Di, 21. November 2017

Black Beauty

10.10.2017 18:33

BMW K 1600 B: So fährt sich Münchens Edel-Bagger

Bei der Bagger (sprich: Bägga) hält es BMW wie einst Henry Ford: Die K 1600 B ist in jeder Farbe erhältlich, solange sie schwarz ist. Doch dieses coole Trumm dürfte ohnehin nicht anders lackiert sein, so schaut sie richtig cool-böse-düster aus. Bat-Man-like habe ich auch schon gehört. Der Auftritt passt - und der Antrieb sowieso.

Der Begriff Bagger kommt weder vom Anbaggern (obwohl…), noch vom Ausbaggern, sondern von den Koffern (bzw. "bags"), die in die nach hinten abfallende Linie integriert sind. Weiteres Haupterkennungsmerkmal dieser Bike-Art ist die gestutzte Verkleidung mit dem extrem flachen Windschild, der den Fahrer voll dem Fahrtwind aussetzt.

So gesehen ist der BMW-Bagger einer für die nicht ganz so harten Hunde (nicht nur wegen Griff- und Sitzheizung), denn der Windschild ist elektrisch ausfahrbar und deshalb sehr effektiv. Leichte Vibrationen am Helm ab 100 km/h sind die einzige Unbill, mit der der Baggerfahrer zurechtkommen muss. Der Rest ist Entspannung.

Basis für die K 1600 B ist die K 1600 GT bzw. eigentlich mehr die GTL. Von ihr hat sie nämlich die ungewöhnliche Sitzposition, wo der Fahrer aufrecht cruisend thront, aber die Knie sportlich abgewinkelt hat. Aber: Hier kann man "Feet Forward" Trittbretter mitbestellen - dann passt's wieder. Allerdings kann man mit vorn abgestellten Füßen nicht schalten, außerdem liegen die Schienbeine unangenehm an der Verkleidung an.

Traumhafter Antrieb
So viel geschmeidiger Motorgenuss ist selten auf einem Motorrad! Der 1649 cm³ große Sechszylinder klingt, wie BMW-Sechszylinder immer geklungen haben, und hat eine Leistungsentfaltung zum Niederknien. Drehmoment! Und Drehfreude! 160 PS sind es, aber vor allem ein mächtiges maximales Drehmoment von 175 Nm bei 5250/min. Die Drehmomentkurve im Datenblatt fängt bei 2000 Touren an, und da sind es bereits 140 Nm. Mehr als jeder handelsübliche Supersportler im Maximum.

Weniger geschmeidig geht das Getriebe zu Werke, das sich zwar problemlos, aber laut klackernd schaltet. Auch die Gasannahme ist bisweilen ruckartig und aus dem Getriebe hörbar. Jammern auf hohem Niveau, das hinter der Brillanz des Triebwerks zurücktritt. Tadellos arbeitet der optionale Schaltassistent plus, der bei praktisch allen Schaltvorgängen das Kuppeln unnötig macht.

Agiler, als sie aussieht
Bei 336 kg Leergewicht freut man sich, dass optional ein Rückwärtsgang zu haben ist. Der wird per Knopfdruck aktiviert und per Startknopf betätigt, den Antrieb besorgt der Motor.

Trotz aller Masse ist die BMW K 1600 B durchaus ambitioniert zu bewegen - solange man nicht mit zu viel Schräglage fährt, denn die "Feet Forward"-Trittbretter setzen früh auf (klappen aber weg). Was man im Vergleich mit anderen Motorrädern in der Kurve verliert, holt man danach wieder auf, wenn man entsprechend am Griff schraubt.

Das elektronische Fahrwerk ESA ist serienmäßig an Bord, es kennt zwei Fahrmodi: In der Einstellung Road reagieren die Dämpfer adaptiv, passen sich als der Fahrsituation jeweils an. "Cruise" ist sehr weich und soll ein "besonders ausgeprägtes Komfortgefühl bei niedrigen Geschwindigkeiten" vermitteln. Schnell fahren ist damit nicht zu empfehlen.

Kurven-ABS und Dynamic Traction Control sind übrigens serienmäßig.

Unterm Strich:
BMW liefert eine gelungene Antwort auf Harley-Davidson und überhaupt die Bagger-Bewegung aus den USA. Die BMW K 1600 B ist eine im besten Sinne eigenartige Ergänzung des Sechszylinder-Programms und ein echter Blickfang. Die Preisliste weist 26.400 Euro aus, aber nackt werden große BMWs grundsätzlich nicht bestellt. Und wer sich die Bagger zulegt, will auf Schmankerln wie Keyless Go, Zentralverriegelung, integriertes Navi etc. verzichten? Na gut, dann sind wir bei weit über 30.000 Euro. Immerhin kostet ein Auto mit Sechszylindermotor bei BMW rund das Doppelte. Das ist dann aber auch in anderen Farben erhältlich…

Warum?

  • Einzigartige Version eines Baggers
  • Phantastischer Motor

Warum nicht?

  • Lautes Getriebe

Oder vielleicht …

… Moto Guzzi MGX-21 Flying Fortress, Honda Gold Wing F6B, Harley Street Glide, Road Glide

Stephan Schätzl
Redakteur
Stephan Schätzl
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