So, 19. November 2017

Festspiele Salzburg

04.08.2017 21:10

Liebeslust, Melancholie, Verlust

Exakt 14 Minuten ebbte der Applaus ihrer Anhängerschaft nicht ab - und nach der dritten Zugabe beim Liederabend Elîna Garanèas mit Pianist Malcolm Martineau standen nahezu alle im ausverkauften Haus für Mozart. Da hatte die glänzend gelaunte Sängerin schon eine Blume an den Mann am Klavier weitergereicht

14 Lieder von Johannes Brahms waren der erste Teil des Abends - die Schwermut dröhnte beim Anfangslied mit dem Titel "Liebestreu" als Melodiemotiv aus dem Klavierbass. Wie überhaupt dieser erste Teil zwar viele Zuneigungs-Themen bis zur ewigen Liebe beinhaltete, die Melancholie aber den Ton angab. Wobei der Ausklang ’Eternal Love’ mit den deutschen Textzeilen Eisen und Stahl zur Dokumentation nie endender Liebe bemüht werden. Da tut sich einem doch ein Sidestep zur deutschen Schlagerlegende Drafi Deutscher auf, der in den 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts alle Hitparaden im Griff hatte: Wer kennt nicht sein ölig geschmettertes "Marmor, Stein und Eisen bricht - aber unsere Liebe nicht". Ein L’amour-Hatscher auf fast allen 5 Uhr Tee-Partys, denen zuweilen heftigerer Körperkontakt als ein braver Slow Fox folgte.

Das mit der erwähnten Schwermut änderte sich gravierend, als die Sängerin zum zweiten Teil im neuen Kleid, altrosa glänzend mit blauen Motiven, auf die Bühne kam - und sich auch schillernder Glanz der Stimme mehr und mehr in ihrer Darbietung breit machte. Die drei Lieder von Henri Duparc (1848-1933), der nur ganz wenig für dieses Genre komponiert hatte, ließen schon ein spürbares Stimmungshoch im Auditorium aufkeimen: Elîna brachte ihr komplettes Repertoire ein, von einer eleganten Wucht bis zur sensiblen Kontemplation. Die sich gerade beim Titel ,Extase‘ eindringlich auftat, wiewohl diese französische Ekstase tres lentement ausfiel.

Dann ein temperamentvoller Schlussteil mit acht Liedern von Sergej Rachmaninow und dem kongenialen Mann am Klavier, und ebenfalls leidenschaftlicher Thematik - der Rest war viertelstündiger Jubel. Garanèa nahm vorerst die Blume eines Verehrers entgegen und reichte dann eine Blüte aus dem offiziell überreichten Festspielstrauß an Malcom weiter - danach ging es für beide zur von Dutzenden Verehrer/innen belagerten Autogrammstunde ins Foyer.

Roland Ruess, Kronen Zeitung

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