So, 22. Oktober 2017

Ghost Gunner

03.10.2017 06:15

Mini-Fräse für den PC baut unregistrierte Pistolen

Das Enfant Terrible der US-Waffenszene hat wieder zugeschlagen: Cody Wilson, der vor einigen Jahren mit der ersten Pistole aus dem 3D-Drucker für Schlagzeilen gesorgt hat, hat mit seiner Firma Defense Distributed Pläne veröffentlicht, mit deren Hilfe sich jeder Waffeninteressierte mithilfe einer kleinen computergesteuerten Fräse eine unregistrierte Pistole bauen kann. Waffengegner sind alarmiert.

Die CNC-Tischfräse Ghost Gunner hatten Wilson und seine Mitstreiter von Defense Distributed bereits vor drei Jahren auf den Markt gebracht. Bisher konnte die 1500-Dollar-Fräse allerdings "nur" Sturmgewehrgehäuse vom Typ AR-15 fräsen. Am Sonntag hat Defense Distributed nun ein Update veröffentlicht, mit dem die Fräse auch Pistolen herstellen kann. Konkret fräst das Gerät laut einem "Wired"-Bericht den Aluminiumrahmen einer M1911-Pistole aus einem Alu-Block.

Wilson will auch Glock-Pläne hochladen
Dabei handelt es sich um eine populäre Familie halbautomatischer Waffen, denen etwa der Colt 45 angehört. Laut Wilson sei das allerdings nur der Anfang. Es sei auch Software geplant, mit der man binnen einer Stunde andere Pistolenmodelle herstellen könne, zum Beispiel eine Glock.

Bei Waffengegnern schrillen angesichts der Erfolge bei Defense Distributed - und dem jüngsten Massenmord in Las Vegas mit fast 60 Toten - die Alarmglocken. Der Rahmen ist nämlich jener Teil einer Pistole, der üblicherweise mit einer Seriennummer versehen wird und nicht ohne weiteres gekauft werden kann. Alle anderen Teile, die man zum Zusammenbau einer Pistole braucht, erhält man in den USA ohne Kontrollen in Online-Shops. Wird der Rahmen einfach aus einem Alu-Block gefräst, entsteht also der Grundbaustein für eine nicht registrierte Handfeuerwaffe.

Kalifornien hat "Ghost Guns" bereits verboten
Kevin De Leon, Senator im Bundesstaat Kalifornien, will der Waffenfräse einen Riegel vorschieben: "Werden die Waffen von Gangmitgliedern hergestellt? Werden sie gebaut, um sie an Personen zu verkaufen, denen der Besitz einer Waffe eigentlich verboten wäre? Technologien, die es der breiten Öffentlichkeit gestatten, Schusswaffen herzustellen, werfen einige ernste Fragen auf." In Kalifornien hat man sogenannte "Ghost Guns" deshalb bereits verboten.

Solange kein Bundesgesetz existiere, schränke dieses lokale Gesetz die Aktivitäten von Wilson und seinen Kollegen aber nicht ein, heißt es in dem Bericht. Die Infrastruktur, um im großen Stil Waffen herzustellen, ist indes bereits vorhanden. Wilsons Firma Defense Distributed rühmt sich, bereits 4000 Exemplare der CNC-Tischfräse Ghost Gunner verkauft zu haben, zumindest 1000 Stück davon gehören zum neuesten Modell, das Pistolenrahmen herstellen kann.

Wilson hat auch Nazi-Crowdfunding im Programm
Defense-Distributed-Boss Wilson selbst begründet sein Tun mit seiner politischen Einstellung. Der radikale Libertäre fordert seit Jahren das Recht auf freien und uneingeschränkten Zugang zu Waffen und nutzt neue Technologien wie 3D-Druck oder CNC-Tischfräsen, um dieses Ziel zu erreichen. Zu Beginn konzentrierte er sich dabei noch auf 3D-gedruckte Waffen, wohl wegen deren geringer Haltbarkeit kam dann der Schwenk zu selbst gefrästen Metallwaffen.

Neben seinen Bemühungen im nicht reglementierten Waffenbau hat Wilson sich zuletzt auch mit einer Crowdfunding-Seite einen Namen gemacht, auf der ausgerechnet jene Nutzer Geld für ihre Ideen sammeln können, die von anderen Crowdfunding-Seiten gesperrt werden. Unter ihnen sollen sich Neonazis wie "Daily Stormer"-Gründer Andrew Anglin befinden, Wilson legt aber Wert auf die Feststellung, dass er nicht in der rechtsextremen Szene zu verorten, sondern "Extremist der Redefreiheit" sei.

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Redaktion
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