Fr, 25. Mai 2018

Vorerst kein Urteil

25.08.2017 09:22

Bizarrer Streit um Affen-Selfie vor Vergleich

Im langjährigen Gerichtsstreit um die Urheberschaft des Affen Naruto an seinem Selfie zeichnet sich eine Schlichtung ab. Die Parteien gaben am Donnerstag vor einem Gericht in San Francisco im US-Bundesstaat Kalifornien eine Stellungnahme ab, wonach Verhandlungen über einen Vergleich weiter laufen würden. Das Berufungsgericht will daher vorerst von einer Entscheidung in dem bizarren Fall absehen.

Der Streit dreht sich um die Urheberrechte an "Affen-Selfies", die ein Makake namens Naruto 2011 auf der indonesischen Insel Sulawesi gemacht hatte. Der Affe drückte damals auf den Auslöser einer Kamera des britischen Naturfotografen David J. Slater. Der glaubt, das Motiv seines Lebens geschossen zu haben, vermarktet die Fotos. Doch bald schon wird angezweifelt, dass er überhaupt die Rechte an den Bildern besitzt.

Im Jahr 2015 klagt im US-Staat Kalifornien die Tierrechtsorganisation Peta im Namen des Affen auf die Rechte an den Bildern. Der Fall wurde vor kurzem in zweiter Instanz vor einem Gericht in San Francisco verhandelt, nachdem die Klage zunächst abgewiesen wurde. Im Mittelpunkt des Streits steht die Frage, ob ein Tier Urheberrechte besitzen kann.

Der Affe habe die Bilder gemacht, ihm sollten die Rechte gehören, findet Peta-Justiziar Jeffrey Kerr. "Er sollte nicht anders behandelt werden, nur weil er kein Mensch ist." Doch während die Tierrechtsaktivisten davon ausgehen, dass der Affe die Kamera von sich aus in die Hand nahm, berichtet Slater, wie er die Tiere mit viel Mühe dazu verleitet habe.

"Erster Mensch, der von einem wilden Tier verklagt wird"
"Ich stellte die Kamera auf ein Stativ. Sie spielten mit der Kamera, dabei wurden natürlich unausweichlich ein paar Bilder gemacht", schreibt Slater auf seiner Website. Und: "Ich bin der erste Mensch in der Geschichte, der von einem wilden Tier verklagt wird, glaube ich."

Ob es ein Urteil geben wird, ist ungewiss. Doch für Slater hat der Prozess schon jetzt drastische Folgen, wie er sagt. Der Fotograf fürchtet um seine wirtschaftliche Existenz. Er sei infolge des Verfahrens emotional und finanziell abgebrannt. Für die Anwaltskosten habe er sich tief verschulden müssen.

Einnahmen aus der Vermarktung der Bilder habe er kaum, sagt er. Grund dafür sei, dass eines seiner Fotos von der Online-Datenbank Wikimedia-Commons als urheberrechtsfrei geführt werde. Die Stiftung argumentiert, das Bild sei im öffentlichen Besitz und könne frei verwendet werden, weil ein Affe sie gemacht habe. Die US-Behörde für Urheberrecht scheint diese Ansicht zu unterstützen. In einem Handbuch zum Copyright-Law heißt es ausdrücklich, ein Foto, das ein Affe gemacht habe, könne nicht urheberrechtlich geschützt werden.

Weder Geld noch Kraft für weitere Klagen
Slater sieht sich um die Früchte seiner Arbeit gebracht. Er schätzt, dass seine Fotos rund 50 Millionen Mal genutzt wurden. Für weitere Klagen fehlen ihm Geld und Kraft. Er konnte sich nicht einmal leisten, zum Gerichtsverfahren nach Kalifornien zu reisen, wie er sagt. Zudem sei seine Kreativität verloren gegangen. "Ich habe keinen Antrieb mehr, Fotos zu machen."

Slater zumindest ist zuversichtlich, dass die Aufmerksamkeit der bedrohten Affenart helfen könnte: "Touristen strömen in das Naturreservat in Indonesien - und das allein lässt die Einheimischen darüber nachdenken, die Tiere zu erhalten statt sie zu töten."

 krone.at
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