Mo, 21. Mai 2018

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02.08.2017 15:47

Frauenfußball-EM: Was bleibt nach dem Hype?

Wer hätte das gedacht? Das österreichische Nationalteam steht bei der Frauenfußball-EM in den Niederlanden im Halbfinale. Es ist die Sensation schlechthin. Als Gruppensieger ins Viertelfinale eingezogen und Spanien im Elfmeterschießen bezwungen. Die Medien überschlagen sich mit Lobeshymnen, sogar der ARD-Kommentator freute sich mit dem österreichischen Team. Ein paar Kritiker bleiben dennoch übrig. Und auch die Experten meinen, der Hype werde nicht lange anhalten. Warum der Frauenfußball auch nach der EURO mehr Anerkennung verdient und der ständige Männer-Vergleich nervt. Ein Kommentar von Stefanie Riegler.

Vor wenigen Wochen waren Nina Burger, Lisa Makas, Manuela Zinsberger, Laura Feiersinger oder Viktoria Schnaderbeck nur den eingefleischtesten Fußball-Fans ein Begriff. Plötzlich ist die Mannschaft von Dominik Thalhammer auf jeder Titelseite zu sehen. 1,2 Millionen Zuschauer fieberten am Sonntag beim Elfmeterschießen gegen Spanien live im ORF mit. Auf dem deutschen Sender ARD kam der Viertelfinalhit gegen Spanien sogar auf eine Quote von 2,5 Millionen Zusehern.

Während die einen das Team von Dominik Thalhammer feiern und die Begeisterung von Spiel zu Spiel zunimmt, gibt es auf der anderen Seite immer noch blöde Kommentare über Frauenfußball zu lesen. Gerade in den sozialen Netzwerken sind heftige Diskussionen entbrannt: Von Pseudo-Patriotismus ist die Rede, dem Hype sei nicht zu trauen, sagen einige. Und konservative "Traditionsbewahrer" werfen dem Frauenfußball mangelnde Dynamik und Technik vor. Die Spiele seien langsamer und taktisch schwächer als jene der Männer.

Dass es physische Unterschiede zwischen Frauen und Männern gibt, ist nicht neu und liegt in der Natur der Sache. Aber bei der EM geht es doch bitteschön nicht um den Vergleich mit Männern, sondern um den Vergleich mit den besten europäischen Fußballerinnen.

In anderen Sportarten kämen solche Diskussionen nie zur Sprache. Niemand würde Anna Veith oder Lindsey Vonn vorwerfen, dass sie langsamer Ski fahren als ihre männlichen Kollegen. Auch würde niemand Serena Williams vorwerfen, dass sie Novak Djokovic unterlegen wäre. Und trotzdem ist ein Sieg von Anna Veith im Skisport genauso hoch einzuschätzen wie einer von Marcel Hirscher. Punkt. Also bitte keine Vergleiche mehr!

Fakt ist: Die ÖFB-Damen haben sich den Erfolg hart erarbeitet und bekommen endlich die Aufmerksamkeit, die sie verdient haben. Es bleibt abzuwarten, ob dieser Hype nach der EM verfliegt oder doch zu einer nachhaltigen Stärkung des Frauenfußballs führt. Sporthistoriker und Fußballexperte Matthias Marschik prognostiziert, dass das Interesse um das Frauen-Nationalteam nach der EM wieder abnehmen würde: "Außer wir werden Europameister, dann wird sich was tun."

Vor allem in der Breite hinkt Österreich hinterher. Derzeit sind landesweit 20.000 Fußballerinnen registriert. In Holland sind vergleichsweise 150.000 Frauen beim Verband gemeldet. Es wäre also wünschenswert, dass mehr junge Mädchen den Sport für sich entdecken.

Auch die österreichische Bundesliga benötigt bessere Strukturen und mehr Professionalität. Es fehlt an Zusehern und Sponsoren. Durch das Leistungszentrum in St. Pölten hat sich die Ausbildung der Spielerinnen stark verbessert. Aber danach führt der Weg meist ins Ausland. Es wäre längst an der Zeit, dass die großen Männer-Klubs wie Rapid oder Red Bull Salzburg Frauenteams aufbauen, damit die österreichischen Fußballerinnen nicht aus den Schlagzeilen verschwinden und mehr Spiele im TV übertragen werden. So könnte das Sommermärchen auch im Herbst seine Fortsetzung finden.

Stefanie Riegler
Stefanie Riegler

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