Sa, 18. November 2017

Kandidaten im Check:

02.10.2017 13:28

Wer unterstützt neue Technologien?

Teil acht unseres großen "Krone"-Checks: die Polit-Strategie der Spitzenkandidaten. Wer ist offen für technische Neuheiten, wer baut lieber auf Altbewährtes?

Laut einer IMAS-Umfrage im Auftrag der "Krone" wünschen sich 58 Prozent einen innovativen Kanzler, der technologische Neuheiten fördert.

Wir garantieren Objektivität!
Im Zuge unserer Serie "Wer kann Kanzler?" prüften Psychologen die Spitzenkandidaten auch auf diese Qualität. Gemeinsam mit der renommierten Beraterfirma HILL baten wir die Politiker zum wissenschaftlich fundierten objektiven Persönlichkeits-Check. Die anonymisierten Daten wurden von Wirtschaftspsychologe Othmar Hill ausgewertet. Notar Georg Schreiber beglaubigt die anonyme und damit objektive Beurteilung. Und Politologe Peter Filzmaier interpretiert das Ergebnis aus politischer Perspektive.

Die Experten nahmen letztlich fünf der großen Sechs unter die Lupe. Zu Christian Kern (SPÖ) gibt es leider keine Auswertung, nachdem er den Test völlig überraschend abgebrochen hat, "weil das ein lächerlicher Gag" sei. Schade, Herr Bundeskanzler, dass Sie den "Krone"-Lesern nicht zeigen wollen, wie Sie ticken.

Die Ergebnisse der Spitzenkandidaten
Was den technischen Fortschritt anbelangt, entpuppt sich Peter Pilz als innovativster Kandidat, resümiert das HILL-Team. Ganz anders sieht das Ergebnis bei Heinz-Christian Strache aus. Der blaue Spitzenpolitiker lehnt Neuheiten zwar nicht ab, für ihn zählt aber vor allem das Altbewährte. Frei nach dem Motto - lieber reformieren als neu erfinden. Spannend: Obwohl Sebastian Kurz mit 31 Jahren der jüngste Spitzenkandidat ist, deutet laut Psychologe Othmar Hill nichts auf einen "Technologieschub" bei seiner Polit-Strategie hin. Die detaillierten Ergebnisse finden Sie im Folgenden.

Peter Pilz: Kreativ-visionär

  • Ergebnis Kompetenzanalyse: Der Kandidat verfolgt und fördert innovative Entwicklungen, lehnt Althergebrachtes eindeutig ab.
  • Analyse Hill: Fortschritt ist die Hauptmotivation von Peter Pilz, wobei er dabei auch den nötigen Weitblick behält. Er verfolgt mit Enthusiasmus innovative Entwicklungen. Die Arbeit am Status quo ist nicht seines, weil er verändern will.
  • Analyse Filzmaier: Wenn Peter Pilz als Kreativkünstler gilt, der den Status quo keinesfalls beibehalten will, so wird ihn das freuen. Was sonst sollte eine Partei, die neu ist und erstmals antritt, verkörpern. Zu seinem Glück zieht bisher keiner seiner Anhänger in Betracht, dass Pilz seit 31 Jahren als eine Art pragmatisierter Dauervisionär im Parlament sitzt.

Ulrike Lunacek: Gezielte Innovation

  • Ergebnis Kompetenzanalyse: Diese Kandidatin möchte bewahren und verbessern, was geschaffen wurde. Gleichzeitig ist es ihr wichtig, auch technologische Innovationen zu fördern.
  • Analyse Hill: Ulrike Lunacek weiß sehr klar, was sie will, und das ist nicht wenig. Der Spagat zwischen Erneuerung und Bewahren (zum Beispiel bei Recycling-Technologien) wird zeitweise aber schwer an andere zu vermitteln sein.
  • Analyse Filzmaier: Ulrike Lunacek als kleine Revolutionärin? Die Grünen sitzen in sechs Landesregierungen und haben nichts und niemanden umgestürzt. Mit sanfter Veränderung, ob man ihr zustimmt oder nicht, sind sie auch gut beraten. Das widerspricht nämlich dem Vorurteil, ihre Politik würde ins Chaos führen. Also sollte Lunacek einen gemäßigten Erneuerungskurs verfolgen.

Matthias Strolz: Keine Experimente!

  • Ergebnis Kompetenzanalyse: Ausgewogenes Mittelmaß. Der Kandidat legt den Fokus eine Spur mehr auf Innovation als auf Erhaltung.
  • Analyse Hill: Matthias Strolz hat gute Ideen, steht aber nicht für radikale Umbrüche, sondern für moderate Neuerungen. Diese Einstellung bietet Stabilität ohne allzu große Sprünge nach vorne.
  • Analyse Filzmaier: Der Parteiname NEOS und das Testergebnis von Strolz "Nur keine Experimente!" scheinen sich zu widersprechen. Wo bleibt da das Neue? Trotzdem ist ein Mittelweg voller Kompromisse für ihn die bessere Strategie, denn mit dem relativ kleinen Stimmenanteil seiner Partei kann Strolz sowieso keine Visionen verwirklichen.

Sebastian Kurz: Abwarten und Tee trinken

  • Ergebnis Kompetenzanalyse: Der Kandidat interessiert sich nur mäßig für Neuerungen, allerdings gibt er auch Bewährtem keinen eindeutigen Vorzug.
  • Analyse Hill: Von Sebastian Kurz kann man sich keinen Technologieschub erwarten. Dafür bleibt die Lage übersichtlich und stabil. Es ist bei ihm keine eindeutige Positionierung zum Thema Innovation erkennbar.
  • Analyse Filzmaier: "Abwarten und Tee trinken" klingt nach einem außerhalb Englands nicht sehr freundlichen Befund. Doch erklärt sich die mittlere Innovationskraft von Kurz aus der Mischung, die er verkörpern muss. Er ist ein Jungspund, seine Partei ziemlich alt. Will er sie und das Land im Rekordtempo erneuern, würde er die eigenen Stammwähler verschrecken.

Heinz-Christian Strache: Erhalten und verbessern

  • Ergebnis Kompetenzanalyse: Der Kandidat legt als Einziger etwas mehr Augenmerk darauf, Bestehendes zu erhalten, als innovative Entwicklungen zu forcieren. Die Motivation für beides ist aber vorhanden.
  • Analyse Hill: Grundsätzlich ist bei Heinz-Christian Strache das Interesse für beides - Erneuerung und Altbewährtes - hoch ausgeprägt. Allerdings ist es ihm wichtiger, Vorhandenes zu optimieren und greifbar zu machen. Reformation geht ihm über Innovation.
  • Analyse Filzmaier: Heinz-Christian Strache ist seit über einem Jahrzehnt Wortführer der Opposition und will alles anders machen als die Regierung. So gesehen, überrascht seine bloß durchschnittliche Begeisterung für komplett neue Entwicklungen. Allerdings verhindert das mit seiner Person verbundene Umsturzängste und hilft ihm, nicht politisch Unmögliches anzustreben.

Alexandra Halouska und Patrick Warger, Kronen Zeitung/kal

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