So, 27. Mai 2018

krone.at-Test

15.08.2017 06:00

"Aven Colony": Schöner Wohnen auf fremden Welten?

Aufbauspiele gibt es viele, doch bislang blieben Hobbybaumeister am PC darin meist am bewährten Planeten Erde. "Aven Colony" von Mothership Entertainment verlegt die Baustelle jetzt ins All und lässt Spieler fremde Welten mit ganz eigenen Umweltverhältnissen und extraterrestrischen Herausforderungen besiedeln. Wie sich das spielt, hat krone.at getestet.

Die ferne Zukunft: Die Menschheit hat die Erde hinter sich gelassen und beginnt Lichtjahre von ihrer einstigen Heimat entfernt mit der Besiedelung neuer Welten. Am Planeten Aven Prime, auf den die Spieler das nach dieser neuen Welt benannte Spiel entführt, strebt man den Neubeginn an, schlägt sich aber auch mit ganz irdischen Problemen wie Nahrungsknappheit und Politik herum.

Spielerisch kann man "Aven Colony" am ehesten als extraterrestrischen Mix aus "Anno" und "Cities: Skylines" beschreiben. Wie in den Genreklassikern gilt es auch hier, eine florierende Siedlung aufzubauen und die Bedürfnisse der Bewohner bestmöglich zu stillen. Da werden etwa Rohstoffe abgebaut und veredelt, Verwaltungs-, Wohn- und Versorgungsgebäude errichtet, Nahrungsrationen eingeteilt und Gesetzeshüterdrohnen gebaut.

Giftige Nebel, Mega-Gewitter und Riesenwürmer
Der große Unterschied zu "irdischen" Aufbauspielen: In "Aven Colony" hat man es mit einer recht widerborstigen Umgebung zu tun. Aven Prime bietet verschiedene Klimazonen vom tropischen Urwald bis hin zur eisigen Einöde, wobei besonders letztere durch weniger ergiebige Farmen und geringere Stromerzeugung mit Solaranlagen problematisch sind. Da legen sich giftige Nebel über die Landschaft, Mega-Gewitter zerstören Gebäude und bisweilen greifen sogar Riesenwürmer die mühsam hochgezogene Siedlung an.

Was prinzipiell sehr abwechslungsreich klingt, entfaltete im Test allerdings nicht sein volles Potenzial. Das Wirtschaftssystem in "Aven Colony" ist nämlich sehr rudimentär: Beim Bau von Gebäuden zählt nur eine einzige Ressource, die sogenannten Naniten. Und auch die restlichen Kreisläufe und Warenketten sind nicht sonderlich komplex. Von der spielerischen Tiefe eines "Anno" ist man damit weit entfernt - auch, wenn es prinzipiell ein nettes Arsenal von Gebäuden gibt.

Fehlen dürfte Genrefans überdies das "Gewusel", das andere Games darbieten. Es ist zwar dem ungewöhnlichen Setting angemessen, dass die Kolonisten in "Aven Colony" sich nicht frei auf Aven Prime bewegen können, weil die Atmosphäre zu wenig Sauerstoff enthält. Weil dadurch das ganze Treiben in der Kolonie in abgedichtete Tunnels und Gebäude verlegt wird, in denen man überdies erst bei ganz nahem Heranzoomen Kolonisten sieht, leidet allerdings das Spielgefühl.

Zumal die Kolonisten sich durchaus bemerkbar machen - nur halt nicht so, dass man ihnen beim Leben zusehen könnte. Vielmehr melden sie sich bei Wahlen zu Wort - und richten dem Erbauer ihrer Welt bei Nahrungsknappheit, schlechter Luft oder Energiemangel in Form eines schlechten Ergebnisses aus, er möge sich bessern. Bei anhaltend schlechten Wahlergebnissen ist das Spiel - in der wenig einfallsreichen Kampagne wie im Endlosspiel - vorüber.

So rennt man den Bewohnern von Aven Prime zwar dauernd hinterher, um ihre Bedürfnisse zu erfüllen, schützt sie vor außerirdischen Bedrohungen und hilft ihnen, wo man nur kann. Das Geschehen am Bildschirm bleibt aber recht statisch, vom emsigen Treiben in der Kolonie bekommt man fast nichts mit.

Diese spielerischen Schwächen sind doppelt schade, weil "Aven Colony" in puncto Optik, Sound und Steuerung durchaus gefällt. Aven Prime haben die Entwickler mit viel Liebe zum Detail in Szene gesetzt. Vor allem die Alien-Urwälder und Gebäude haben es uns im Test angetan, während manch Naturkatastrophe ruhig etwas spektakulärer hätte sein dürfen. Bei der Steuerung geht man keine Experimente ein, Genre-Fans finden sich schnell zurecht. Und der Soundtrack untermalt das Geschehen am Bildschirm unaufdringlich, aber stimmig.

Fazit: "Aven Colony" hat mit Aven Prime und den Problemen, auf die man bei der Besiedlung einer fremden Welt stößt, einen spannenden Schauplatz gewählt, liefert durch seine geringe Tiefe und die statischen Kolonien aber nicht wirklich, was des Aufbaustrategen Herz begehrt. Auch, wenn Optik, Steuerung und Sound durchaus gefallen, leidet die Langzeitmotivation doch unter der platten Wirtschaft und den anonymen Kolonisten. Genre-Fans mit einem Weltraum-Faible können zwar trotzdem ein paar Stunden Spaß mit "Aven Colony" haben, mit den Top-Games des Genres kann es aber nicht mithalten.

Plattform: PC (getestet), PS4, Xbox One
Publisher: Team 17
krone.at-Wertung: 6/10

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger

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