Di, 23. Jänner 2018

Orte ohne Homepage

30.07.2017 17:50

Internet-Zeitalter noch nicht in allen Gemeinden

Ein Internet-Auftritt ist längst nichts Besonderes mehr. Außergewöhnlich ist es allerdings, wenn eine Gemeinde im Jahr 2017 immer noch keine Homepage hat. In Tirol gibt es sie noch, die WWW-losen Dörfer. Und man höre und staune: trotzdem sind die Gemeindebürger informiert. Fast schade, dass die letzten weißen Flecken auf der digitalen Landkarte noch heuer verschwinden werden.

Über das genaue Datum gibt es widersprüchliche Angaben. Auf jeden Fall war es Ende 1990, als der britische Informatiker Timothy Berners-Lee die erste Webseite der Welt freischaltete. Damit begann der Siegeszug des Internets, das heute so selbstverständlich wie der Buchdruck ist.

"Man sieht sich ja"

27 Jahre später, in einem kleinen Dorf in Tirol. Der Name: Namlos! 80 Einwohner, ein Bürgermeister und viel Natur. Eine Gemeinde-Homepage von Namlos sucht man in den unendlichen Weiten des Internets vergeblich. Wer etwas wissen will, liest die Amtstafel, schaut im Gemeindeamt vorbei oder ruft den Bürgermeister an. Hier ist man - was anderenorts oft vermisst wird - nah am Bürger. "Man läuft sich ja über den Weg", bringt es Ortschef Walter Zobl auf den Punkt.

Namlos mag hinter den sieben Bergen liegen, aber nicht mehr lange hinter dem digitalen Mond. Zobl: "Eine Homepage muss heute schon sein. Wir arbeiten daran und integrieren bei der Gelegenheit gleich unsere Vereine. Im Oktober wollen wir online gehen."

"Waren schon im WWW"

Auch Gschnitz will bis Herbst in die digitale Welt eintauchen. Das 425-Einwohner-Dorf gehört ebenfalls zu jener Hand voll Gemeinden, die noch keinen eigenen Internet-Auftritt haben. "Ein Privater hat uns einmal eine Homepage eingerichtet. Die wurde aber wieder stillgelegt", erklärt BM Christian Felder. Die Amtstafel und die Gemeindezeitung sind seither die wichtigsten Informationsmedien. Bisher hat es gereicht. Jetzt muss eine Homepage her, weil das Land neuerdings die digitale Bereitstellung von Flächenwidmungsplänen vorschreibt. "Es ist eh an der Zeit", fügt Felder hinzu.

"Die Letzten im Bezirk"

Auch Untertilliach in Osttirol kommt (noch) ohne Gemeinde-Homepage aus. Der neue BM Manfred Lanzinger erzählt von einem missglückten Versuch vor etlichen Jahren, bei dem außer Spesen nichts gewesen ist. Jetzt erfolgt ein neuer Anlauf. "Im Bezirk sind wird die Letzten", meint Lanzinger. Stolz müsse man darauf aber nicht sein, ergänzt der Ortschef.

Eine Ära geht zu Ende. Vielleicht werden kommende Generationen fasziniert davon sein, dass Gemeinden noch 2017 ohne Homepage auskamen - und trotzdem existierten. Nicht digital, aber real.

Claudia Thurner, Kronen Zeitung

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