Mo, 23. Oktober 2017

03.08.2017 14:56

Entsetzen über den irren Butterpreis

Gastronomen, Köche und Bäcker stöhnen: Die Butterpreise explodieren! Das bestätigt auch Christian Leeb, Direktor der Salzburg-Milch. Für die Gastronomie stieg der Preis binnen einer Woche um bis zu 225 %! Gründe dafür gibt es viele: Die Nachfrage nach tierischen Fetten steigt sowohl in Europa wie auch in Übersee rasant, der Viehbestand ist nicht beliebig vermehrbar. Den doppelten Wareneinsatz können Köche und Bäcker aber nur schwer an Konsumenten weiter reichen.

"Ich hab gedacht’ ich habe mich bei der Bestellung geirrt und doppelt so viel Butter geordert als nötig", sagt Hans, Koch im Glemmtaler Hof. Doch ein Blick auf die Rechnung belehrte ihn eines Besseren: Fünf Kilo Teebutter, in der Vorwoche noch um 15,99 € zu haben, standen plötzlich mit 36 Euro auf der Rechnung: Ein sattes Plus von 225%! Die portionierte Eigenmarke einer Supermarkt-Kette (250 Gramm um 99 Cent) wird aktuell nun mit 1,89 € ausgewiesen . Butterschmalz stieg um 30%, Gouda immerhin noch um 23% - wie gesagt: binnen Wochenfrist!

Es trifft Bäcker und unsere Gastronomie
Sepp Funder, Bäcker aus dem Salzburger Nonntal, bestätigt: "Ja, das ist schon extrem. Ich kaufe aus Prinzip alles in Salzburg und verwende nur frische Teebutter. Aber ich bin ja keine Tankstelle, die mit dem Preis sofort hinauffahren kann. Es ist immer schwierig, die Steigerungen an die Konsumenten weiter zu reichen."

Warum die Explosion bei Butter, Milch und Käse? "Einer der Gründe", so Salzburg-Milch-Direktor Christian Leeb, "ist die weltweite und durchaus unerwartet heftige Abkehr der Konsumenten vom Palmöl. Die Nachfrage nach tierischen Fetten nimmt im Gegenzug extrem zu. Diese Reaktion hat keiner erwartet."

Und Salzburg-Milch Direktor Leeb nennt Zahlen: "Über viele Jahre war ein Preis von 3,5 bis 3,8 Cent pro Fetteinheit normal, heute bewegen sich die Preise im Bereich von 7,2 bis 7,8 Cent." Auch der Milchpreis steigt. Die Gründe hier sind vielschichtig: Viele Bauern verfüttern kein teures Kraftfutter mehr, auch die Zahl der Tiere geht langsam zurück! Lukrative Exporte führen zu Engpässen in Deutschland und Österreich, ein weiterer Faktor bei der Preissteigerung.

Salzburg-Milch-Chef Christian Leeb: "Der Fettpreis hat sich dabei vom Milchpreis total entkoppelt. Milch stieg um 33 %, unsere Salzburg-Butter wurde nur um 16% im Preis angehoben. Butter-Eigenmarken des Lebensmittelhandels stiegen um bis zu 200 %. Wir als relativ kleine Molkerei sind in diesem Preiskampf die Verlierer." Nur 15% der Produktion macht die Salzburg Butter aus.

Dramatische Preisentwicklung
Die Salzburger Bauern profitieren von der gesteigerten Nachfrage. Direktor Christian Leeb: "45 % unserer Bauern erhalten einen Literpreis von 40 Cent, für Heumilch gibt es 46 , für Biomilch 50 Cent."

Für Karl Schnell vom Glemmtaler Hof ist die dramatische Preisentwicklung eine weitere Bürde für die Bäcker und Gastronomie: "Der Handel langt hin, die Konzerne bestimmen. Und die Bauern kämpfen immer noch ums Überleben. Unsere Wirtschaftstreibenden werden belastet, bis es nicht mehr geht. Und die Politik unternimmt leider nichts, um hier gegen zu steuern oder Betriebe zu entlasten."

Wolfgang Weber, Kronen Zeitung

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