Do, 14. Dezember 2017

Islam-Kindergärten

04.08.2017 16:19

Aslan erhebt schwere Vorwürfe gegen die Stadt Wien

Der Islamwissenschaftler Ednan Aslan erhebt im Zusammenhang mit seiner Studie über Islam-Kindergärten schwere Vorwürfe gegen die Stadt Wien. Laut Aslan würden Beamte der für Kindergärten zuständigen Magistratsabteilung eine ehemalige Mitarbeiterin von ihm unter Druck setzen. Aslan stellt zudem den Vorwurf der Manipulation von Aktenvermerken in den Raum. Die Stadt weist die Beschuldigungen zurück. Laut Aslan führt die Stadt Wien "mit allen Mitteln" eine "beispiellose Rufmordkampagne" gegen seine wissenschaftliche Integrität.

Konkret geht es um ein Schriftstück der MA 11 - Gruppe Recht, Referat Kindergärten, das den Titel "Aktenvermerk vom 16.12.2015" trägt und ein Ersuchen um inhaltliche Bestätigung beinhaltet. Die Ex-Mitarbeiterin Aslans soll bestätigen, dass im Rahmen der Studie "niemals 30 Kindergärten geprüft wurden", sondern nur drei, dass sie die Studie durchgeführt haben soll und dass sich die Ergebnisse der von der Mitarbeiterin geführten Interviews nicht mit den Aussagen und Schriften Aslans decken würden. Demnach seien kein Extremismus und keine Radikalisierungstendenzen festgestellt worden. Weiters soll die Frau anmerken, "dass die Studie von Hrn. Außenminister Kurz in Auftrag gegeben wurde, dieser kenne Hrn. Aslan persönlich und habe diesen beauftragt, die Ergebnisse der Studie dahin gehend zu verändern, dass ein solches Resultat herauskomme".

Studienautor verärgert und fassungslos
Der Islamwissenschaftler ist ob des Vorgehens der Stadt verärgert und fassungslos. Seine Ex-Mitarbeiterin werde "von Beamten der MA 11 täglich telefonisch und schriftlich gedrängt", den Aktenvermerk zu bestätigen. Aslan: "In ihrer Stellungnahme, von der sie mich persönlich informiert hat, bestätigt sie den Inhalt in keiner Weise und schließt mit der Hoffnung, dass dieses Verhalten keinen Schaden für ihren Kindergarten (die Frau betreibt einen solchen, Anm.) nach sich zieht." Ihm persönlich gegenüber habe sie erklärt, dass die Inhalte des Aktenvermerks "unwahr" seien, man ihr sogar "gedroht" habe und offensichtlich sei, dass das "heute geschrieben" wurde, so Aslan. Die Behauptung, wonach Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) ihn beauftragt habe, die Studienergebnisse zu verändern, sei "schlichtweg unwahr", betonte Aslan.

Im Rahmen der derzeit laufenden Kindergartenstudie sei ihm von der MA 11 Einsicht in alle Akten und Berichte aller Kindergarteninspektionen gewährt worden, berichtete Aslan. "Zum Zeitpunkt meiner Einsicht befand sich kein solcher Aktenvermerk unter diesen Informationen, daher befremdet mich dessen kürzliches Auftauchen. Darüber hinaus verwundert es mich sehr, warum mir die Stadt Wien im Frühjahr 2016 einen Auftrag für eine Folgestudie gegeben hat, wenn doch dieser angebliche Aktenvermerk aus dem Dezember 2015 derart schwerwiegende Vorwürfe enthält."

Aslan steht "felsenfest" hinter Studienergebnissen
Hinter den Ergebnissen der Kindergartenstudie stehe er "felsenfest", bekräftigte Aslan. "Ich bin mir keinerlei Verfehlungen bewusst und stehe zu jedem Wort des Textes. Es hat aber den Anschein, als solle ich hier - aus welcher Motivlage auch immer - für die Veröffentlichung von 'unangenehmen' Studienergebnissen mit allen Mitteln zur Rechenschaft gezogen werden."

Magistratsabteilung: Es wurde kein Druck ausgeübt
Bei der MA 11 weist man die Vorwürfe Aslans zurück. Es sei kein Druck ausgeübt worden. Der Aktenvermerk stamme tatsächlich aus dem Dezember 2015. Die Mitarbeiterin Aslans habe sich damals beim Magistrat gemeldet und über die "schwierige Zusammenarbeit" mit dem Studienautor berichtet. Das Gespräch wurde demnach von zwei Mitarbeiterinnen der MA 11 geführt. Es wurde damals ausdrücklich gebeten, nichts davon öffentlich zu machen, allerdings wurde der Aktenvermerk intern angelegt, erklärte eine Sprecherin der MA 11 gegenüber der APA. Unterzeichnet wurde das Schriftstück von der Ex-Mitarbeiterin Aslans nicht.

Ex-Mitarbeiterin: "Führte nur ein paar Interviews durch"
Sie bestätigt nach wie vor nicht die Echtheit des Schriftstücks: "Ich habe die E-Mail mehrmals gründlich durchgelesen und kann dies leider weder bestätigen noch widerlegen, da fast zwei Jahre vergangen sind. Als damalige Studentin habe ich an ein paar anonymen Interviews für diese Studie teilgenommen. Offiziell wurde diese Studie weder von mir durchgeführt noch war ich an den weiteren Informationen oder Ergebnissen beteiligt. Ich habe daher auch keine Informationen, wie viele Interviews durchgeführt wurden bzw. welche Ergebnisse und Daten der Wahrheit entsprechen oder nicht. Dadurch kann ich Ihnen leider nicht weiterhelfen und bitte Sie höflichst, diesbezüglich nicht weiter involviert zu werden", schreibt die Frau in einer aktuellen Stellungnahme.

Darüber hinaus merkt sie an, dass ihre derzeitige pädagogische Arbeit und ihr pädagogisches Konzept als Kindergartenbetreiberin in keinem Zusammenhang mit Aslans Studie stünden. "Ich hoffe, dass dadurch keine Konsequenzen für meinen Kindergarten entstehen. Mein Bestreben ist stets das Wohl der Kinder, unabhängig von ihrer Herkunft oder ihrem religiösem Bekenntnis."

 krone.at
Redaktion
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