Mi, 22. November 2017

Muslime „verbunden“?

26.08.2017 14:50

„Ihr dürft uns ja verarschen, aber gebt euch Mühe“

"Ihr dürft uns ja gerne verarschen, aber gebt euch doch wenigstens ein bisschen mehr Mühe dabei!" Mit diesen Worten kommentiert der deutsche Börsenguru und Buchautor Dirk Müller eine vor Kurzem veröffentlichte Studie der Bertelsmann-Stiftung. Die Studie, für die auch in Österreich Menschen befragt wurden, war zu dem Ergebnis gekommen, dass sich eine große Mehrheit der Muslime in Westeuropa mit dem Land, in dem sie leben, verbunden fühle. Alles nur "Propaganda" und "Gehirnwäsche", so Müllers Fazit.

Müller, auch als "Mister Dax" bekannt, spricht in seinem Video-Beitrag von einer "regelrechten Propaganda-Schlacht in den Medien". Angesichts der "Gehirnwäsche" sei es derzeit "schwer, ruhig zu bleiben", so der Börsenexperte, der auf seinem YouTube-Kanal zuletzt die Bundestagswahl, die Hetze gegen US-Präsident Donald Trump und die Hintergründe des Barcelona-Attentats thematisierte.

Neben einigen Seitenhieben auf die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, die derzeit völlig "unhinterfragt" und "unkritisch" in den Medien gefeiert werde, nimmt Müller in dem aktuellen Video vor allem die "mächtige" Bertelsmann-Stiftung und eine aktuelle Studie in die Kritik. Die besagte Studie mit dem Titel "Muslime in Europa - integriert aber nicht akzeptiert?" hatte vor wenigen Tagen in Deutschland, aber auch in Österreich und weiteren Ländern Europas hohe Wellen geschlagen.

Video: "Gebt euch doch wenigstens ein bisschen mehr Mühe"

10.000 Menschen in europäischen Ländern befragt
Über 10.000 Menschen in Österreich, Deutschland, der Schweiz, Frankreich und Großbritannien wurden dabei befragt. Die Bertelsmann-Stiftung begründete die Studie damit, einen Beitrag zur Versachlichung der öffentlichen Debatte leisten zu wollen. Die Studienergebnisse fanden sich in zahlreichen europäischen Ländern auf Seite 1 vieler Tageszeitungen - teils mit dem Titel der Studie unverändert oder nur leicht abgeändert auch als Schlagzeilen-Titel.

Für Aufregung sorgte das Ergebnis, weil sich den Studienautoren zufolge eine große Mehrheit - 94 Prozent der Befragten - der Muslime in Westeuropa mit dem Land, in dem sie leben, verbunden fühlt. In Österreich sind es laut der Studie 88 Prozent, in Deutschland sind es demnach sogar 96 Prozent der Befragten. In Frankreich ist die Verbundenheit der Islamgläubigen ebenso stark wie in der Bundesrepublik. Etwas höher als in Österreich ist sie mit 89 Prozent in Großbritannien ausgeprägt. Mit 98 Prozent am ausgeprägtesten ist die Verbundenheit in der Schweiz. Im Durchschnitt der untersuchten Länder fühlen sich 59 Prozent der Muslime "sehr verbunden" und 35 Prozent "eher verbunden".

"Das passt momentan in das Weltbild, das möchte man gerne der Bevölkerung eintrichtern, dass die Muslime in Deutschland toll und noch immer toller integriert sind", gibt sich Müller von der Studie unbeeindruckt. Ironische Ergänzung: "Die Menschen nehmen das nur völlig falsch wahr, die verstehen das nur nicht". "Ihr dürft uns ja gerne verarschen, aber gebt euch doch wenigstens ein bisschen mehr Mühe dabei!", so der Buchautor.

Kritisch sieht der Börsenexperte an der Studie auch die Tatsache, dass dafür nur jene muslimischen Zuwanderer befragt wurden, die sich bereits länger als sieben Jahre im Land aufhalten - also schon vor 2010 nach Europa gekommen sind. In der Studie, die Sie hier in voller Länge lesen können, heißt es dazu: Im verwendeten Datensatz "sind jedoch Muslime, die erst im Zuge der jüngsten Fluchtmigration nach Europa gekommen sind, nicht enthalten".

Wer sich wohlfühlt, ist längst noch nicht integriert?
In einem Kommentar der "Welt" zu den Studienergebnissen wird ein weiteres Problem deutlich gemacht: "Diese Zahl (die 96 Prozent der in Deutschland lebenden Muslime, die sich laut der Studie dem Land verbunden fühlen) mag stimmen. Doch der Wert ihrer Aussage ist gering, weil das Adverb 'verbunden' zu den Quallen unter den Begriffen gehört: Will man es fassen, fließt es formlos in das Meer der Ratlosigkeit zurück. 'Verbunden' heißt, sich zugehörig fühlen, dankbar sein - jedenfalls sagt das der Duden."

Fazit des Kommentators: "Diese Beschreibungen aber lassen viele Fragen im gesellschaftlich-politischen Raum offen. So kann ein Türke in Deutschland ein glühender Erdogan-Anhänger sein und sich trotzdem seinem Wohnort zugehörig fühlen."

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Redaktion
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