Sa, 25. November 2017

Freileitung

31.07.2017 10:59

Landes-Experten im Visier des Naturschutzbundes

Auch beim Salzburger Naturschutzbund fällt das Resümee nach der 380-kV-Verhandlung in Wien gemischt aus. Präsident Dr. Winfrid Herbst: Man habe den Eindruck gehabt, dass die Landes-Experten "nicht so durften wie sie wollten. Man hat ihnen wohl eine gehörige Portion vorauseilenden Gehorsam mit eingepackt."

Egal ob beim Naturschutz, der Elektrotechnik, in Forstfragen oder zum Stand der Technik in Sachen Freileitung und Erdkabel: "Es wurden viele Schwachstellen aufgezeigt", sagt Dr. Winfrid Herbst, Präsident des Salzburger Naturschutzbundes: "Und es wird für den Richtersenat eine Mammutaufgabe, all die umfangreichen Gutachten und Stellungnahmen sachlich richtig zu würdigen."

Für ihn steht nach mittlerweile acht Verhandlungstagen auch fest: "Es ist deutlich geworden, dass das Land Salzburg bei der Vorgeschichte, sprich bei der Genehmigung der Freileitung in erster Instanz, sehr schlecht weg kommt." Zu offensichtlich sei bei den Expertisen geschlampt worden, es gebe gravierende Fehler: "Man hatte das Gefühl, die Landesbeamten durften nicht so, wie sie eigentlich gewollt hätten", sagt Dr. Herbst.

Für den Naturschutzbund-Präsidenten sei "der vorauseilende Gehorsam der Landesbeamten offensichtlich gewesen." Herbst geht noch weiter: "Ich habe viele Jahre in der Stadt Salzburg gearbeitet. Da wurden Probleme offen und fair diskutiert. So eine Atmosphäre wie sie beim Land spürbar wurde, das gab es in der Stadt nie."

Dr. Winfrid Herbst ist seit langem Mitglied des Teams "Stoppt 380-kV", er machte sich gemeinsam mit Naturschutzbund-Geschäftsführer Dr. Hannes Augustin und Gletscherforscher Heinz Slupetzky dafür stark, dass der Gaisberg von einer 380-kV-Freileitung mit Monster-Masten verschont bleibt.

Gericht würdigt Gutachten
Sowohl der Landes-Geologe als auch der Naturschutz-Experte hatten ja im Zuge der Berufungsverhandlung massive Kritik mit ihren Aussagen geerntet: 189 Hektar Wald zu schlägern, sei kein Problem. Auch mehrere Masten-Standorte, etwa auf Rutschhängen in Taxenbach-Eschenau wurden als "unproblematisch und gefahrlos" eingestuft.

Ebenso pikant: Die vorsitzende Richterin Dr. Silvia Krase bestätigte, dass das vom Land abgelehnte Tourismus-Gutachten von Dkfm. DDr. Richard Schmidjell Aktenbestandteil ist: "Das Gutachten wird vom Gericht gewürdigt werden und es kommt ihm kein niedriger und kein höherer Beweiswert zu als einem Gutachten eines vom Gericht bestellten Sachverständigen."

Empörende Aussagen über Unbedenklichkeit
Und Schmidjell hatte klar festgestellt: Das geplante Vorhaben einer 380-kV-Freileitung beeinflusst den Tourismus in mehreren Landschaftsteilen außerordentlich negativ und das Projekt sollte deshalb nicht verwirklicht werden.

Rechtsanwalt Dr. Wolfgang List: "Empörend finden wir auch die Aussagen des Umweltmediziners Jungwirth, der meinte: Sie können Tag und Nacht unter der Freileitung leben, es wird nichts passieren. Diese Aussage ist untragbar."

Wolfgang Weber, Kronen Zeitung

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