Mi, 24. Jänner 2018

Geschützte Arten

31.07.2017 08:56

Wenn Tierschutz Bauprojekten in die Quere kommt

Wenn es um den geplanten Linzer Westring geht, ist derzeit der Biber in aller Munde - ist er doch nach Feuersalamander und Wanderfalke schon das dritte geschützte Tier, das an den Fundamenten der Donaubrücke knabbert. Aber auch andere große Bauprojekte scheiterten schon an tierischen "Spielverderbern".

Etwa 300 Tierarten sind in Oberösterreich vom Aussterben bedroht oder so selten, dass sie geschützt sind - vom Apollofalter bis zum Zaunkönig! Und wenn's um strittige Projekte geht, dann finden Gegner meist ein Tier, das den Bau verzögern oder gar stoppen kann.

Biber als Zankapfel beim Westring
Aktuell ist der Westring - samt 4. Donaubrücke - zwischen Linz und Puchenau tierischer Zankapfel. Nachdem Gegner den Wanderfalken erfolglos ins Treffen geführt hatten, brachten sie am letzten Tag der Einspruchsfrist den Biber ins Spiel. Ihn hat der Umwelt-Gutachter aber eigentlich schon im Vorhinein ausgeschlossen, da er nicht an der breiten Donau lebt. Als es bei dem Projekt noch hauptsächlich um die 4. Donaubrücke ging, durchkreuzte vor etwa 30 Jahren ein Feuersalamander den Spatenstich.

In Wels verhinderte der Große Brachvogel in einem sechs Jahre langen Kampf ein 25 Hektar großes Betriebsbaugebiet beim Flughafen - dieser ist inzwischen ein EU-Vogelschutzgebiet. Dem Ausbau der Innkreisautobahn wäre fast der Luchs dazwischengekommen. Der bekommt jetzt eigene Übergänge. "Diese werden auch von anderen Tierarten genutzt", sagt der oberösterreichische Umweltanwalt Martin Donat - siehe Interview.

Tiere immer wieder Thema bei Bauprojekten
Verschiedene Vögel haben auch den (Aus-)Bau mehrerer Windkraftparks in Oberösterreich verhindert. Und Flusskraftwerke brauchen für Huchen und Co. Fischaufstiege - sonst werden sie nicht genehmigt. Auch in anderen Bundesländern machten Tiere bei Bauprojekten Schlagzeilen: In Wien bremste der Juchtenkäfer eine Burn-out-Klinik, Ziesel und Wechselkröte blockierten Bauprojekte mit 1600 Wohnungen. In Salzburg scheiterte eine 380-kV-Leitung an einer Fledermaus.

"Schuss geht oft nach hinten los"

Als oberösterreichischer Umweltanwalt plädiert Martin Donat für faire Argumente und hat wenig Freude, wenn Tiere als "Verhinderer" herhalten müssen.

"Krone": Falke, Salamander, Brachvogel und jetzt der Biber - geschützte Tiere werden gerne gegen Projekte ins Treffen geführt.
Martin Donat: Da muss man aufpassen, dass der Schuss nicht nach hinten losgeht. Weil schnell heißt es dann, dass Menschen weniger wert sind als irgendwelche "Viecherln". Ich bin dafür, dass man bei den objektiven Argumenten und vor allem auch fair bleibt.

"Krone": Sie als Umweltanwalt stehen aber doch stark auf der Seite der Tiere und Pflanzen.
Donat: Mir geht's darum, dass man das Gesamte sieht. Dann gibt's oft sehr gute Lösungen, und man kann Entwicklung und Schutz gemeinsam betreiben. Ich denke da etwa an Umgehungsgerinne bei Kraftwerken, die sich zu Lebensräumen entwickeln und auch von Menschen als Naherholungsgebiet genutzt werden können.

"Krone": Projektbetreiber möchten solche Maßnahmen verständlicherweise oft vermeiden, da sie zusätzlich Geld kosten.
Donat: Aber wenn man von vornherein alles bedenkt und Ersatzlebensräume schafft, dann ist die Akzeptanz in der Bevölkerung auch gleich viel größer.

Markus Schütz, Kronen Zeitung

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