Do, 24. Mai 2018

Umstrittener Dichter

09.08.2017 17:40

Aufregung um abgesagten Kloepfer-Festabend

Es hätte der Höhepunkt des Jubiläumsjahres werden sollen: ein Festabend zum 150. Geburtstag des Heimatdichters Hans Kloepfer am 18. August. Doch die Veranstaltung wurde von der Gemeinde Eibiswald kurzfristig abgesagt. Hintergrund ist Kloepfers einstige Nähe zum Nationalsozialismus. Die FPÖ übt scharfe Kritik.

Bereits zu Beginn des Jahres schrieb die "Krone" vom schwierigen Erbe des Mundartdichters und Arztes. So begrüßte Kloepfer den Anschluss Österreichs an das deutsche Reich 1938. Als er 1944 starb, schickten Nazi-Größen Kränze. In seiner Heimatgemeinde Eibiswald gibt es dennoch einen Jubiläumsreigen mit Literaturprojekten, einer Ausstellung und einem neuen Wanderweg. Beim Festabend nächste Woche sollte sogar Schauspieler August Schmölzer eine Lesung halten.

Kurzfristig kam von der Gemeinde aber die Absage. Laut Bürgermeister Andreas Thürschweller (SP) wird ein "massives Auftreten von deutschnationalen, farbentragenden Korporationen" wegen Kloepfers "verfehlter politischer Einstellung" befürchtet. Medienberichte darüber hätten einen Imageschaden bedeutet. Tatsächlich hätte etwa der Chor der Sängerschaft Gothia zu Graz, bei der Kloepfer einst selbst Mitglied war, ein Lied beisteuern sollen.

FPÖ bringt Thema in Landtag
Die steirische FPÖ kritisiert die Vorgehensweise nach einem Jahr Vorbereitung - und betont, dass es ihr nicht um die Verherrlichung des Dichters gehe, sondern um ein ganzheitliches Bild Kloepfers. Der dritte Landtagspräsident Gerhard Kurzmann meint: "Kloepfers politische Haltung war aus heutiger Sicht eine schwerwiegende Fehleinschätzung. Dies wird jedoch im Rahmen des Gedenkens von den Organisatoren kritisch bewertet und keineswegs unter den Teppich gekehrt. Dieser Aspekt ist genauso Teil der Geschichte wie dessen außerordentliche Leistungen, die er als Chronist, Mundartdichter und Arzt für die Region erbrachte."

In einer Anfrage an die Landesregierung wollen die Freiheitlichen klären, ob Fördergelder des Landes für die Veranstaltung flossen, ob ein Schaden entstand und ob die Absage ohne Gemeinderatsbeschluss rechtlich korrekt sei.

Jakob Traby, Kronen Zeitung

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