Do, 23. November 2017

Erdogan-nahe Zeitung

05.08.2017 10:46

„Türkei kann Europa in drei Tagen einnehmen“

Im angespannten Verhältnis zwischen der Türkei und Europa hat die türkische Zeitung "Yeni Söz" mit einer hetzerischen Kampfansage Öl ins Feuer gegossen. "Wenn wir heute früh anfangen, könnten wir Europa in drei Tagen erobern", titelte das regierungsnahe Blatt Anfang dieser Woche. Die Zeitung ist ein Medium für Anhänger des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und dessen AKP.

Die Zeitung betonte laut "Focus" weiters, dass die Türkei der militärisch stärkste Akteur in Europa sei. Um diese These zu belegen, stützt sich das Blatt auf eine Umfrage, die das Forschungsinstitut Gallup bereits von Jahren veröffentlicht hatte. In dieser wurden Menschen verschiedener Nationalitäten befragt, ob sie für ihr Heimatland kämpfen würden.

Zeitung: "Können unser Abendgebet im Schloss Bellevue haben"
Offenbar deutet es die Zeitung "Yeni Söz" als Feigheitsbekenntnis, dass sich in der Umfrage lediglich 18 Prozent der befragten Deutschen dafür ausgesprochen hatten, für ihr Land zu kämpfen. Für die Pro-Erdogan-Zeitung bedeutet das: "Deutschland wird von seinen Bürgern im Stich gelassen. Wenn wir an einem Morgen beginnen, können wir unser Abendgebet im Berliner Schloss Bellevue haben." Das Schloss Bellevue ist der Amtssitz des deutschen Bundespräsidenten.

Schönborn besorgt: "Viele Muslime wollen Eroberung Europas"
Dass solche Kampfansagen nicht als Hirngespinste abgetan werden dürfen, davor warnte bereits im vergangenen Herbst etwa Kardinal Christoph Schönborn: "Europa ist drauf und dran, sein christliches Erbe zu verspielen. Wird es eine islamische Eroberung Europas geben? Viele Muslime wünschen das und sagen: Europa ist am Ende", so Schönborn.

Endet Europa im Erdogan-"Kalifat"?
Auch der algerische Schriftsteller Boualem Sansal zeichnete bereits im Vorjahr in seinem Buch "2084. Das Ende der Welt" ein düsteres Bild der Zukunft westlicher Gesellschaften. "Der Islam wird Europas Gesellschaft aufsprengen", so der Bestseller-Autor. Er befürchtete - auch mit Blick auf Erdogan -, dass solch kulturfeindliche islamistische Politik um sich greifen und letztlich auch Europa erreichen wird. Erdogan verhalte sich wie ein Kalif, der das osmanische Reich - laut Sansal das gewalttätigste Kalifat der islamischen Welt - wieder aufleben lassen wolle.

Erdogan: "Europa wird bald türkisch sein"
Erdogan selbst sorgte heuer schon mit mehreren hetzerischen Aussagen für Wirbel. So bezeichnete er Europa als "Zentrum des Nationalsozialismus" und als "Kontinent, der in jeder Hinsicht verrottet". "Wenn ihr euch weiterhin so benehmt, wird morgen kein einziger Europäer auch nur irgendwo auf der Welt sicher einen Schritt auf die Straße setzen können", warnte er die Europäer. Zudem drohte er, dass Europa bald türkisch sein werde.

Kern an die Türkei: "Ihr seid einfach kein EU-Beitrittskandidat"
Mit der jüngsten Hetze der Zeitung "Yeni Söz" hat die Europafeindlichkeit in der Türkei eine neue Stufe erreicht. Und das, obwohl die Türkei seit zwölf Jahren offiziell über den Beitritt in die EU verhandelt. Für die jüngsten Unstimmigkeiten innerhalb Europas sorgte Erdogan mit einer Verhaftungswelle und Schauprozessen gegen türkische Menschenrechtsaktivisten, Journalisten und Abgeordnete. Das sei "ein Akt diktatorischer Gewalt", sagte etwa Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ). Eine EU-Mitgliedschaft der Türkei halte er deshalb derzeit für ausgeschlossen.

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