Mo, 18. Dezember 2017

Kleines Comeback

03.10.2017 10:30

"SNES Classic Mini": Nintendos Retro-Kiste im Test

Knapp ein Jahr nach der Veröffentlichung seines Classic Mini NES hat Nintendo jetzt mit dem SNES Classic Mini nachgelegt. Der Miniatur-Ausgabe des Super Nintendo Entertainment System, das die Spielelandschaft hierzulande ab 1992 entscheidend prägte, scheint ein ähnlicher Erfolg beschienen zu sein wie ihrem Vorgänger: Aller Versprechen des Herstellers zum Trotz, genügend Stückzahlen zu produzieren, ist die Konsole nur wenige Tage nach ihrem Verkaufsstart vielerorts bereits ausverkauft. Im Internet wird inzwischen das Dreifache des Originalpreises verlangt. Zu Recht? krone.at hat die neue alte Konsole getestet.

16 statt 8 Bit - als Nintendo Anfang der 1990er-Jahre mit seinem Super Nintendo den NES ablöste, war dies aus technischer Sicht geradezu revolutionär. Angesichts heutiger Bombast-Produktionen mag man darüber schmunzeln, nichts desto trotz besitzen viele der Spiele von damals nach wie vor ihren ganz besonderen Reiz und Charme, der sich nicht allein an Bits und Bytes bemessen lässt. Nicht umsonst gelten viele der Titel von einst heute als zeitlose Klassiker.

21 Spiele vorinstalliert
Insgesamt 21 von ihnen hat Nintendo auf seinen SNES Classic Mini gepackt. Über die Auswahl lässt sich natürlich trefflich streiten, das eine oder andere Spiel wird wohl ein jeder Fan vermissen - beispielsweise "Donkey Cong Country 2" oder "Chrono Trigger". Andere Titel (etwa das Golf-Spiel "Kirby's Dream Course" oder das Box-Game "Super Punch-Out!!") dagegen weniger. Mit "Donkey Kong County", "Final Fantasy III", "The Legend of Zelda: A Link to the Past", "Yoshi's Island", "Mega Man X", "Super Mario World", "Super Metroid", "F-Zero" oder "Super Mario Kart", um nur ein einige zu nennen, sollten jedoch die wichtigsten Titel vorhanden sein.

Zu den vorinstallierten Spielen gehört sogar eines, das nie erschienen ist, nämlich "Star Fox 2", die Fortsetzung des ursprünglichen "Star Fox"-Titels, der in Europa unter dem Namen "Starwing" in den Handel kam. Das Sequel wurde laut Nintendo noch während der SNES-Ära entwickelt, dann aber nicht mehr veröffentlicht, weder in Europa noch anderswo. Wenngleich durchaus interessant zu sehen - zu den spielerischen Highlights zählt der Titel zweifelsohne nicht.

60 statt 50 Hertz
Die Spiele selbst liegen in der amerikanischen NTSC-Version vor, was zum Vorteil hat, dass das Spielgeschehen mit 60 statt wie bei der europäischen PAL-Version 50 Hertz flüssiger über den Bildschirm läuft. Nachteil: Auf eine deutsche Lokalisierung muss im Gegenzug verzichtet werden, was bei einem Spiel wie "Super Mario Kart" kaum ins Gewicht fallen dürfte, bei "Zelda" dagegen schon.

Kabel abermals zu kurz
Die Konsole wurde dem Original detailgetreu nachgebildet, nur eben kleiner. Wie schon beim Classic Mini NES ergibt sich daraus der Nachteil, dass wer ein Spiel neustarten möchte, erst aufstehen muss. Denn einen Reset-Knopf gibt es eben nur an der Konsole und nicht am Controller. Hinzukommt, dass - ebenfalls wie beim Classic Mini NES - die beigelegten Kabel (HDMI, Micro-USB) zum Anschluss an den Fernseher und die Steckdose mit knapp einem bzw. 1,40 Meter für das typische Wohnzimmer viel zu kurz sind. Wer also nicht wie früher direkt vor der Mattscheibe kleben möchte, sollte den Kauf längerer Kabel in Betracht ziehen, um die Konsole näher zu sich holen zu können.

Zweiter Controller im Lieferumfang
Löblich dagegen: Zählte beim Classic Mini NES nur ein Controller zum Lieferumfang, sind es beim Mini-SNES nun zwei, sodass man sich auf Anhieb in Multiplayer-Titel wie "Street Fighter II Turbo: Hyper Fighting" oder natürlich "Super Mario Kart" stürzen kann. Als etwas fummelig dagegen erweist sich das Anschließen der Controller, sind die dafür benötigten proprietären Anschlussbuchsen doch hinter einer ohne lange Fingernägel nur schwer zu öffnenden Zierblende versteckt.

Rahmen und Rückspulfunktion
Erst einmal im Hauptmenü angelangt, haben Nutzer wie bereits beim NES Classic Mini die Möglichkeit, die Bildausgabe (720p) hinsichtlich Format (1:1 oder 4:3) oder CRT-Filter für echtes Röhrenfernseher-Feeling anzupassen. Neu ist die Option, die unschönen seitlichen schwarzen Bildschirmränder mittels insgesamt elf Rahmen (z.B. roter Vorhang, Holzoptik, Sternenhimmel) zu kaschieren. Wie man es handhabt, bleibt Geschmackssache. Wir empfanden es angesichts der Pixelflut fürs Auge allerdings beruhigender, die Ränder einfach schwarz zu lassen.

Ebenfalls neu: Zusätzlich zu den bereits vom Classic Mini NES bekannten vier Speicherpunkten bietet der Mini-SNES eine Rückspulfunktion, die es Spielern erlaubt, das Spielgeschehen etwa eine Minute zurückzudrehen und zu einem früheren Zeitpunkt fortzusetzen. Angesichts der mitunter frustrierend hohen Schwierigkeitsgrade ein durchaus praktisches Feature, das umständlicherweise jedoch nur über Umwege, nämlich den Speicherstand im Menü aktiviert werden kann.

Fazit: Mit dem SNES Classic Mini hat Nintendo ein schönes Gesamtpaket für Nostalgiker und Retro-Fans geschnürt, dessen größtes Manko - neben der geringen Verfügbarkeit und dem daraus resultierenden hohen Preis - schon wie beim Classic Mini NES die fehlende Upgrademöglichkeit sein dürfte. Wer sich an den 21 Titel satt gespielt hat und mehr möchte, muss dann auf Nintendos Virtual Console oder entsprechende Emulatoren für andere Plattformen zurückgreifen. Letztere gibt es oftmals kostenlos, den Charme des kleinen grauen Nintendo-Kästchens besitzen sie allerdings nicht.

Sebastian Räuchle
Redakteur
Sebastian Räuchle
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