So, 27. Mai 2018

Che bello!

28.08.2017 08:43

Das Schmuckkästchen Po-Delta und seine Juwelen

Das Po-Deltagebiet nicht unweit von Venedig, das zum größten Teil ein Naturschutzgebiet ist, steckt voller Überraschungen. Sonnenanbeter kommen ebenso voll auf ihre Kosten wie Fischliebhaber, Kultur- und Kunstfreunde.

Gut, dass die Venezianer vor circa 500 Jahren den Strom Po umgeleitet haben. Erst damit wurde nämlich dieses beeindruckende Naturwunder geschaffen. Das neue Po-Delta in der Oberen Adria südlich von Venedig. Dabei entstand auch ein einzigartiges Lagunensystem, die Valli. Das imposanteste sind die Valli di Comacchio, die sich auf insgesamt 11.000 Hektar Größe erstrecken.

Comacchio
Das Zentrum ist Comacchio, die wahre Hauptstadt des Po-Delta-Parks. Eine Wasserstadt, die ursprünglich auf 13 Inselchen gebaut wurde und nicht umsonst im Volksmund auch Klein Venedig heißt. Comacchio ist ein Kunst- und Geschichtszentrum, durchzogen von romantischen Kanälen mit imposanten Brücken, herrlichen Palästen und Museen. Eine besondere Sehenswürdigkeit ist die Trepponti, eine Wehrbrücke von 1634, die über vier sich kreuzende Kanalarme führt.

Seezunge, Meerbarbe, Brasse und Flunder
Bei Fisch-Feinschmeckern ist das 22.000-Einwohner-Städtchen weltweit bekannt - Wolfsbarsch, Seezunge, Meerbarbe, Brasse und Flunder sind hier zu finden. Und natürlich Aal. Hier trafen sich schon einst die schlangenartigen Geschöpfe, wenn sie nach dem Schlüpfen aus dem Sargassomeer in der Nähe der Bermuda-Inseln zurückkamen. Auch heute züchtet man sie noch immer. Es ist weltweit das Zentrum des Aals - mit einer einzigartigen Marinier-Manufaktur, die auch heute noch zum Einkochen und Marinieren von Aal verwendet wird. Darin enthalten ist auch ein Museum, das sich mit dem Thema Aalverarbeitung beschäftigt.

Venusmuscheln und Aal
Neben Aal ist man hier in der Gegend auch auf Vongole - die Venusmuscheln - spezialisiert. Ein Leckerbissen, den jeder Österreicher im Urlaub in Jesolo oder Grado jeden zweiten Tag bestellt. Mit Spaghetti, "in bianco" oder "in rosso". Mit Wein- oder Tomatensoße. Im Delta vor Gorino hat sich dazu eine riesige Muschel-Industrie entwickelt, da werden unglaubliche 80 Prozent des Bedarfs für ganz Italien produziert.

Badeorte - die Lidi
Hauptanziehungspunkt sind aber natürlich Sonne, Strand und Meer. Die goldenen Sandstrände gehören zu den breitesten Italiens. Die familienfreundliche Gegend umfasst gleich sieben Badeorte. Die sogenannten Lidi. Lido di Volano, Lido delle Nazioni, Lido di Pomposa, Lido degli Scacchi, Porto Garibaldi, Lido degli Estensi und Lido di Spina. Überall gibt es unzählige Möglichkeiten, am Animations- und Sportangebot aktiv teilzunehmen. Vom Surfen, Segeln, Beach-Volleyball, Go-Kart-Fahren bis Nordic Walking.

Das Ausflugsangebot ist praktisch unbegrenzt. Mit dem Fahrrad, dem Pferd, mit dem Schiff oder zu Fuß kann man in nur wenigen Minuten die Naturschutzgebiete erreichen - Birdwatching, Delta-Erkundung, Besuch der Muschel-Zuchten. Oder eine Tour zum Bosco di Mesola, einem circa 10 km2 großen Waldgebiet, das teilweise unter strengstem Naturschutz steht und in dem seltene Hirsche überlebten. Ganz oben auf der Liste stehen natürlich auch Fahrten zu den Flamingo-Kolonien im Valle Campo.

Ferrara: Kultur und Kunst in Hülle und Fülle
Das Zentrum ist naturalmente - natürlich - die Provinz-Hauptstadt Ferrara, die im Mittelalter entstand und ihre Blütezeit unter der Herrschaft der Familie Este zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert erlebte. Seit dieser Zeit ist der Stadtkern fast unverändert geblieben, was Ferrara zu einem äußerst reizvollen Schmuckkästchen macht. Umgeben ist das Zentrum von einer neun Kilometer langen Stadtmauer, die fast gänzlich erhalten ist. Nicht umsonst ist das Juwel Ferrara seit 1995 auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes zu finden. Im Mittelpunkt steht das Castello Estense, ein Wasserschloss, mit imposanten Wehrtürmen und einem riesigen Wassergraben. Es wurde im Jahr 1385 von Marktgraf Niccolo d’Este errichtet, um sich und seinen Hof besser vor dem eigenen Volk zu schützen.

Nur einige wenige Schritte entfernt thront die Kathedrale, die ab dem 12. Jahrhundert errichtet und in verschiedenen Stilrichtungen erbaut wurde. Die großartige Fassade, die von drei Giebeln gekennzeichnet ist, wurde im romanischen Stil angefangen und ist im unteren Teil vorherrschend. Der obere Teil, der einige Jahrzehnte später errichtet wurde, erstrahlt im gotischen Stil und ist von zahlreichen kleinen Bögen gekennzeichnet. Das Innere begeistert im Barock.

Das Wohnzimmer der Ferraresi befindet sich im Süden der Kathedrale, auf der Piazza Trento e Trieste. Früher einmal der Markt, heute mit Geschäften und Cafés bestückt. Sie lädt geradezu dazu ein, ein Gelato zu genießen oder einen Cappuccino zu schlürfen.

Die Universitätsstadt Ferrara mit ihren 130.000 Einwohnern ist eine ausgesprochen fahrradfreundliche Stadt, die "Bici" - die Räder - spielen hier eine Rolle wie in Amsterdam. Die ganze Altstadt ist autofrei. Man kann an jeder Ecke ausborgen und die Altstadt auf diesem Weg erkunden. Es lohnt sich auch ein Abstecher ins nur fünf Minuten entfernte Renaissance-Viertel mit seinen vielen wunderschönen Palazzi. Dieser Stadtteil wurde ebenso von der Familie Este geplant - für die zahlreichen Adeligen. Es reiht sich ein wunderschöner Palazzo (fast ein jeder mit einem tollen Garten im Anhang) an den anderen. Am hellsten erstrahlt der Palazzo Diamanti, einer der berühmtesten Paläste der Renaissancearchitektur.

Ferrara ist bekannt für den ältesten "Palio" der Welt
Er wurde 1279 zu einer offiziellen Veranstaltung erklärt, besteht nicht nur, wie sein berühmter Bruder in Siena, aus einem Pferderennen, sondern aus gleich vier Durchgängen. Einem Mädchen-, einem Jungen-, einem Esel- und einem Pferderennen. Die Veranstaltung findet immer am letzten Sonntag im Mai statt. Die acht Stadtbezirke kämpfen um das wertvolle Tuch des heiligen Georgs, dem Schutzpatron von Ferrara.

Abtei von Pomposa
Einen Ausflug wert ist die Abtei von Pomposa, ein Meisterwerk romanischer Baukunst, nur 50 Kilometer östlich von Ferrara. Die ehemalige Abtei des Benediktiner-Ordens ist aufgrund des wunderschönen 50 Meter hohen Turms von 1063 mit seinen Bogenfenstern, deren Anzahl nach oben hin zunimmt, meilenweit zu sehen. Auch im Inneren der Abtei sind zahlreiche wertvolle Bilder und Fresken zu finden. In einigen ehemaligen Privaträumen kann man sogar welche aus der Giotto-Schule des 14. Jahrhunderts bewundern. Das Kloster hatte im Lauf seiner Geschichte viele berühmte Persönlichkeiten aufgenommen, darunter Guido d’Arezzo, den Erfinder der musikalischen Notation. Kein Wunder, dass sich der Künstler dort wohlfühlte. Das ganze Gebiet ist ein Kleinod der Ruhe, Gemütlichkeit und Schönheit.

Albert Kurka, Krone Zeitung

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