Mi, 22. November 2017

Toter Rekrut in NÖ

11.08.2017 17:38

Akuter Infekt: Heer durch neue Obduktion entlastet

Der tragische Fall um jenen Rekruten, der Anfang August bei einem Stationsmarsch in Niederösterreich zusammengebrochen und wenig später im Spital gestorben war, ist um eine Facette reicher: Nun liegt nämlich das Ergebnis der Blutuntersuchung des 19-Jährigen vor. Die Werte zeigen, dass der junge Mann an einer akuten Infektion gelitten hatte. Diese Form der Erkrankung sei "extrem selten", hieß es am Freitagnachmittag seitens der Staatsanwaltschaft.

Die genauen Gründe, warum Toni P. bei dem 7,2 Kilometer langen Marsch starb, sind weiterhin nicht restlos geklärt. Es seien aber die Keime Haemophilus influenzae und Streptokokkus pneumoniae festgestellt worden, informierte die Staatsanwaltschaft Krems an der Donau. Dies habe der Sachverständige am Freitag telefonisch mitgeteilt. Bei der Obduktion konnten keine Entzündungsspuren an den Organen festgestellt werden.

"Erkrankung ist extrem selten"
"Es handelte sich um einen akuten Infekt, die Keimeinschwemmung ins Blut bewirkte offensichtlich das hohe Fieber und war geeignet, eine Sepsis herbeizuführen", teilte die Anklagebehörde mit. "Diese Form der Erkrankung ist extrem selten", hieß es weiter. Man habe das Bundesheer über dieses Ergebnis informiert, damit über allfällig erforderliche Antibiotikagaben an Heeresangehörige entschieden werden könne.

Neben der Infektion, die nun im Blut nachgewiesen werden konnte, war in einem Obduktionsvorbericht auch von einer Überhitzung des Körpers als Todesursache die Rede gewesen. Kameraden hatten außerdem von einem bei den extrem heißen Temperaturen "unangemessenen Drill" gesprochen.

Schwindel und Übelkeit
Der Wiener war erst einen Monat im Dienst des Bundesheeres gewesen. Doch ein routinemäßiger Fußmarsch am 3. August führte den 19-jährigen Garde-Nachwuchs in den Tod. Kurz nach dem Marschbefehl soll er bereits über Schwindel und Übelkeit geklagt haben. Trotzdem nahm der Sportler samt Zwölf-Kilo-Rucksack und Sturmgewehr an der Übung mit mehreren Stationen, die laut Heer der Hitze angepasst war, teil. Toni P. brach dann nach etwa einer Stunde, sprich vier Kilometern, zusammen. Wenig später verloren Ärzte im Spital den Kampf um sein Leben.

Doskozil: "Lückenlos aufklären"
Wie Oberst Michael Bauer, Sprecher des Verteidigungsministeriums, am Freitagnachmittag betonte, würde das nunmehrige Ergebnis der Blutuntersuchung "nichts am tragischen Tod eines Kameraden" ändern. Dass eine Vorerkrankung bestanden habe, sei ein "wesentlicher Bestandteil der Untersuchungen". Die Erhebungen zum Tod des Soldaten "laufen weiter auf Hochtouren", sagte Bauer. "Das Bundesheer wird alles unternehmen, die Ursachen für den Tod des jungen Rekruten lückenlos und transparent aufzuklären. Das ist für mich oberstes Gebot", erklärte auch Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (SPÖ).

Die Leitung jener Untersuchungskommission des Bundesheeres, die den tragischen Todesfall untersucht, wurde vom Brigadier der Miliz, Hans Rathgeb, übernommen. Rathgeb ist Präsident des Landesgerichtes Salzburg und Milizexperte des Generalstabschefs.

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