So, 19. November 2017

Festspiele Salzburg

12.08.2017 23:21

„Jetzt werd ich aber elementar“

Die "Theatralik demontieren, um eine Menschlichkeit zu zeigen, von der wir vergessen haben, dass es sie gibt": Nun, die Demontage gelang dem New Yorker Duo Abigail Browde und Michael Silverstone ("600 Highwaymen") mit Horváths "Kasimir und Karoline" bestens. Es blieb gerade noch ein Skelett des Originals.

Ob dabei auch mehr Menschlichkeit entsteht, darf stark bezweifelt werden. Der theoretische Überbau wie der pädagogische Eros des Regie-Duos aus Brooklyn ist dekoriert mit den zeitgemäß flottierenden Schlagwörtern: Authentizität, Empathie, Globalisierung, Nationalismus und so fort. Das ist schön gedacht und gesprochen, doch im Ergebnis in keinerlei Hinsicht nachvollziehbar.

Das fängt schon bei der Sprache an, es gab mehrfach Hin- und Herübersetzungen, und heraus kam etwas, das man "Versatzteillager" nennen könnte. Das so genannte "partizipative Theater", das Browde & Silverstone bevorzugen, basiert auf dem Prinzip "Demokratie für alle", Profis und Laien agieren gemeinsam auf der (leeren) Bühne. Die Hauptfiguren sind teils achtfach gesplittet, was dazu verhelfen soll, diese "ganz normalen Menschen als Individuen erkennbar" zu machen. Auch wieder schön gesagt, nur halt kaum geglückt.

Salzburger Festspiele: "Kasimir und Karoline" nach Horváth

Konsequent wäre es gewesen, hätte man die 23 Darsteller (vom Dreizehn- bis zum Sechzigjährigen) mit freien Texten herumbasteln lassen. Aber Horváths genial gebautes Stück vorzuschieben, es mit mäßiger Sprachlichkeit und rührend herzig-naiver Hand-Arm-Tanztheater-Choreographie zu bepflanzen, das kann nur schief gehen.

In seiner Verzweiflung sagt Kasimir im Original einmal: "So. Jetzt werd ich aber elementar". Alleine das zu verstehen dürfte eine größere Überforderung gewesen sein. Wohl auch Karolines berühmter Satz "Man hat halt oft so eine Sehnsucht in sich - aber dann kehrt man zurück mit gebrochenen Flügeln und das Leben geht weiter, als wär man nie dabei gewesen." Es fehlt nahezu alles, was Ödön von Horváth über sein Volksstück sagte: "Es ist die Ballade vom arbeitslosen Chauffeur Kasimir und seiner Braut . . . voll stiller Trauer, gemildert durch Humor."

Der hübsche Titel der Besprechung einer früheren Highwaymen-Produktion lautete: "Das Unkunstvolle, hier wird’s Ereignis". Diesfalls nicht, abgesehen davon, was das überhaupt sein soll.

Hans Langwallner, Kronen Zeitung

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