So, 19. November 2017

Silberstein-Affäre

02.10.2017 10:09

Autor: „Ihr habt eine kranke Welt konstruiert“

Auch wenn Kanzler Christian Kern in der "Dirty Campaigning"-Affäre rund um den Ex-Berater Tal Silberstein "volle Aufklärung" versprochen hatte - in der Öffentihckeit haben er und seine SPÖ einen enormen Imageschaden davongetragen. Mittlerweile reichen die Unmutsäußerungen bis ins benachbarte Deutschland. "Liebe Herren in Wien, ihr habt hier eine kranke Welt konstruiert", poltert der deutsche Plagiatsexperte Stefan Weber. Selbst hochranginge SPÖ-Funktionäre üben mittlerweile harsche Kritik am Wahlkampfstil der eigenen Partei.

Weber kann über den Wahlkampfstil der SPÖ wegen der antisemitischen "Hetz"-Seiten gegen ÖVP-Chef Sebastian Kurz nur den Kopf schütteln. "Was ist hier noch Realität? Postmodernisten und Konstruktivisten wissen: Sie ist uns endgültig abhandengekommen. Die Realität von einst sind heute nur noch Versionen von Wirklichkeit."

"Kann niemandem in der Politik mehr glauben"
Weber könne niemandem in der Politik mehr glauben. "Es könnte immer sein, dass alle anders reden, als sie denken (=lügen). Es bleibt nur die eine Hoffnung, dass das nunmehr erschütterte Grundvertrauen zu etwas Neuem führt. Österreich sollte kollektiv nicht zur Wahl gehen."

Weber fordert Offenlegung des Silberstein-Konzepts
Weber, der unter anderen die Diplomarbeiten von Kern und Kanzleramtsminister Thomas Drozda überprüft hatte, fordert von der SPÖ die sofortoge Offenlegung des Kommunikationskonzepts von Tal Silberstein. "Von mir aus mit Schwärzung der Namen und der geflossenen Summen. Nur das wäre die jetzt angebrachte Transparenz", schreibt Weber auf der Internetplattform heise.de.

Was weiß und wusste Kanzler Kern?
Besonders Kern und Silberstein bekommen von Weber auf zynische Art und Weise sein Fett ab. "An der Spitze steht der Bundeskanzler, von dem niemand mehr weiß, was er wusste und weiß. Und dann ein israelischer Politberater, der Rätsel aufgibt, vielleicht sich über alles totlacht", so Weber.

Am Schluss seines Textes hat der Plagiatsexperte noch einen Tipp für die gegenwärtige Politik in Österreich parat: "Wenn Ihr diese Welt wollt, dann ändert das Schulsystem: Führt Fächer wie 'richtig Lügen' statt richtig Schreiben ein, lehrt Manipulation statt Mathematik, benotet 'Intrigieren' statt Benehmen, Betragen oder Sozialkompetenz."

Kaiser sieht "schlimme Situation"
Unterdessen mehren sich die kritischen Töne am unsauberen Wahlkampstil der SPÖ sogar innerhalb der eigenen Partei. Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser sieht eine "schlimme Situation", weil in der entscheidenden Phase des Wahlkampfs nicht Inhalte im Mittelpunkt stünden, sondern Fälschungen und Skandale. Besonders die Geldflüsse müssen seiner Ansicht nach nun geklärt werden. "Egal von wem und wie auch immer das geschah, derjenige hat die Verantwortung zu tragen", so Kaiser.

Kritik hagelt es auch aus dem Bundesland Tirol. "Ich habe mich in den vergangenen Monaten schon mehrmals gewundert, auf wie vielen Ebenen hier mitgemischt wurde", kritisiert die dortige SPÖ-Chefin Elisabeth Blanik am Montag gegenüber der "Tiroler Tageszeitung" das Wahlkampfteam unabhängig von der Affäre Silberstein. Ein Wahlkampf könne schließlich nur mit klaren Strukturen und Verantwortlichkeiten funktionieren, meinte Blanik. Und das sei lange nicht der Fall gewesen, so die Kritik. Der Wahlkampf der SPÖ sei schon die ganze Zeit holprig verlaufen. "Und wenn es einmal nicht läuft, dann läuft es richtig nicht", so Blanik.
 

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