Fr, 24. November 2017

Cannabis als Medizin

12.09.2017 18:11

Flut an Anträgen bei der Kasse

Dass Cannabis auf Rezept helfen kann, ist mittlerweile unbestritten: Immer mehr Länder legalisieren Hanf für Therapien. Bei uns bleibt es ein heikler rechtlicher Zweig. Die Zahl der Ansuchen hat sich laut GKK in Salzburg in einem halben Jahr verzwanzigfacht. Ein Patient über seinen Kampf um die richtige Dosis.

Der Salzburger hat von Kindheit an schwere gesundheitliche Probleme. "Ich muss 16 Tabletten am Tag nehmen", so der heute 34-Jährige. Cannabis hilft ihm. Doch jetzt kämpft der Schwerkranke um die Genehmigung seiner Dosis.

Die Rechtslage ist in Österreich so, dass nur Präparate mit einzelnen Bestandteilen erlaubt sind. "In Deutschland würde ich 100 Gramm Blüten bezahlt bekommen", hofft er, dass auch in Österreich "Hanf als Medizin" entkriminalisiert wird. Weil er Kapseln und eine ölige Form nicht verträgt, wurden ihm Inhalationen empfohlen. Da steigt die Kasse aus. Der schnelle Kick sei nicht Sinn einer Therapie, so die Argumentation. Der Bedarf des Patienten liege beim 22 bis 25-fachen des Durchschnitts.

Die Grenzen zwischen Medizin und illegaler Droge verschwimmen: Wer mit der Dosis von einer Flasche Dronabinol nicht auskommt, organisiert sich selbst seine Blüten

"Die Zahl der Verordnungen explodiert geradezu", erklärt Chefarzt Dr. Peter Grüner von der Salzburger Gebietskrankenkasse. 20 Mal mehr Anträge als noch im Jänner gehen über seinen Schreibtisch. Die Zugänge zu Cannabis-Medizin in den Arztpraxen seien unterschiedlich: "Kiffen ist nicht harmlos", sagen Gegner. Die anderen vertrauen auf die Wirkung von Cannabinoiden, die Schmerz aushaltbarer machen. Grüner warnt vor Missbrauch: "Wer einen Ausweis hat, verwendet das auch als Argument bei Polizeikontrollen."

Österreichweit werden pro Jahr rund 2000 Patienten mit Hanf-Wirkstoffen versorgt. Eine Arbeitsgruppe rund um den Wiener Arzt Kurt Blaas kämpft schon seit den 90ern um die Legalisierung von Cannabis.

Sabine Salzmann, Kronen Zeitung

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