Fr, 24. November 2017

krone.at-Test

10.09.2017 06:00

Samsung Galaxy Note 8: Gelungenes Comeback?

Ziemlich genau ein Jahr ist es her, dass Samsung mit dem Galaxy Note 7 eines seiner bisher technisch besten Smartphones abgeliefert hat - und trotzdem ein in der Unternehmensgeschichte beispielloses Debakel erleben musste. Fehlerhafte Akkus und explodierende Geräte lösten eine noch nie dagewesene Rückrufaktion aus, das Vertrauen in die Marke wurde beschädigt. Mit dem Galaxy Note 8 will es der Smartphone-Platzhirsch wieder richten. Ob das gelingt? Wir haben den Nachfolger des Pannen-Smartphones getestet.

Unter Freunden der Stiftbedienung genießt Samsungs Galaxy-Note-Reihe seit Jahren einen guten Ruf, umso trauriger waren viele von ihnen, als die sechste Generation nicht in Europa vermarktet wurde und das ersehnte Note 7 der Rückrufaktion im Vorjahr zum Opfer fiel. Mit dem Note 8 kommt nun endlich wieder ein frisches Stift-Smartphone der Koreaner nach Österreich - mit ausnehmend hochwertigen Komponenten und entsprechend viel Power.

Optisch erinnert das lang gezogene Galaxy Note 8 dabei an das bereits im Frühjahr erschienene - hier geht's zum Test - Galaxy S8, durch seine Größe besonders an die Plus-Variante. Im Detail wurde aber Feintuning betrieben.

So ist das an den Rändern abgerundete Display nun dezenter gebogen, wodurch das Gerät insgesamt sicherer in der Hand liegt. Den Hardware-Button für Samsungs Sprachassistent Bixby gibt es weiterhin, was Nutzern hierzulande aber wenig nützt - die deutsche Version erscheint erst 2018. Da ist es schade, dass der Knopf nicht anders belegt werden kann.

Welche Hardware genau Samsung im Galaxy Note 8 verbaut, erfahren Sie hier:

Samsung Galaxy Note 8

CPU

Exynos 9 Octa: 4 x 2,3 + 4 x 1,7 GHz

RAM

6 GB

Diagonale

6,3 Zoll (18,5:9, AMOLED, HDR)

Auflösung

2960 x 1440 Pixel

Speicher

64 GB

microSD-Slot

bis 256 GB

Hauptkamera

2 x 12 Megapixel (F/1.7, F/2.4); Optischer Bildstabilisator, Teleobjektiv, LED-Blitz

Frontkamera

8 Megapixel (F/1.7)

Funk

LTE, Gigabit-WLAN, Bluetooth 5.0, NFC, GPS, GLONASS, BeiDou, Galileo

Maße

162,5 x 74,8 x 8,6 Millimeter; 195 Gramm

Akku

3300 mAh (lädt via USB-C)

Extras

Wasserdicht (IP68)
Notizmodus
Always-on-Display
Barometer
Fingerabdruck-Scanner
Pulsmesser
Iris-Scanner
Stylus
Kabelloses Laden (Qi)

Software

Android 7.1

Preis

1000 Euro

Die Hardware hält, was sie verspricht: Jagt man das Galaxy Note 8 durch den gängigen Benchmark-Vergleichstest Antutu, erzielt es eine Wertung von 167.000 Punkten und liegt damit am Niveau des stiftlosen und ebenfalls pfeilschnellen Schwestermodells Galaxy S8. In der Praxis bedeutet das verzögerungsfreie App-Starts, eine jederzeit flüssige Bedienung und ein generell hohes Arbeitstempo, auch an der Spieleleistung kann man nichts aussetzen.

Exzellentes AMOLED-Display
Das Display im Note 8 - aus Stromspargründen wird es standardmäßig nicht in der Maximalauflösung, sondern in "gestrecktem" Full-HD betrieben - zeigt Samsungs Dominanz in Bildschirmfragen. Tiefsattes Schwarz, leuchtende Farben, gute seitliche Ablesbarkeit, feine Kontrastverläufe - hier haben wir nichts auszusetzen, es handelt sich um eines der besten Smartphone-Displays am Markt.

Die hohe Maximalauflösung macht sich erst bei der Nutzung in Samsungs Gear-VR-Headset bezahlt - mit freiem Auge erkennt man ohnehin keinen Schärfevorteil mehr jenseits von Full-HD. Nettes Extra: Das Display zeigt auf Wunsch permanent die Uhrzeit an, was im Test allerdings etwas zulasten der Akkulaufzeit ging.

Doppelkamera: Stark im Zwielicht und beim Zoom
Einen nicht minder hervorragenden Eindruck hinterlässt die Kamera. Im Note 8 verbaut Samsung erstmals eine Doppelkamera mit zwei 12-Megapixel-Sensoren und doppelter optischer Bildstabilisierung. Die lichtstarke Hauptkamera stellt flott scharf und liefert selbst im Zwielicht noch scharfe und gut ausgeleuchtete Bilder. Ihr nicht ganz so lichtstarker Compagnon macht sich bezahlt, wenn man ein Motiv verlustfrei um den Faktor zwei heranholen oder Hintergrundunschärfe wie bei einer Spiegelreflexkamera in die Bildkomposition einbauen möchte - kein Must-have, aber bisweilen ein nettes Feature.

Die Frontkamera mit acht Megapixeln Auflösung ist ähnlich lichtstark wie die Hauptkamera, stellt flott scharf und ist für Videotelefonie ebenso wie für Selfies vollends ausreichend.

Licht und Schatten beim Displayformat
Das ungewöhnliche Bildschirmformat beim Note 8 hat Vor- und Nachteile. 16:9-Videos werden etwa nur dann bildschirmfüllend dargestellt, wenn man leicht heranzoomt. Dafür profitiert man beim Surfen und Lesen davon, dass etwas mehr Platz für Text in der Vertikale bereitsteht, zudem ist das Gerät durch die schmale Bauform trotz der großen Diagonale noch relativ handlich. Probleme mit der App-Kompatibilität, wie sie beim Galaxy S8 bei Einführung des neuen Bildformats noch vereinzelt auftraten, haben wir ein halbes Jahr nach dem ersten 18,5:9-Smartphone nicht mehr entdeckt.

Stylus als Alleinstellungsmerkmal
Ein Alleinstellungsmerkmal ist der im Gehäuse versenkbare Eingabestift. Mit ihm können spontan - Entsperren ist nicht nötig - Notizen ins Gerät gekritzelt werden, überdies lassen sich damit Screenshots und Dokumente mit Anmerkungen anreichern oder einzelne Bildschirmbereiche ausschneiden.

Manch ein Feature - etwa animierte Handschrift-Nachrichten - ist zwar mehr Spielerei als wirklich nötig, überdies wird wohl nicht jeder dem Schreibgefühl auf Glas etwas abgewinnen können. Liebhaber von Stift-Smartphones finden im Note 8 aber die bisher wohl beste Umsetzung dieses Konzepts.

Wer mag, kann das Gerät dank "DeX"-Dockingstation übrigens als rudimentären PC-Ersatz nutzen und ihn mit Maus und Tastatur bedienen. Die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben, sind durch die Limitierungen von Android als Windows-Ersatz allerdings enden wollend.

Viele Extras sind eher Spielereien
Angesichts der tollen Stift-Umsetzung verblassen die restlichen Extras - vom Entsperren per Iris- oder Gesichts-Scan über das eingebaute Barometer bis hin zum Pulsmesser - glatt etwas. Zudem hätten wir uns beim Note 8 gewünscht, dass der Fingerscanner nicht wie beim S8+ schwer ertastbar an der Rückseite gleich neben der Kamera platziert wird. Auch die dedizierte Bixby-Taste hätte es nicht gebraucht - immerhin kann Samsungs Assistent immer noch nicht Deutsch.

Das soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Koreaner hier ein ausnehmend wertiges Gerät abgeliefert haben. Das wasserfeste Chassis inklusive Klinkenanschluss und versenkbarem Stift macht - auch wegen des vergleichsweise hohen Gewichts - einen wertigen Eindruck, an unserem Testexemplar waren keinerlei Verarbeitungsmängel zu beobachten.

Allerdings kann man über den dem Bildformat geschuldeten etwas kopflastigen Schwerpunkt diskutieren und monieren, dass die Glas-Rückseite anfällig für Schäden und Fingerabdrücke ist.

Lobenswertes Detail: Samsung legt seinem Note 8 viel Zubehör bei, darunter wohlklingende AKG-In-Ears, Reserveminen für den Eingabestift sowie mehrere Adapterstecker: microUSB auf USB-C und USB auf USB-C.

Akku ist etwas kleiner als beim Vorgänger
Beim Akku ist man diesmal auf Nummer sicher gegangen: War er beim zurückgerufenen Vorgänger noch 3500 Milliamperestunden groß, sind es nun 3300 - und damit 200 weniger als beim etwa gleich großen Galaxy S8+. Nicht verwunderlich, immerhin braucht der Stiftparkplatz im Gehäuse Raum.

In der Praxis macht die geringere Kapazität keinen nennenswerten Unterschied: Nach einem Tag intensiver Nutzung muss das Note 8 wie so ziemlich all seine Artgenossen ohnedies an die Steckdose, zwei Tage schindet man nur bei sparsamer Nutzung und Zuhilfenahme der Stromsparfunktionen heraus.

Software mit vielen Samsung-Diensten
Noch ein Wort zur Software: Bei seiner Android-7-Interpretation - Android 8 soll per Update nachgereicht werden - versucht Samsung leider, die Nutzer an seine hauseigenen Dienste zu binden. Die Notiz-App lässt sich etwa nur mit der Samsung-Cloud, nicht aber mit gängigen Diensten wie Evernote oder OneDrive kombinieren. Den Sprachassistenen Bixby mit Hardware-Taste, der noch nicht Deutsch spricht, kann man ebenfalls nicht ersetzen. Zudem ist das System mit vielen Samsung-eigenen Apps angereichert. Zwar läuft es flüssig und kommt in aufgeräumter Optik daher, Android-Puristen, die gern Herr im eigenen Software-Haus sind, werden dennoch nicht restlos glücklich.

Fazit: Am Ende kann man Samsungs Note 8 als griffigere und mit Stift ausgestattete Doppelkamera-Variante des Galaxy S8+ betrachten, die zur Markteinführung allerdings gut 300 Euro teurer ist als das stiftlose Schwestermodell. Wer den Stift nicht braucht, wird da wohl das ebenfalls sehr gute S8+ ins Auge fassen, Stylus-Enthusiasten finden im Galaxy Note 8 aber das beste Smartphone seiner Art: Pfeilschnell, Top-Display, exzellente Kamera, saubere Verarbeitung. Ein nahezu perfektes Paket, wären da nicht der ungünstig platzierte Fingerscanner und die eine oder andere Software-Restriktion.

Dominik Erlinger
Redakteur
Dominik Erlinger
Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden