So, 20. Mai 2018

Werte aus dem Nichts

21.08.2017 06:24

Boom bei Cyberwährungen schürt Angst vor Crash

Eigentlich sind sie nichts weiteres als Nuller und Einser aus den Weiten des Internet. Für viele Anleger haben Cyber-Währungen wie Bitcoin oder Ethereum aber einen realen Wert. Immer mehr Start-ups wollen sich daher von diesem Kuchen ein Stück abschneiden und drängen mit neuem virtuellem Geld an die Börse. Kritiker warnen vor einem Crash. Für Befürworter dagegen steht der Boom noch ganz am Anfang.

Der US-Milliardär und Investor Howard Marks vergleicht den aktuellen Hype mit der Dotcom-Blase zur Jahrtausendwende, deren Platzen er vorhergesagt hatte. "Digitale Währungen sind eine Modeerscheinung", betont Marks. Ihr Wert speise sich allein aus der Bereitschaft der Nutzer, für sie zu bezahlen. Ähnlich urteilt der Chef der österreichischen Erste Group Bank, Stefan Dörfler. Bitcoin sei zwar ein "spannendes Phänomen", aber kein offizielles Zahlungsmittel und "hoch spekulativ". Kunden rate er daher von einem Investment ab.

Für die Verfechter der digitalen Währungen ist hingegen klar, dass diese nun erst richtig Fahrt aufnehmen. "Es ist Quatsch, das Ganze als Blase zu bezeichnen, wir stehen erst am Anfang", sagt Miguel Vias, Manager beim Kryptowährungsanbieter Ripple.

Dem Branchendienst CoinMarketCap zufolge liegt der Wert der auf Plattformen wie BitStamp gehandelten Cyber-Währungen zusammengerechnet bei etwa 102 Milliarden Euro. Das ist fast sieben Mal so viel wie zu Jahresbeginn. Die Summe entspricht in etwa dem Börsenwert des größten europäischen Software-Herstellers SAP und entfällt rund zur Hälfte auf Bitcoin.

Kursexplosion
Das rasante Wachstum verdankt der Markt nicht zuletzt der Kursexplosion der mit Abstand wichtigsten Cyber-Währung, die zugleich auch eine der ältesten ist. Ein Bitcoin kostete vor kurzem rund 4500 Dollar (3833 Euro). Damit hat sich der Kurs seit Jahresbeginn verfünffacht. Richtig steil bergauf ging es Anfang August, als Bitcoin aufgespalten wurde - in Bitcoin und Bitcoin Cash. Zudem gab es ein Software-Update, wodurch das sogenannte Schürfen - die Herstellung von Bitcoin durch die Berechnung komplexer Formeln - beschleunigt wird. Die maximale Anzahl der Bitcoin ist beschränkt. Je mehr davon im Umlauf sind, desto aufwendiger werden die Kalkulationen.

Parallel dazu bieten aufstrebende Software-Firmen neue Kryptowährungen an. Über sogenannte Initial Coin Offerings (analog zum Initial Public Offering, dem Börsengang einer Aktiengesellschaft) sammelten sie 2017 bis Mitte Juli knapp eine Milliarde Euro bei Anlegern ein. Das ist etwa zehn Mal so viel wie im gesamten Vorjahr. Im Windschatten des Bitcoin-Hypes legen auch die Kurse der neuen Cyberwährungen meist rasant zu. Insgesamt sind derzeit laut CoinMarketCap 850 im Umlauf.

"Werte aus dem Nichts"
Kritiker bemängeln die fehlende Regulierung des Cybergeldes. "Da werden Werte aus dem Nichts geschaffen", sagt Rob Moffat, Partner bei dem auf Finanzsoftwarefirmen spezialisierten Risikokapitalgeber Balderton. "Da steckt keinerlei Substanz dahinter. Alles basiert auf der öffentlichen Wahrnehmung." Japan und Australien haben Bitcoin bereits in einen gesetzlichen Rahmen eingebunden. Japan hat die Währung im Frühjahr sogar als offizielles Zahlungsmittel akzeptiert. In den USA und der Schweiz liegen bei den zuständigen Behörden Anträge auf Zulassung börsennotierter Bitcoin-Fonds auf dem Tisch.

"Nur die Starken werden überleben"
Wer in Bitcoin investiert, muss sich auf erhebliche Preis-Schwankungen einstellen. "Auch in Zukunft wird es solche Turbulenzen geben, zumal derzeit schon eine Preisübertreibung zu erkennen ist", sagt Analyst Timo Emden vom Brokerhaus DailyFX. "Aber sobald Bitcoin und andere Währungen im Mainstream angekommen sind, ist der Kurs nicht mehr aufzuhalten." Auf dem Weg dahin müssten Bitcoin & Co. aber einen harten Ausleseprozess durchlaufen, betont Ripple-Manager Vias. "Werden einige diese Währungen verschwinden? Natürlich. Wir werden Darwinismus in Echtzeit erleben. Nur die Starken werden überleben."

 krone.at
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