Mi, 22. November 2017

A4-Schlepperprozess

23.08.2017 14:06

„Der Wind blies uns Verwesungsgeruch entgegen“

Bei der Fortsetzung der Verhandlung gegen die Schlepperbande, die für den Erstickungstod von 71 Flüchtlingen verantwortlich gemacht wird, sind am Mittwoch vom Gericht im ungarischen Kecskemet Zeugenaussagen österreichischer Polizisten verlesen worden. Dabei kamen schreckliche Details zutage. "Der Wind blies uns Verwesungsgeruch entgegen", wurde ein Beamter zitiert.

Burgenländische Polizisten hatten am 27. August 2015 gegen 7.30 Uhr den Kühl-Lkw mit den Toten in einer A4-Pannenbucht entdeckt, als sie auf dem Weg zu einer Besprechung in Parndorf waren. Auf dem Weg zurück in die Dienststelle in Neusiedl am See fiel ihnen auf, dass der Lkw am späten Vormittag immer noch dort stand, und hielten an.

Laderaum mit Draht verschlossen
Ein Polizist ging zum Fahrerhaus und klopfte. Es gab keine Reaktion. Da die Tür nicht abgeschlossen war, öffnete er sie. Das Fahrerhaus war leer. Die Tür zum Laderaum war mittels Draht verschlossen. Als er gemeinsam mit einem Kollegen die Ladetür öffnete, sahen sie die zusammengepferchten Menschen und alarmierten die Rettung. Die Polizisten riefen, "Hallo, hallo, doch es gab kein Lebenszeichen mehr", verlas Richter Richter Janos Jadi die Zeugenaussagen der Beamten.

Zum Zeitpunkt des Auffindens hatten im Burgenland Temperaturen um die 30 Grad geherrscht. Die Polizei startete daraufhin einen Zeugenaufruf, wem der Lkw bereits zuvor aufgefallen war. Daraufhin meldeten sich Anrufer bei der Polizei, dass der Lkw ab etwa 6.15 Uhr in der Pannenbucht stand. Ein weiterer Zeuge will um 6.40 Uhr zwei Männer bei Fahrzeug gesehen haben.

Beschuldigter nicht für Geheimdienst tätig
Im Prozess war am Mittwoch auch die Behauptung eines Angeklagten, er arbeite für den bulgarischen Geheimdienst, Thema. Dazu wurde die Aussage eines Verbindungsbeamten des Geheimdienstes verlesen, der für sogenannte Risiko-Ausländer verantwortlich war. Er sagte zwar, dass er mit dem Autohändler mit bulgarisch-libanesischer Staatsbürgerschaft seit 2013 Kontakt gehabt habe, dementierte jedoch, dass der Beschuldigte für den Geheimdienst tätig gewesen ist.

Am Donnerstag ist der letzte Verhandlungstag im August. Weitere 16 Verhandlungstage sind in diesem Jahr eingeplant.

Mord und Schlepperei
Den insgesamt elf Beschuldigten werden unter anderem qualifizierter Mord und Schlepperei im Rahmen einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Zehn von ihnen nahmen auf der Anklagebank Platz. Ein Bulgare ist noch auf der Flucht.

 krone.at
Redaktion
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