So, 20. Mai 2018

Spyware-Firma wirbt:

29.08.2017 17:13

"Finden Sie heraus, ob Ihr Sohn schwul ist!"

Der Blogeintrag einer französischen Spyware-Firma, in dem sie ihren Kunden nahelegt, mit der hauseigenen Software könne man einfach herausfinden, ob der Sohn schwul sei, schlägt hohe Wellen. Von NGOs, die sich für die Rechte Homosexueller einsetzen, hagelt es ebenso Kritik wie von der Gleichberechtigungs-Staatssekretärin Marlène Schiappa. Die Urheber des Eklats beschwichtigen.

Die Firma Fireworld hatte geschrieben: "Die Familie ist fundamental. Deshalb ist die sexuelle Orientierung Ihrer Kinder, die direkt für die Fortführung Ihrer Familie verantwortlich ist, sehr wichtig für Sie." Auch das geeignete Instrument, um die Vorlieben der Kinder auszuforschen, wird im Beitrag angepriesen.

Mit Überwachungssoftware könne man als Elternteil - etwa, indem man sich in den Facebook-Account des Sprösslings einklinke - anhand des Online-Verhaltens schnell "herausfinden, ob Ihr Sohn schwul ist."

Blogeintrag bedient alle Klischees
Im Artikel nennen die Blog-Autoren von Fireworld anschließend Indikatoren, etwa intensive Körperpflege oder größeres Interesse an Büchern als an Sport, die ihrer Meinung nach als Indiz dafür zu verstehen seien, dass Söhne homosexuelle Neigungen hätten. Töchter mit möglicherweise lesbischen Neigungen werden nicht erwähnt. Nach dem Aufschrei wurde der Blogeintrag mittlerweile entfernt.

Fireworld reagierte mit einer interessanten Erklärung auf den Eklat: Der Artikel sei nie für menschliches Publikum gedacht gewesen, sondern ausschließlich aus Gründen der Suchmaschinenoptimierung auf den Blog gestellt worden. "Wir bereuen, dass wir nicht über die Konsequenzen dieser Art von Inhalt nachgedacht haben", heißt es in einem Statement. Man bedauere den Vorfall und entschuldige sich bei allen, die sich beleidigt gefühlt hätten.

Staatssekretärin erbost - Spyware ist illegal
Eine Einsicht, die nach Ansicht der zuständigen Staatssekretärin zu spät kam. Der Blogeintrag der Firma Fireworld zeige laut Schiappa, "dass Homophobie und Sexismus ihre Wurzeln in den gleichen Geschlechterstereotypen haben. Wir werden sie gemeinsam bekämpfen." Zuvor hatten auch NGOs den Blogeintrag des Unternehmens kritisiert, berichtet die britische BBC.

Detail am Rande: Die Dienstleistungen, die Fireworld anbietet - also die Überwachung der PCs von Kindern, Partnern oder Mitarbeitern - sind in Frankreich illegal. Die Überwachung eines IT-Systems ohne das Wissen des Nutzers ist strikt verboten und auch Reklame für derartige Angebote ist untersagt. Somit ist es wahrscheinlich, dass die Spyware-Firma nach ihrem Marketing-Skandal noch Post von den Behörden erhält.

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger

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