate E-Mail und Chat ausgeweitet wurde. Probleme bei der Suche nach Ehrenamtlichen habe man übrigens nicht, hieß es. Trotzdem ist die Einrichtung derzeit auf der Suche nach neuem Personal: Denn demnächst will man die Hilfestellung auch in anderen Sprachen anbieten.

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