So, 19. November 2017

Filzmaier analysiert

17.09.2017 09:08

TV-Duelle: Jeder gegen jeden

Zur Nationalratswahl gibt es im Fernsehen rund 50 (!) Diskussionssendungen. Der ORF startet am Dienstag mit seinen TV-Duellen der Spitzenkandidaten. Peter Filzmaier analysiert all diese Debatten im Anschluss in der "ZiB 2" und beschreibt für die "Krone", was sie (nicht) bewirken können.

Wer hat gewonnen? Das werden nach den Zweierkonfrontationen von Christian Kern, Sebastian Kurz, Heinz-Christian Strache, Ulrike Lunacek und Matthias Strolz viele Politikbeobachter fragen. Der Haken daran: Die Fragestellung ist falsch. Es geht ja nicht um einen Redewettbewerb, sondern um Einflüsse auf das Wahlverhalten.

Stammwähler bleiben bei ihrem Kandidaten
Wenn ein ÖVP-Anhänger Kurz im Fernsehen super findet, bringt das nichts. Die schwarz-türkise Partei hätte die Stimme dieses Fans sowieso bekommen. Oder es weichen Wähler der FPÖ nicht von ihrer Lieblingspartei ab, bloß weil Strache einmal nicht in Form ist. Stammwähler der SPÖ wiederum bleiben solche, egal, ob Kern sprachlich mehr oder weniger gelingt.

Parteiwechsel durch Diskussionssendungen?
Die richtige Frage lautet: Fanden Sie Kandidat X auf dem Bildschirm besser, und werden Sie - in ein paar Wochen, nicht etwa am Diskussionsabend - seine Partei wählen, obwohl Sie ansonsten für eine andere Partei gewesen oder daheim geblieben wären? Neben den Stimmen der Unentschlossenen ist das die einzige Möglichkeit, dass ein Debattenergebnis etwas am Wahlresultat ändert.

Wunschwahrnemung der Zuseher
Überläufer zwischen den Parteien sind freilich selten, da fix entschlossene Wähler eine Wunschwahrnehmung haben. Sie wollen bei "ihrem" Kandidaten vor allem die Stärken sehen, beim Gegner schaut man auf Schwächen. Parteigänger erklären am Stammtisch oder im Internet stets, dass der Diskutant der eigenen Partei ein Genie und alle Gegenüber quasi Idioten wären. Manchmal ohne die Sendung gesehen zu haben.

"Echo"-Politik der Parteien
Parteien betreiben genauso "Echo"-Politik, indem Funktionäre und im Wahlkampf engagierte Berater verkünden, warum der eigene Chef siegt. Der SPD ist in Deutschland gar das peinliche Hoppala passiert, mit dementsprechenden Jubelanzeigen zu werben, bevor Martin Schulz überhaupt mit Angela Merkel diskutiert hatte.

Sehr schwierig, inhaltlich zu punkten
In Wahrheit ist es sehr schwierig, inhaltlich zu punkten. 70 Prozent unserer Eindrücke beim Fernsehen sind bildlich. Zählt man Körpersprache und Stimmlage dazu, also Dinge unabhängig vom geistigen Wert des Gesagten, sind wir bei 90 Prozent. Für die Schlagkraft der Argumente bleibt somit wenig übrig. Attraktives Aussehen allein reicht dennoch nicht. Dass der braungebrannte John F. Kennedy 1960 US-Präsident wurde, weil er im Fernsehstudio den schwitzenden Richard Nixon schlug, das ist ein modernes Märchen.

Ach ja, apropos Schlagkraft: Sowohl in Brasilien als auch in Griechenland oder Georgien standen Politiker auf, um Mitbewerber live und im wörtlichen Sinn zu schlagen. Gewählt wurden sie deshalb nicht.

Peter Filzmaier, Kronen Zeitung

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