Fr, 24. November 2017

Mauterndorf

13.09.2017 23:30

Göring war kein Ehrenbürger

Mauterndorf und der vermeintliche Ehrenbürger Hermann Göring: Ein Kapitel, das die Gemeinde seit Jahrzehnten begleitet. Jetzt, zum 800 Jahre-Jubiläum, räumt eine neue Orts-Chronik mit der historischen Annahme endgültig auf: Göring war nie Ehrenbürger! Das haben die Wissenschafter nun eindeutig widerlegt.

"Es ist so wie es ist, das ist die Geschichte. Und es ist gut zu wissen, dass dieses Kapitel nun ordentlich aufgearbeitet wurde. Damit ist für uns diese Diskussion beendet, ganz wertfrei", findet Wolfgang Eder, seit 26 Jahren Bürgermeister von Mauterndorf, klare Worte.

Die Diskussion um Hermann Göring begleitet Mauterndorf seit Jahrzehnten. Unbestritten, dass der spätere Feldmarschall und Stellvertreter von Adolf Hitler seine Jugend dort verbrachte, auf der Burg lebte, die ihm kurzzeitig auch gehörte. In der Orts-Chronik von 1967 tauchten dann Hinweise auf, Göring sei Ehrenbürger gewesen. Die Recherchen fußten auf einem Dokument der konstituierenden NSDAP-Gemeindevertretungssitzung anno 1938.

Gemeinde Mauterndorf veröffentlicht neue Chronik und räumt mit Gerücht auf

Recherchen, die im Zuge der neuen Orts-Chronik zum 800-Jahre-Jubiläum noch einmal überprüft wurden. Dafür wurde sogar in Archiven in Berlin und Washington gestöbert. Ergebnis: "Göring war nie Ehrenbürger von Mauterndorf. Es gab zwar ein Sitzungsprotokoll von damals, aber keinen Nachweis über einen Beschluss", so Amtsleiter Peter Binggl, der in die Arbeiten an der neuen Chronik miteingebunden war. "Es gibt kein Dokument, das die Ehrenbürgerschaft belegt."

Angesichts der 896 Seiten umfassenden neuen Orts-Chronik wird dieses Kapitel auf zehn Seiten nur "gestreift". Ansonsten wurde die Geschichte Mauterndorfs in zwei Bänden über Jahre akribisch und penibel aufgearbeitet. 2009 begannen Studenten des zwischenzeitig verstorbenen Uni-Historikers Heinz Dopsch das Archiv der Marktgemeinde zu durchforsten. Herausgeber Peter Klammer und sein 21 Autoren umfassendes Team ziehen dabei einen historischen Faden von der Entstehungsgeschichte bis hin zur detaillierten Vergangenheit 160 historischer Höfe und Häuser. "Verständlich und einfühlsam verfasst", lobt Ortschef Eder. Gedruckt wurden die 1500 Exemplare natürlich bei Samson Druck in St. Margarethen, erhältlich ist die Chronik im Gemeindeamt.

Max Grill, Kronen Zeitung

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